5 defensive Bausteine, die Ihr ETF-Portfolio sicherer machen

Die Coronakrise ist längst nicht ausgestanden. Ökonomen rechnen mit wirtschaftlichen Verwerfungen. So können Sie Ihr ETF-Portfolio deutlich sicherer machen. 

Die Schwankungsintensität hat an den globalen Finanzmärkten wieder zugenommen. Die Angst vor den ökonomischen Folgen der Corona-Krise machen vielen Anlegern zu schaffen. In dieser Phase sollten Anleger ihr ETF-Portfolio unbedingt auf den Prüfstand stellen. Wie ausbalanciert ist die Diversifikation? Wie resistent sind die Investments gegen Marktkorrekturen? All diese Fragen sollten Sie sich heute stellen.

Wie beim Fußball, brauchen Sie zum Erfolg bei der Geldanlage neben einem starken Sturm auch eine solide Defensive. Welche Bausteine sich dafür eignen, zeige ich Ihnen jetzt.

1. Der Klassiker: bonitätsstarke Staatsanleihen

Staatsanleihen sind besonders stark vom Niedrigzins betroffen. Anleger erhalten seit Jahren keine nennenswerten Zinsen mehr auf ihre Investments. Zudem ist das Zinsänderungsrisiko aktuell besonders hoch. Jedoch spielen bonitätsstarke Staatsanleihen auch in meinem Depot weiterhin eine wichtige Rolle. In Zeiten, an denen es an den Börsen turbulent zugeht, mindern sie das Abwärtspotenzial.

Das Upside-Potenzial ist zwar begrenzt, aber dafür schwächen sie die Schwankungsintensität – und das hat viele psychologische Vorteile. Wer möchte, kann seinen Anleihen auf Industrie- und Schwellenländer aufteilen, um höhere Zinszahlungen zu erhalten – aber auch hier steigt dann das Risiko, da Schwellenländer eine geringere Bonität als Industrieländer haben.

2. Gold als Krisenwährung?

Gold ist keine Garantie für hohe Renditen in Schwächephasen. Vergleichen Sie Gold in Ihrem Depot vielmehr als Feuerversicherung. Wenn es an den Finanzmärkten brennt und Anleger das Vertrauen verlieren, fliehen die meisten Anleger in Gold. Das zeigt die historische Kursentwicklung des Edelmetalls.

Auch Fondsmanager Ray Dalio schwört auf die Funktion von Gold als Absicherungsinstrument in Krisenphasen. Anleger sollten ca. 5-10 Prozent ihres Portfoliowertes in Gold investieren, um einen ausreichenden Dämpfungseffekt zu realisieren.

Tipp: Hier erfahren Sie alles über das Investieren in Gold.

3. Short-ETFs zur Absicherung

Ein gutes Mischdepot mit breiter Streuung und Absicherungs-Assets wie physischem Gold lassen vorsichtige Anleger ruhiger schlafen. Nur weil es an der Börse aktuell wieder kräftig ruckelt, heißt das nicht, dass Privatanleger in den Verkaufs-Modus übergehen sollten. Anlegertreu lohnt sich, das hat auch Börsenlegende André Kostolany gewusst: „Wer Aktien nicht hat, wenn sie fallen, der hat sich auch nicht, wenn sie steigen“.

Wer sich vor fallenden Kursen absichern möchte, kann dies mit sogenannten Short-ETFs tun. Anleger, die mit einer fallenden Kursentwicklung rechnen, können mit diesen Finanzinstrumenten profitieren. Ein Short-ETF bewegt sich nämlich immer entgegengesetzt zum entsprechenden Index. Je höher die Volatilität (also Schwankungsbreite), desto höher der Kurs von Short-ETFs.

Macht ein Short-ETF Sinn? Aus meiner Sicht nicht, es verursacht nur zusätzlichen Aufwand und ist nicht trivial. Für die meisten Privatanleger lohnt sich eine breite Diversifikation, ein aktiver Sparplan und in unruhigen Zeiten einfach mal eine Auszeit vom „ständig“ aufs Depot schauen.

