Von Timo Baudzus31. Dezember 2021
ETF-Sparplan mit einer Top-Performance.

30 Prozent Plus mit ETF-Sparplan – ein Erfahrungsbericht

Ein ETF-Sparplan ist langweilig und bringt kurzfristig kaum Rendite? Du kannst dich hier gern vom Gegenteil überzeugen. Doch Vorsicht: Selbst nach einem fulminanten Start sollte man einen sehr wichtigen Aspekt beherzigen. 

Eine gute Freundin hat 2020 das Investieren mittels ETF-Sparplan für sich entdeckt. Im August 2020 kam sie auf mich zu und fragte mich um meine persönliche Einschätzung zum Xtrackers MSCI USA Information Technology ETF (WKN: A1W9KD). Der ETF investiert ähnlich wie der Nasdaq 100, lässt aber Werte wie Meta (Facebook), Alphabet (Google), Amazon und Tesla außen vor. Dafür bilden viele Nasdaq-ETFs Finanzwerte wie Visa oder Mastercard nicht mit ab, die jedoch beim MSCI USA Information Technology zu den Top-Positionen gehören. 

Es sind also bei einigen wichtigen Einzelwerten mit hoher Marktkapitalisierung durchaus Unterschiede zum Nasdaq 100 vorhanden, doch die grundsätzliche Ausrichtung ist zumindest ähnlich. Der MSCI USA Information Technology enthält insgesamt mehr Aktien mit mittlerer Marktkapitalisierung als der Nasdaq 100, aber die Differenz beträgt lediglich 5 Prozentpunkte. Da ich selbst als tech-affiner Investor von dem Wachstumspotenzial der sehr vielfältigen IT-Branche (Cloud, KI, Blockchain, Cyber Security, Automation & Robotics) überzeugt bin, fiel meine Einschätzung positiv aus. 

Langfristiger ETF-Sparplan mit fulminantem Start

Natürlich habe ich meiner Freundin den Hinweis gegeben, dass viele Einsteigerinnen und Einsteiger es vorziehen, mit einem ETF-Sparplan auf Welt-Indizes wie den All Countries World zu starten. Doch da sie selbst durchaus tech-affin ist, einen langen Anlagehorizont von mehreren Jahrzehnten mitbringt und auch bereit ist, Risiken einzugehen, blieb sie beim Information Technology ETF. Den Sparplan hat sie mit einem mittleren dreistelligen Betrag gestartet. 

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Nach Weihnachten haben wir uns auf einen Kaffee bei mir im Büro getroffen. Sie berichtete mir ziemlich überschwänglich, ihr ETF-Sparplan liege aktuell mit 30 Prozent im Plus. Ich konnte es zunächst nicht glauben, doch als sie die App ihres Broker öffnete, leuchtete mir in ihrem Depot tatsächlich der besagte Kurszuwachs entgegen. Und es handelte sich wirklich um die Rendite des Depots, nicht die Indexrendite (die ebenfalls bei rund 45 Prozent in diesem Zeitraum liegt).

Warum ich diese Geschichte erzähle (übrigens ist das mit ihr abgestimmt), hat folgenden Hintergrund. Zum einen möchte ich dir zeigen, dass auch kurzfristig mit Sparplänen derart erfreuliche Ergebnisse möglich sind, zum anderen aber auch deutlich dafür sensibilisieren, dass es sich dabei wahrscheinlich um einen sehr positiven Ausreißer handelt. Zumal ein solches Ergebnis nach nicht einmal 1,5 Jahren auch nicht aussagekräftig ist. 

ETF-Sparplan und langfristiger Durchschnitt 

Und so habe ich auch deutlich darauf hingewiesen, dass sie sich bitte mit dem Gedanken anfreunden sollte, dass es in den kommenden Jahren auch Phasen geben wird, in denen die aktuell erzielten Gewinne womöglich wieder zusammenschmelzen. Denn langfristig wird sich die Rendite ihres Sparplans dem langfristigen Durchschnitt des zugrundeliegenden Index annähern.

Dadurch, dass man regelmäßig ETF-Anteile kauft, erwirbt man diese zu einem sogenannten Durchschnittspreis. Das bringt zwar im Vergleich zu einer Einmalanlage keinen wesentlichen Renditevorteil, aber die Daten der Vergangenheit zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass man mit einem ETF-Sparplan eine attraktive Rendite erzielt. Dass diese bei 30 Prozent pro Jahr liegen wird, ist jedoch nahezu ausgeschlossen. 

Das kann man beispielsweise am MSCI World nachvollziehen. Dieser hat 2021 eine überragende Rendite von 20 Prozent erzielt. Diese liegt aber auch mehr als doppelt so hoch als der langfristige Durchschnitt. Dieser beträgt beim MSCI World 9,2 Prozent pro Jahr. Dies haben wir anhand von Daten seit 1970 errechnet.

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Da aber auch die vergangenen zehn Jahre extrem starke Aktienjahre waren, sollte man mindestens noch einen Sicherheitsabschlag von 20 Prozent einziehen. Dann landet man beim MSCI World im Schnitt bei rund 7 Prozent. Ähnliche Größenordnungen sind auf lange Sicht auch beim MSCI USA Information Technology realistisch. Vielleicht wird dieser junge Index (Auflage 2017) etwas mehr erzielen, da er sich auf eine Mischung aus Wachstums- und Value-Aktien fokussiert. Trotzdem rate ich dazu, immer konservativ zu kalkulieren – und sich später womöglich über Renditen zu freuen, die über den Erwartungen liegen.

All das beherzigt übrigens auch meine Freundin. Sie wird ihren ETF weiterhin fleißig besparen – und dabei nicht in irrationalen Überschwang verfallen.

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