Von Katja Brauchle12. Juli 2022
Wirklich überraschend war es nicht, gravierende Folgen hat es trotzdem: Am Freitag hatte Elon Musk sein Kaufangebot für Twitter zurückgezogen. Doch das Ende der Saga ist damit noch nicht erreicht.

Absturz für Twitter-Aktie, Druck bei Tesla: Die Spielchen des Elon Musk

Wirklich überraschend war es nicht, gravierende Folgen hat es trotzdem: Am Freitag hatte Elon Musk sein Kaufangebot für Twitter zurückgezogen. Doch das Ende der Saga ist damit noch nicht erreicht.

Nicht nur die Twitter-Bosse und Mitarbeiter sind enttäuscht vom Rückzieher des Tesla-Chefs, auch für die Aktionäre war die Nachricht ernüchternd. Gestern ist der Kurs einer Twitter-Aktie um 11,3 Prozent auf 32,65 US-Dollar gefallen. Doch auch die Tesla-Aktie bleib von den Spielchen Musks nicht unberührt und fiel um 4 Prozent.

Zu viele Fake-Accounts

Als Begründung für seinen Rückzieher nannte Elon Musk, es gäbe deutlich mehr Fake-Accounts auf der Plattform, als er angenommen habe. Twitter selbst schätzt die Zahl auf weniger als fünf Prozent. Weiter seien Musk nicht die nötigen Zugänge zur Überprüfung der Zahlen bereitgestellt worden. Dem widerspricht Twitter und kündigt an, den Kauf nun gerichtlich durchsetzen zu lassen. Der Kaufvertrag steht – somit sind die Chancen, dass das Gericht in Delaware zugunsten der Social Media Plattform entscheidet, nicht schlecht. Eine vertraglich vereinbarte Strafzahlung von einer Milliarde Dollar muss Musk außerdem zahlen, bleibt es beim geplatzten Deal.

Doch so ein Rechtsstreit dauert Monate – und so müssen sich Aktionäre auch auf Monate der Ungewissheit einstellen. Dazu kommt die berechtigte Frage, ob es sinnvoll ist, jemanden zum Kauf zu zwingen, der darauf so offensichtlich keine Lust mehr hat. Was soll im Anschluss aus Twitter werden?

Alles nur ein Spiel?

Indes werden auch Stimmen laut, die Musk vorwerfen, er habe den Deal von Anfang an nur als Vorwand genutzt, um Tesla-Aktien im Wert von 8,5 Milliarden US-Dollar verkaufen zu können. Aus Sicht von Josh Wolfe, Mitgründer von Lux Capital und Redakteur bei Forbes, sind das nur Peanuts verglichen mit den liquiden Mitteln von 7,5 Milliarden Dollar, die Musk sich auf diese Weise gesichert hat. „Er kann Raketen landen aber keine Bots in den Griff bekommen? Wer’s glaubt“ twitterte Wolfe nachdem Musks Rückzieher öffentlich wurde.  Und Wolfe ist nicht der einzige, der Musk nicht glaubt. Stephen Diamond, associate Professor für Rechtswissenschaft an der Santa Clara Universität in Kalifornien, wundert sich ebenfalls. Das Problem mit den Fake-Accounts sei für Musk nichts, was er eben erst erfahren habe. Tatsächlich sprach Musk davon, eben dieses Problem lösen zu wollen, als er den Übernahme-Deal bekannt gegeben hatte.

Andere gehen davon aus, Elon Musk wolle auf diese Weise versuchen, den Kaufpreis zu drücken. Die beiden Parteien hatten sich auf einen Preis von 54,20 Dollar pro Aktie geeinigt, was dem Verwaltungsrat von Twitter zunächst zu wenig war. Die Aktionäre hatten noch nicht über den Deal abgestimmt.

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Finger weg von der Aktie

Wer in letzter Zeit mit dem Gedanken gespielt hat, die Twitter-Aktie zu kaufen, sollte vorerst von diesem Plan abrücken. Aktuell lässt sich nicht sagen, wie es mit dem Unternehmen weitergeht. Kommt es tatsächlich zum Rechtsstreit, könnte der sich über viele Monate hinziehen – und der Ausgang ist offen, auch wenn Experten Twitter bessere Gewinnchancen ausrechnen als Musk.