4. Total Return fürs ETF-Portfolio

Total-Return-ETFs verfolgen das Ziel, eine möglichst absolut positive Rendite bei gleichzeitig geringer Schwankungsintensität zu erzielen. Selbst im ungünstigsten Fall soll in einem bestimmten Zeitraum noch mindestens das investierte Kapital erhalten bleiben. Um diese Wertsicherung zu erreichen, wird ein Teil des Anlageportfolios in als sicher geltenden Staatsanleihen investiert. Der andere Teil wird in Aktien investiert, um das Renditepotenzial zu erhöhen.

Total-Return-Fonds orientieren sich nicht wie klassische Fonds an einem Referenzindex (z.B. DAX), sondern können deutlich flexibler diversifizieren. Das macht die Kapitalallokation wesentlich flexibler, weil in verschiedene Anlageinstrumente wie Anleihen, Währungen, Aktienmärkte oder Derivate investiert wird.

Total-Return-ETFs zeichnen sich durch ein hohes Maß an Sicherheit aus. Dafür sind die Renditechancen geringer als bei klassischen ETFs auf Aktienmärkte (MSCI-World, S&P 500, NASDAQ). Sind Total-Return-ETFs sicher vor Verlusten? Auf keinen Fall. Entwickeln sich die Märkte negativ, können auch Total-Return-ETF ins Minus rutschen. Vor einem Börsencrash schützen also auch sie nicht, wie es gerne von einigen Finanzdienstleistern zum Ausdruck gebracht wird.

Tipp: Hier erfahren Sie alles zu den Weltportfolios von Gerd Kommer und wie Sie diese nachbauen können.

5. Fokus auf „krisenfeste“ Sektoren

Ein weitere Strategie ist der Fokus auf Branchen und Unternehmen, die historisch betrachtet eine robuste Entwicklung gezeigt haben. Während Industrieunternehmen beispielsweise besonders hart von der Covid-19-Krise getroffen wurden, blieb die Nachfrage nach Aktien aus der Gesundheits- und Pharmabranche weiterhin hoch. Pharmawerte haben sich schon in früheren Schwächephasen bewährt. Die Korrelation mit der ökonomischen Entwicklung in anderen Branchen ist relativ gering. Die Entwicklung neuer Medikamente unterliegt keinen Konjunkturzyklen.

Auch die Nahrungsmittel- und Telekommunikationsbranche ist bei defensiven Anlegern sehr beliebt. Mit großen Wachstumssprüngen sollten Investoren hingegen nicht rechnen – eher mit einem soliden Wachstum über die kommenden Jahre hinweg.

Natürlich sollten Anleger ihr Portfolio nicht mit Einzelaktien oder Branchen-ETFs übergewichtigen – als Baustein für eine bessere Defensive sind diese in jedem Fall sinnvoll.

Tipp: Hier finden Sie die kostengünstigsten Anbieter für ETF-Sparpläne.

Fazit: ETF-Portfolio mit verschiedenen Anlageklassen

Die Mischung macht den Unterschied. Das Einzige, was es bei der Geldanlage umsonst gibt, ist die Diversifikation. Mit dieser Theorie konnte Harry M. Markowitz zeigen, dass wir als Privatanleger unser Portfoliorisiko reduzieren können, in dem wir uns breit aufstellen.

Als Privatanleger sollten Sie stets auf eine breite Streuung achten. Auf lange Sicht relativieren sich kurzfristige Verlustrisiken. Wer jedoch eine niedrige Risikotoleranz hat, sollte breit über verschiedene Anlageklassen (Aktienmärkte, Immobilien, Rohstoffe) streuen und den Anleihen-Anteil im Portfolio erhöhen. 

So sieht ein konservatives ETF-Portfolio aus. 

So sieht ein konservatives ETF-Portfolio aus.