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Anlegen im Heimatmarkt

In unsicheren Zeiten verlässt sich der Mensch gerne auf das Vertraute. Das ist bei der Geldanlage nicht anders: So haben Privatanleger in Deutschland im vergangenen Jahr verstärkt in deutsche Aktienfonds und in Aktien deutscher Unternehmen investiert.

Dieses Verhalten ist durchaus verständlich – jedoch gilt es, die notwendige Diversifikation dabei nicht zu vernachlässigen.

Es mag verwunderlich klingen, aber viele Anleger besitzen eine Lieblingsaktie. Dabei handelt es sich meist um einen Titel, den sie schon seit Jahren in ihrem Depot halten und nur, von Zeit zu Zeit, die Stückzahl anpassen. Doch ganz trennen sie sich von dieser Aktie nie. Auch in Deutschland ist dieses Phänomen verbreitet: Privatanleger halten in ihren Depots bevorzugt Aktien von DAX®-Unternehmen, nur selten finden sich chinesische, indische oder südamerikanische Titel in den Portfolios. Wie die Erfahrung zeigt, werden unter den Aktien der DAX®- Unternehmen insbesondere BASF, Siemens, Daimler, Deutsche Telekom und Deutsche Bank bevorzugt.

Das Phänomen, das eigene Geld lieber in heimische Aktien anzulegen, wird als Home Bias bezeichnet. Erstmals wurde dieser Effekt durch die Ökonomen Kenneth French und James Poterba im Jahr 1991 beschrieben. Deren wissenschaftliche Arbeit untersucht das Anlageverhalten von privaten und institutionellen Investoren und gelangte zu dem Ergebnis, dass Aktien des Heimatmarktes deutlich beliebter sind. So legen deutsche Anleger ihr Geld bevorzugt in deutsche Papiere an. Und auch wenn rational agierende Investoren ihre Anlageentscheidungen auf Basis von Rendite-Risiko-Überlegungen treffen sollten, ist nahezu überall auf der Welt eine ähnliche Konzentration auf heimische Aktien zu beobachten.

Als mögliche Gründe für den Home Bias können im Wesentlichen drei Argumente angeführt werden: Bei einem Investment im Heimatmarkt bleibt das Wechselkursrisiko außen vor, wogegen es bei Auslandsinvestitionen eine entscheidende Rolle spielt, in welcher Fremdwährung die entsprechende Aktie notiert. Ein weiteres Problem bei Anlagen an ausländischen Märkten sind höhere Transaktionskosten. An ausländischen Börsenplätzen fallen in der Regel höhere Ordergebühren an, als dies am Heimatmarkt der Fall ist. Der entscheidende Grund für die Heimatmarktpräferenz ist jedoch, dass Anleger das, was sie nicht kennen, meist riskanter einstufen. Obwohl Informationen zu ausländischen Märkten im heutigen Internetzeitalter einfach zugänglich sind, beschäftigen sich Privatanleger bevorzugt mit ihrem Heimatmarkt. Während sie über ihren Heimatmarkt meist vergleichsweise gut informiert sind, fehlt es ihnen an Informationen über die Unternehmen in ausländischen Märkten. Die meisten Privatanleger kennen die Entwicklung des DAX®, die wenigsten wissen allerdings, wie sich zum Beispiel der russische Aktienmarkt im vergangenen Jahr entwickelt hat. Ein weiterer Aspekt ist, dass Anlegern die Unternehmen am Heimatmarkt größtenteils bekannt sind und sie somit glauben, deren Chancen und Risiken besser einschätzen zu können. So glauben sie, sich leichter eine Erwartung über zukünftige wirtschaftliche und politische Ereignisse, die den Kursverlauf der Aktien beeinflussen, bilden zu können.

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Auf Bekanntes vertrauen

Mit Blick auf jede Form der systematischen Geldanlage ist der Home Bias jedoch problematisch. Unbestritten ist heute, dass die Verteilung der Geldanlage auf voneinander unabhängige Anlageklassen bei gleichbleibendem Risiko zu einer Steigerung der Rendite führt. Theoretisch wäre also die Streuung des zu investierenden Kapitals auf verschiedene internationale Märkte sinnvoll. Die Praxis ist allerdings weit von der Theorie entfernt: Rund drei Viertel aller Aktientitel, die sich in den Depots deutscher Anleger befinden, stammen von inländischen Unternehmen. Verblüffend ist dies vor allem, wenn man berücksichtigt, dass der deutsche Anteil am Welt-Aktienmarkt nur fünf Prozent beträgt. Und auch der Euro hat nicht dazu beigetragen, dass Anleger vermehrt Renditen außerhalb Deutschlands suchen, was nun nicht mehr nur über die Wechselkursproblematik erklärt werden kann. Die Diversifikation eines Portfolios fällt umso stärker aus, je unterschiedlicher die Aktien im Depot sind – doch ohne die Beimischung von internationalen Aktien vernachlässigen Anleger die Möglichkeit, ihr Portfolio hinreichend zu diversifizieren.

Es gibt mehr als den Deutschen Leitindex

Anleger, die aller Theorie zum Trotz nur in heimische Werte investieren möchten, sollten sich dabei zumindest nicht auf wenige Einzeltitel beschränken, sondern zum Beispiel über ETFs in alle Unternehmen des Deutschen Aktienindex DAX® investieren. Neben dem Standard-DAX® existiert mit dem Lev-DAX® zudem ein Strategieindex, der Investoren die Möglichkeit bietet, gehebelt von der zukünftigen Entwicklung der 30 größten deutschen Unternehmen zu profitieren. Hierzu ist der Index mit einem Hebel von zwei an die tägliche Entwicklung des DAX® gekoppelt und steigt und fällt deshalb doppelt so stark wie der DAX® selbst. Das Prinzip beruht darauf, dass das zur Verfügung stehende Kapital nicht einmal, sondern zweifach in den Index investiert wird. Das zusätzliche Kapital wird zum EONIA Zinssatz aufgenommen. Während der Lyxor ETF DAX® als breit diversifiziertes Kerninvestment dienen kann und somit die Basisrendite des DAX® sichert, ermöglicht es der LevDAX®, eine Outperformance gegenüber dem DAX® zu erzielen. Wirklich sinnvoll ist ein solcher Ansatz natürlich nicht – zumindest, wenn man der Wissenschaft folgt. Wer dies möchte und in ein wirklich diversifiziertes Portfolio investieren will, dem bieten Lyxor ETFs verschiedene einfache Lösungen. So könnte man beispielsweise ETFs auf den MSCI World Index und den MSCI Emerging Markets Index kombinieren, um die weltweiten Aktienmärkte abzudecken. Alternativ setzt man direkt auf den Lyxor ETF MSCI All Country World Index: Dieser bildet die globale Marktentwicklung ab und enthält aktuell mehr als 2.400 Unternehmen.

Dieser Artikel stammt aus „Die Welt der ETFs“ – dem Kundenmagazin von Lyxor Asset Management.