100.000 Euro aus Erbschaft – das müssen Sie jetzt in finanzieller Hinsicht wissen

Der Tod eines Familienangehörigen bringt emotionale Belastungen mit sich. Und manchmal stellt einen auch die Erbschaft einer größeren Summe vor einige Fragen. Einige Basics, die Sie unbedingt wissen sollten. 

Stellen Sie sich einmal vor, es landet ein Brief vom Notar bei Ihnen in der Post – Sie haben 100.000 Euro von einem verstorbenen Onkel geerbt. Trotz des emotionalen Verlustes, kann eine Erbschaft Ihr Leben – gerade in finanzieller Hinsicht – zum Positiven wenden. Doch dafür benötigen Sie allerdings einen cleveren Plan.

In Deutschland werden jedes Jahr zwischen 200 bis 400 Milliarden Euro vererbt. Im nachfolgenden Beitrag zeige ich Ihnen, was Sie in finanzieller und steuerlicher Hinsicht bei einer Erbschaft wissen sollten.

Nichtstun wird bestraft

Vor 20 Jahren gab es das Dilemma noch nicht. Wer sein Geld auf dem Sparbuch parkte, verdiente regelmäßig knapp fünf Prozent auf sein angelegtes Kapital. Auch langlaufende Bundesanleihen (30 Jahre) warfen zur Jahrhundertwende noch wesentlich attraktivere Renditen ab. Heute würden Sie als Anleger jährlich knapp 0,04 Prozent an Rendite erzielen. Auch die steigende Inflation sollte Sie dazu motivieren, auf renditereichere Anlageklassen umzuschichten. Historisch betrachtet lag diese in den vergangenen Jahren bei 1,55 Prozent. Das aktuell hohe Niveau (nahe vier Prozent) wird – trotz steigender Sorgen gegenüber der Zinspolitik der EZB – nicht ewig bleiben.

Warum ist das Ganze relevant? Was würde mit 100.000 Euro passieren, wenn Sie unbedacht auf zinslose Spareinlagen setzen? Nominal – also am Kontostand – würde sich ohne Entnahmen nichts ändern. Die gesunkene Kaufkraft wird sich hingegen schnell bemerkbar machen. Alleine nach 10 Jahren ist Ihre Erbschaft „nur“ noch 85.973 Euro wert. Nach 20 Jahren sinkt die Kaufkraft um weitere 12.000 Euro.

Andere Anlageklassen wie Aktien oder Immobilien bieten sich Ihnen als Alternative an. Ohne Planung sollten Sie Ihr Vermögen jedoch auch nicht in diese Assets investieren.

Analyse der eigenen Lebenslage

Bevor Sie Ihre Erbschaft in Aktien, ETFs, Kryptowährungen oder Immobilien investieren, sollten Sie Ihre aktuelle Finanzlage überprüfen. Haben Sie offene Konsumschulden? Lohnt sich die frühzeitige Tilgung des Immobiliendarlehens? Haben Sie ausreichend Rücklagen für Notfälle? Wie sicher ist Ihr Job? Planen Sie Nachwuchs? All diese Fragen gehören zunächst einmal beantwortet.

Psychologisch betrachtet kann eine Erbschaft zur Belastung werden. Gerade dann, wenn es sich um ein verstorbenes Familienmitglied handelt, das Ihnen sehr nahe stand. Viele Menschen geraten in solchen Fällen verstärkt in einen passiven Modus, in dem Sie dem Geld keinen „realen“ Wert beimessen, da sie es sich nicht mit „aktiver Arbeit“ verdient haben. Es wird entweder konsumiert oder es bleibt unberührt auf dem Bankkonto.

In diesen Fällen lohnt sich das Gespräch mit Freunden, Bekannten, einem Coach oder auch mit einer psychologischen Betreuung.

