Asien-Stadt-Artikel

Asiatische Anleihen immer attraktiver

Staatsanleihen entwickelter Industriestaaten aus Europa oder den USA galten lange Zeit als sicherer Hafen, Anleihen aus Schwellenländern dagegen als Risikoinvestments. Doch angesichts der Staatsschuldenkrise in zahlreichen Industriestaaten bei gleichzeitig schwachen Wachstumsraten ändert sich diese Wahrnehmung.

Der Markt für asiatische Anleihen wächst rasant. Insbesondere Anleihen auf inländische Währungen erleben seit einigen Jahren einen fulminanten Aufstieg. Betrug das Gesamtvolumen im Jahr 1995 gerade einmal 126 Mrd. US-Dollar, so lag es Ende 2011 bereits bei 5,6 Billionen US-Dollar. Allein auf den chinesischen Anleihemarkt entfallen 3,4 Billionen US-Dollar. Drei Viertel davon sind Staatsanleihen. Auch Südkorea setzt voll auf Bonds, die in der eigenen Währung denominiert sind. Der Markt beläuft sich dort auf 1,2 Billionen US-Dollar. Führend ist das ostasiatische Land aber auch im Bereich asiatische Anleihen, die in ausländischer Währung denominiert sind. 35 Prozent des 400 Mrd. US- Dollar umfassenden asiatischen Gesamtmarktes entfallen auf Südkorea, gefolgt von Hongkong (20 Prozent).

Wachstum befeuert Rentenmärkte

Das rasante Wachstum am Anleihemarkt in dieser Region erklärt sich am starken Wirtschaftswachstum Asiens, das sich laut Dr. Eugen Löffler, Chief Investment Officer Fixed Income Asia Pacific von Allianz Global Investors, zum „Gravitationszentrum des 21. Jahrhunderts“ entwickelt hat. Allein 29 Prozent der weltweit erwirtschafteten produzierten Güter kommen aus Asien. Angesichts der Tatsache, dass in Asien mit 4,2 Mrd. Menschen rund 60 Prozent der Erdbevölkerung leben, ist dies bisher noch vergleichsweise wenig. Doch bis zum Jahr 2036 wird nach Prognosen von Oxford Economics der Anteil der globalen Wertschöpfung auf 50 Prozent ansteigen. Der Trend wird sich aufgrund des Wachstumsrückgangs der Industriestaaten zudem noch beschleunigen. Nach Ansicht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wird China zusammen mit Indien bereits bis zum Jahr 2016 ein größeres Bruttoinlandsprodukt erwirtschaften als die sieben führenden Wirtschaftsnationen G7 zusammen. Das Pro-Kopf-Einkommen in Ländern wie China und Indien dürfte sich danach bis zum Jahr 2060 versiebenfachen. Verdeutlicht wird dieser Prozess durch die durchschnittlich prognostizierten Wachstumszahlen von 2012 bis 2021 von Allianz Economic Research: So erwartet die Gesellschaft für China in diesem Zeitraum ein durchschnittliches Wachstum von 7,5 Prozent, für Indien 7,5 Prozent, für Indonesien von 5,1 Prozent und für Malaysia von 4,7 Prozent. Zum Vergleich: Für Industriestaaten wie die USA und Japan wird mit einem Plus von 2,3 bzw. 1,7 Prozent gerechnet.

