Von Katja Brauchle27. Juli 2022
Aktuelle Wachstumsprognose des IWF: Das steht der Weltwirtschaft nun bevor

Aktuelle Wachstumsprognose des IWF: Das steht der Weltwirtschaft nun bevor

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat in seinem aktuellen Report seine Einschätzung zum Wachstum der Weltwirtschaft abgegeben. Sie gibt weiteren Anlass zur Sorge.

„Düster und unsicher“ klingt möglicherweise gut, wenn man auf der Suche nach der Freitag-Abend-Gestaltung einen Review für einen Endzeit-Thriller liest. Als Überschrift für die Wachstumsprognose der Weltwirtschaft bereitet das jedoch große Sorge. Der IWF geht davon aus, dass die globale Wirtschaft in diesem Jahr noch weniger wachsen wird, als bereits befürchtet.

IWF: Weltwirtschaft schwächelt stark

Der Weltwirtschaft, durch die Corona-Pandemie ohnehin geschwächt, wird durch weitere Krisen stark zugesetzt. Insbesondere in den USA und Europa gibt die jeweils hohe Inflation Anlass zur Sorge, die zum Teil aus dem Krieg in der Ukraine resultieren und die Energiepreise massiv in die Höhe getrieben haben. Auch den erneuten Lockdown in China und die damit einhergehenden globalen Lieferengpässe nennt der IWF als Grund für seine Einschätzung.

3,2 Prozent – so lautet die angepasste Wachstumsprognose für das laufende Jahr. Somit hat der IWF seine eigene Vorhersage aus dem April um weitere 0,4 Prozent gesenkt. Für die Eurozone gehen die Expertinnen und Experten von einem Wachstum von 2,6 Prozent aus.

Sehr geringes Wachstum in Deutschland

Für Deutschland sieht die Prognose nochmal wesentlich schlechter aus. Die Experten des IWF sagen ein Wachstum von gerade einmal 1,2 Prozent für 2022 voraus. Im Mai war die Prognose noch bei rund 2 Prozent gelegen. Zwar seien laut der Chefin der Deutschland-Mission beim IWF, Oya Celasun, die Auftragsbücher deutscher Unternehmen voll. Jedoch hapere es bei der Produktion. Das Gasproblem werde in Deutschland kurzfristig alles andere überlagern.

Keine baldige Erholung in Sicht

Auch für die nähere Zukunft sehen die Expertinnen und Experten des Internationalen Währungsfonds keinen Silberstreifen am Horizont.  „Was den Ausblick für die Weltwirtschaft angeht, deuten die Risiken überwiegend nach unten“, so ein Auszug aus dem Bericht. Das größte Risiko sieht der IWF in den Folgen des Krieges in der Ukraine. Es sei möglich, dass Russland die Gaslieferungen nach Europa ganz einstelle – was drastische Folgen für die Konjunktur haben würde.  Dazu kommen die stark gestiegenen Preise für Nahrungsmittel. Auch hier sieht der IWF Krisenpotential.

Einen weiteren Risikofaktor machen die Expertinnen und Experten in China aus. Die Wirtschaft sei durch die Lockdowns stark geschwächt, was die globalen Lieferkettenprobleme weiter verschlechtert. Das gilt vor allem im Hinblick auf mögliche weitere Ausbrüche Coronas.

Zudem könne es schwieriger als erwartet werden, die Inflation zu senken. Für Schwellen- und Entwicklungsländer könnte diese außerdem eine Schuldenkrise zur Folge haben, da sie aufgrund der höheren Zinsen ihre Schulden schwerer zurückzahlen könnten.

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Es könnte noch schlimmer kommen

Der IWF betont allerdings, dass die Prognosen äußerst unsicher sind und auf der Annahme beruhen, dass die derzeitige Lage stabil bleibt. „Es besteht jedoch ein erhebliches Risiko, dass sich einige oder alle dieser Grundannahmen nicht bewahrheiten“, mahnt der IWF. „In einem plausiblen Alternativszenario, in dem einige dieser Risiken eintreten, einschließlich einer vollständigen Unterbrechung der russischen Gaslieferungen nach Europa, wird die Inflation steigen und das globale Wachstum weiter auf etwa 2,6 Prozent in diesem und 2 Prozent im nächsten Jahr zurückgehen“, sagte IWF-Chefvolkswirt Pierre-Oliver Gourinchas.