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Ihre Ziele bestimmen den Weg

Nachdem Sie Ihre Finanzlage bestimmt und Rücklagen aufgebaut, sowie Schulden getilgt haben, können Sie mit der Geldanlage starten. Dabei steht – ähnlich wie im vorherigen Schritt – eine Analyse Ihrer Person im Vordergrund. Welche Ziele verfolgen Sie mit dem Investment? Wie gut kennen Sie sich am Kapitalmarkt aus? Welche Schwankungsintensität halten Sie aus?

Ihre Portfoliozusammenstellung hängt von den Antworten auf die obigen Fragen ab. Je risikoaverser Sie sind, desto geringer sollte der Aktienanteil in Ihrem Portfolio ausfallen. Auch wenn Sie kürzlich Kinder bekommen haben und viel Verantwortung tragen, sollten Sie nur kontrollierte Risiken eingehen. Wer langfristig für das Alter vorsorgen möchte, kann im Regelfall eine höhere Aktienquote  akzeptieren als jemand, der mit dem Geld für den nächsten Urlaub spart.

Einzelaktien sind zudem nur dann eine sinnvolle Option, wenn Sie in der Lage sind Unternehmen zu bewerten. Das gleiche Prinzip gilt für die Anlage in Kryptowährungen – hier sind fortgeschrittene Kenntnisse eine absolute Empfehlung. Anfänger sind aus unserer Sicht mit ETFs am besten bedient. Wer dem breiten Markt folgt, hat in der Vergangenheit meist gute Anlageerfolge erzielt – auch ohne Vorkenntnisse.

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So würde ich die 100.000 Euro aus der Erbschaft investieren

Wie würde ich mit einer Erbschaft von 100.000 Euro umgehen? Das ist relativ einfach. Ich würde aufgrund meines langfristigen Anlagehorizonts 65 Prozent meines Vermögens in Aktien-ETFs investieren. 45 Prozent fließen in einen MSCI-World ETF, 15 Prozent in einen MSCI Emerging-Markets und die restlichen fünf Prozent fließen in hochwertige Einzelaktien (Anfänger können stattdessen ihre MSCI-World Position höher ansetzen).

Weitere 25 Prozent fließen in bonitätsstarke, europäische Staatsanleihen. Diese bringen mir zwar keine Rendite, aber eine große Portion Entspannung ins Depot. Gerade in turbulenten Phasen ist diese Anlageklasse noch Gold wert.

Die letzten zehn Prozent werden gleichmäßig in einen Gold-ETC und auf Kryptowährungen (Bitcoin, Ethereum) verteilt. Gold fungiert ähnlich wie Anleihen wie ein Dämpfer, während eine kleine Gewichtung an Kryptowährungen mein Renditeprofil optimieren.

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Diese Steuern sollten Sie kennen

Eine Erbschaft sollte im Idealfall geplant sein, um steuerliche Vorteile zu realisieren. Bis zu einer bestimmten Höhe, bestehen je nach Verwandtschaftsgrad unterschiedliche Freibeträge, die genutzt werden können. Kinder müssen z.B. bis zu einer Erbmasse von 400.000 Euro keine Steuerzahlungen auf Ihr Erbe entrichten. Ich habe erst kürzlich von einer Person gelesen, die das Steuer-Thema ignoriert hat. Sie hat von ihrer Erbschaft eine Immobilie finanziert, ohne die anstehende Steuerbelastung zu antizipieren. Das kann im Zweifel schwerwiegende finanzielle Folgen haben.

Gerade wohlhabende Familien sollten sich hinsichtlich der Erbfolge frühzeitig Gedanken machen. Oft ergibt es Sinn, die zukünftige Steuerlast mithilfe von Schenkungen zu Lebzeiten zu minimieren. Das ist eine gängige Praxis.

Konsultieren Sie bei komplexeren Vermögen Ihren Steuerberater oder Notar. Diese Berufsgruppen sind ideale Ansprechpartner zur Klärung derartiger Sachverhalte.