Analyse: Warum Anleger auf USA-Aktien setzen sollten anstatt Europa-Aktien

Die Weltwirtschaft ist auf Erholungskurs. China hat bereits stark beschleunigt, die USA folgen dicht auf den Fersen, die Europäer lassen sich mehr Zeit.

Aktien bleiben attraktiv, vor allem aus den USA. „Bei Renten kürzen wir die Duration und verringern Bestände an Staatsanleihen“, sagt Carsten Gerlinger, Vice President von Moventum AM. Die Einkaufsmanagerindizes des verarbeitenden Gewerbes der größten Volkswirtschaften liegen allesamt auf Expansionsniveau.

„Ausgehend von der schon Mitte vergangenen Jahres einsetzenden wirtschaftlichen Erholung Chinas hat sich von dort die Nachfrage nach (Industrie-)Gütern immer weiter beschleunigt“, so Gerlinger. „Der Rest der Welt profitiert hiervon.“ Dass die Industrie brummt, ist auch an verschiedenen Indikatoren abzulesen, etwa den Frachtraten, die sich in den vergangenen zehn Monaten knapp vervierfacht haben. Auch die Stahl- oder Ölpreise haben sich zum Teil mehr als verdoppelt.

Die von den Regierungen beschlossenen Hilfspakete sind ungefähr doppelt so groß wie die Pakete, die während der Finanzkrise 2008/2009 beschlossen worden waren. „Sobald die Impfmaßnahmen in den Industriestaaten weiter fortgeschritten sind, wird sich der Aufschwung noch einmal beschleunigen“, sagt Gerlinger. „Der aufgestaute Konsum wird sich entladen, Geld ist genug da.“ Für 2021 ist mit einem Welt-BIP-Wachstum zwischen fünf und sechs Prozent zu rechnen, in den USA gehen die Erwartungen teilweise in Richtung bis sieben Prozent. 

USA mit stärkerer Dynamik

Aufgrund des schnelleren Impffortschritts und des Fiskalpaketes in den USA ist kurzfristig eine im Vergleich stärkere Dynamik der US-Wirtschaft zu erwarten. „Davon sollte auch der US-Dollar profitieren“, sagt Gerlinger. Zudem stellt für die Kapitalanleger die höhere Rendite der langlaufenden US-Staatsanleihen die größere Attraktivität dar, wovon der US-Dollar ebenfalls profitieren wird. „Im Jahresverlauf 2021 könnte dann aber die Diskussion über eine stark gestiegene US-Staatsverschuldung sowie ein stärkeres Anspringen der europäischen Konjunktur wieder den Euro stärken“, so Gerlinger. 

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Für den Portfolioaufbau heißt dies, dass an der grundsätzlichen Übergewichtung in US-Aktien und der Untergewichtung in europäische Aktien festzuhalten ist. Wegen des grundsätzlich positiven Konjunkturausblicks und der eher binnenmarktorientieren Ausrichtung bleibt das Small- und Mid-Cap-Segment sehr interessant und erfährt nochmals eine höhere Gewichtung. Die Industrie und damit auch die Aktienindizes in Europa sind zyklisch aufgestellt. Von der wirtschaftlichen Erholung werden diese zyklischen Unternehmen und damit aller Voraussicht nach auch deren Aktienkurse überproportional profitieren. Europäische Small Caps sind somit positiv zu bewerten. „Wir sehen nach dem Brexit zudem ein deutliches Aufholpotenzial von britischen Aktien“, sagt Gerlinger. „In Europa stärken wir noch einmal die Value-Komponente, unsere bisherige Untergewichtung in UK-Aktien fahren wir auf neutral zurück.“

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Auf der Rentenseite haben die Renditen langlaufender Anleihen insbesondere aufgrund von Inflationsängsten angezogen. Mit zunehmender Dynamisierung der Weltwirtschaft werden die Renditen tendenziell weiter steigen. „Wir sehen daher zunehmende Zinsänderungsrisiken, stellen uns etwas defensiver auf und kürzen im Rentenbereich die Duration“, so Gerlinger. „Die Gewichtung in Staatsanleihen wird zugunsten einer Erhöhung der Credit-Gewichtung reduziert.“