Berliner-Mauer-30

30 Jahre Mauerfall: Geldvermögen im Osten um 244 Prozent gewachsen

Der Fall der Berliner Mauer ist 30 Jahre her. Trotz aller Probleme hat sich seither die wirtschaftliche Lage in Ost- wie in Westdeutschland verbessert.

Durchschnittlich ist das Geldvermögen im Osten um 244 Prozent auf 40.000 Euro pro Haushalt angewachsen. Im gleichen Zeitraum legte es im Westen um 95 Prozent auf 63.000 Euro zu. Thüringen hat mit einem Geldvermögenszuwachs von 288 Prozent am stärksten aufgeholt, gefolgt von Brandenburg mit 251 Prozent und Sachsen-Anhalt mit 237 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt eine Berechnung der Deka Bank, dem Wertpapierhaus der Sparkassen.

„Der Angleichungsprozess zwischen Ost und West verlief besonders in den Anfangsjahren rasant“, erklärt Deka-Chefvolkswirt Ulrich Kater. Gerade mit Blick auf Thüringen (43.500 Euro Geldvermögen pro Haushalt) und Berlin (47.200 Euro) zeigt sich, dass es Ost-Bundesländern gelungen ist, in Sachen Geldvermögen zum Westen aufzuschließen. Und dennoch: „Obwohl im Osten der Vermögensanstieg deutlicher ausfällt, bleibt noch ein Unterschied von 36 Prozent bestehen“, erklärt Kater.

Vermögensschere im Osten geringer

Zwischen dem ärmsten und dem reichsten Landkreis in Ostdeutschland liegen 40 Prozent Differenz beim Pro-Kopf-Geldvermögen, im Westen sind es 67 Prozent. Kater nennt hierfür zwei Gründe: „Das liegt zum einen an der gleichmäßigeren Verteilung der Einkommen in den neuen Ländern.“ Im Westen dagegen gibt es sehr hohe Vermögensunterschiede. Und zum zweiten: Der Zinseszinseffekt verstärkt ungleiche Vermögensverteilungen noch, besonders, wenn er wie im Westen viele Jahrzehnte wirken konnte.

Regionale Unterschiede im internationalen Vergleich gering

Der Unterschied zwischen Ost und West wird sich in Zukunft nicht mehr signifikant ändern. „Ein weiteres Zusammenwachsen wird nur langsam vonstattengehen“, prognostiziert Kater. Zumal auch bei der Wirtschaftsleistung, dem BIP pro Kopf, Ost und West 25 Prozent trennen. Regionale Unterschiede der Wirtschaftskraft sind aber durchaus normal. „International zählt die Bundesrepublik sogar zu den Staaten mit einer eher gleichmäßigen regionalen Verteilung“, erklärt der Volkswirt. In Deutschland liegt das BIP pro Kopf des schwächsten Bundeslandes (ohne die Stadtstaaten) im Vergleich zum stärksten bei 58 Prozent. Zum Vergleich: In den USA ist die Relation bei lediglich 44 Prozent.

Einigkeit beim Sparverhalten

Trotz des starken Aufholens in Sachen Vermögen und der noch immer vorhandenen Unterschiede, eines haben Ost und West gemeinsam: die Art des Sparens. „Die Deutschen sparen am liebsten mit dem Sparbuch. Hier gibt es auch keinen deutlichen regionalen Unterschied“, erklärt Kater. Durchschnittlich die Hälfte des Vermögens der Deutschen liegt in Anlagen, die durch die extrem niedrigen Zinsen der Inflation schutzlos ausgesetzt sind. Zwar bleibt der Wert auf dem Kontoauszug gleich, über die Jahre geht aber die Kaufkraft verloren. „Noch immer stoßen Wertpapiere hierzulande auf Skepsis“, sagt Kater. Das zeigt sich an der insgesamt niedrigen Aktionärsquote von 5,2 Prozent in den neuen Bundesländern und 6,7 Prozent in den alten. „Dabei sind Wertpapiere die einzige Möglichkeit, um bei niedrigen Zinsen noch langfristig eine Rendite zu erzielen“, zeigt Kater weiter auf. Nach dem jüngsten Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank rechnet der Volkswirt frühestens wieder ab dem Jahr 2025 mit minimal steigenden Zinsen.

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