Hohes Wachstum, geringe Defizite, bessere Bonität

Das führt auch zu Leistungsbilanzüberschüssen und immer höheren Devisenreserven. Insbesondere China steigerte seine Reserven von 650 Mrd. US-Dollar im Jahr 2005 auf über 3,2 Billionen US-Dollar. Das Gesamtdevisenvolumen der wichtigsten asiatischen Länder beträgt aktuell 5,2 Billionen US-Dollar. Dies macht die Länder weit krisenfester als in der Vergangenheit. Während sich die entwickelten Industriestaaten immer mehr auf Pump finanzieren und die Verschuldungsquote weiter steigt, bauen die asiatischen Staaten ihre Verschuldungsquote systematisch ab. Bereits schon jetzt liegt die durchschnittliche Verschuldungsquote asiatischer Staaten nach Untersuchungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) mit 46 Prozent vom BIP deutlich unter der entwickelter Industriestaaten (G7-Staaten: 115 Prozent). Dies schlägt sich auch in der Kreditwürdigkeit dieser Länder nieder: zahlreiche Industriestaaten werden seit einigen Jahren von den Ratingagenturen herabgestuft. Der gegenteilige Effekt zeigt sich in vielen asiatischen Ländern. So verbesserte sich die Bonität Chinas laut Allianz Global Investors von BBB im Jahr 2002 auf AA- (S&P), Hongkong erhielt die begehrte Bestnote AAA, Thailand von BBB- auf BBB+ oder Indien von BB auf BBB-. In der Folge müssen asiatische Länder wie Singapur und Taiwan geringere Kreditzinsen zahlen als Frankreich. Indonesien oder die Philippinen geringere Zinsen als Italien oder Spanien. Doch trotz teilweise geringerer Risiken sind die Renditen asiatischer Staatsanleihen noch vergleichsweise hoch. So betrug die Durchschnittsrendite asiatischer Anleihen per Juni 2012 4,2 Prozent, die von Anleihen der großen G7-Staaten brachten zu diesem Zeitpunkt 2,2 Prozent.

Asiatische Anleihen

Bonitätsverbesserungen

Gewinne durch Aufwertung

Infolge der Verbesserung der Wirtschaftsdaten kommt es zudem zu einem zunehmenden Aufwertungsdruck asiatischer Länder. Geht es nach dem Kaufkraftvergleich anhand des Big-Mac-Index, sind zahlreiche Währungen asiatischer Länder von 10 bis 60 Prozent unterbewertet (siehe Chart).

Big mac

ETFs auf asiatische Anleihen

Anleger, die via ETFs in asiatische Anleihen investieren möchten, können auf zwei verschiedene Produkte zurückgreifen, den iShares Barclays EM Asia Local Government Capped Bond ETF (WKN: A1J0ZB) sowie den SPDR Citi Asia Local Government Bond UCITS ETF (WKN: A1JV42). Der Barclays Capital Emerging Markets Asia Local Currency Goverment Country Capped Index als Basiswert des iShares-Produktes ist ein breit gefasster Index auf asiatische Staatsanleihen in lokaler Währung. Derzeit sind 66 Anleihen aus sechs Ländern im Index enthalten: Indonesien, Malaysia, Philippinen, Südkorea, Thailand und China. Um eine Diversifizierung innerhalb des Index sicherzustellen, ist die Gewichtung einzelner Länder auf 40 Prozent begrenzt.

Der Basiswert des SPDR-ETFs Citi Asian Government Bond Investable Index misst die Wertentwicklung asiatischer Staatsanleihen, mit Ausnahme japanischer, die von den Regierungen von China (Offshore- Emissionen), Hongkong, Indonesien, Korea, Malaysia, den Philippinen, Singapur und Thailand emittiert wurden. Derzeit umfasst der Index 136 Anleihen. Aufgenommen werden nur Anleihen mit einer Laufzeit von über einem Jahr. Der Index verwendet die Gewichtung nach Marktkapitalisierung mit einer Gewichtungsobergrenze von 20 Prozent je Land. Anleihen müssen von S&P oder Moody’s mindestens mit C bewertet sein. Die durchschnittliche Restlaufzeit der im Index vertretenen Anleihen beträgt aktuell 8,4 Jahre.

Fazit:

Zu den Top-Performern des vergangenen Jahres zählten die beiden ETFs im Rentenbereich allerdings nicht. Hier dominierten Staatsanleihenfonds auf die Eurozone aufgrund der künstlichen Geldschwemme der Europäischen Zentralbank. Langfristig dürften aber ETFs auf Anleihen der prosperierenden asiatischen Schwellenländer die bessere Wahl sein, insbesondere in puncto Sicherheit. Beachtet werden muss jedoch das Währungsrisiko zum US-Dollar (Fondswährung).