Asset Allokation: Wo die ETF-Profis von Invesco die größten Chancen fürs zweite Quartal sehen

Die Experten von Invesco rechnen 2021 mit einer Rückkehr zu mehr wirtschaftlicher Normalität. Hier erfahren Sie, was das für Ihre Asset Allokation bedeutet. 

Das Global Market Strategy Office (GMS) von Invesco hat seinen vierteljährlichen Asset Allokation Ausblick für der zweite Quartal 2021 veröffentlicht, in dem die Anlageexperten erläutern, wie die ihrer Ansicht nach optimale Vermögensaufteilung für die nächsten zwölf Monate aussieht. Die Invesco-Experten rechnen 2021 mit einer Rückkehr zu mehr wirtschaftlicher Normalität und einem starken Wirtschafts- und Gewinnwachstum.

„Angesichts der offensichtlichen Impffortschritte in den entwickelten Staaten rechnen wir 2021 mit einem soliden Wachstum der Weltwirtschaft, hinter dem zum einen die Erholung von der tiefen Rezession des vergangenen Jahres stehen wird, zum anderen aber auch eine allmähliche Freisetzung der aufgestauten Nachfrage und fiskalpolitische Impulse, vor allem in den USA. Gleichzeitig dürften die bedeutendsten Zentralbanken Wirtschaft und Märkten weiter großzügig unter die Arme greifen“, meint Paul Jackson, Globaler Leiter fürAsset Allokation Research, Global Thought Leadership.

Richtige Asset Allokation

Vor diesem Hintergrund haben die GMS-Experten von Invesco weiter eine Präferenz für zyklische Anlagen und sehen ihren optimistischen Ausblick auch durch den Global Risk Appetite Cycle Indicator (GRACI) von Invesco bestätigt: Dieser deutet ebenfalls auf eine Wachstumserholung hin und zeigt, dass sich die Marktstimmung in den letzten zwölf Monaten deutlich verbessert hat.

Sie führen aber auch fünf Faktoren an, durch die zyklische Assets unter Druck geraten könnten: das Risiko, dass die Pandemie nicht endet und die wirtschaftlichen Verwerfungen anhalten; eine mögliche Ausbremsung der Erholung durch Kollateralschäden, insbesondere infolge reduzierter staatlicher Unterstützung für Unternehmen und Haushalte; einen Anstieg der Inflation, der die Zentralbanken zu einer Straffung ihrer Geldpolitik veranlassen und daher das Risiko von Marktverwerfungen mit sich bringen könnte; eine mögliche Veränderung der Korrelationen, insbesondere zwischen Aktien und Anleihen, sowie die Tatsache, dass die Märkte bereits einen Großteil der Erholung eingepreist haben.

„Jeder dieser Faktoren könnte uns zu einer – in den meisten Fällen defensiveren – Neuausrichtung unserer Vermögensaufteilung veranlassen“, so Jackson. „Die unserer Ansicht nach wahrscheinlichste Problematik betrifft die Tatsache, dass die Märkte bereits einen Großteil der Erholung eingepreist haben. Vor diesem Hintergrund zieht unsere positive Haltung zu zyklischen Anlagen automatisch noch aggressivere Annahmen zu Wachstum und künftigen Spreads/Bewertungskennzahlen nach sich. Damit haben wir kein Problem, da wir inzwischen deutlich zuversichtlicher in Bezug auf die globale Erholung sind. Es bedeutet aber auch, dass wir davon ausgehen müssen, dass die Staatsanleiherenditen noch stärker ansteigen werden, als wir bisher angenommen haben.“

Das sind die Annahmen

Konkret liegen den Prognosen der Invesco-Experten für die nächsten zwölf Monate die folgenden Annahmen zugrunde: Die Zentralbanken halten die Leitzinsen stabil und setzen ihre Anleihekäufe fort; das starke Wachstum macht eine Rückführung der Anleihekäufe jedoch wahrscheinlicher. Durch die Aussicht auf eine Rückführung der Anleihekäufe werden die Zinskurven steiler, wobei die Renditen in den USA stärker steigen werden als in den meisten anderen Märkten. Die Spreads von Investment-Grade- und Hochzinsanleihen nähern sich historischen Tiefständen und die Ausfallraten sinken. Gestützt durch die Spreadentwicklung wertet der US-Dollar wieder etwas auf. Die Aktiendividenden erholen sich, aber mit den Anleiherenditen steigen auch die Dividendenrenditen leicht an. Die Ausschüttungen aus Immobilienanlagen (REITs) erreichen ihren Tiefpunkt und die Immobilienrenditen stabilisieren sich. Rohstoffe konsolidieren die jüngsten Gewinne, und der Goldpreis sinkt aufgrund der steigenden Anleiherenditen und des steigenden Dollars.

„Unsere vielleicht wichtigste Prognose ist, dass die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe auf zwei Prozent steigen wird und der US-Dollar infolgedessen leicht aufwertet“, sagt Jackson. „Daraus schließen wir, dass einige der jüngsten Trends – vor allem die Outperformance des Value-Stils gegenüber dem Growth-Stil und die Schwäche von Gold und defensiven Zinsanlagen – andauern werden. Gleichzeitig macht es einen weiteren Anstieg der Rohstoffpreise unwahrscheinlicher und könnte neue Zweifel an der Fähigkeit der Schwellenländer, ihre Schuldenlast zu finanzieren, aufkommen lassen, wodurch Schwellenländeranlagen unter Druck kommen könnten.“

Keine Belastung für Aktien

Für die Aktienmärkte wird der Anstieg der Anleiherenditen den Invesco-Experten zufolge keine Belastung darstellen, da sie mit einer Fortsetzung der seit der Jahrhundertwende zu beobachtenden positiven Korrelation zwischen den Aktienkursen und Anleiherenditen rechnen. An ihrem optimistischen Ausblick für Immobilien, die weiter höhere Renditen als andere Anlageklassen bieten, halten sie ebenfalls fest. Obwohl die höheren Anleiherenditen zu Kursverlusten von Staatsanleihen führen und die Anlageerträge aus Investment-Grade- und High-Yield-Anleihen mindern dürften, halten sie hier eine weitere Verengung der Kreditspreads für möglich und rechnen mit einem Rückgang der Ausfallraten.

Tipp der Redaktion: Die richtige Asset Allokation ist sehr wichtig. Achten Sie immer auf eine breite Streuung. Orientieren Sie sich grundsätzlich an unseren Musterportfolios.

Auf Sicht der nächsten zwölf Monate rechnen die GMS-Experten von Invesco mit den höchsten Renditen aus Aktien-, Immobilien- und Rohstoffanlagen sowie Hochzinsanleihen. Am optimistischsten sind sie für Immobilienanlagen, da die erhöhten REIT-Renditen den Aufwärtsdruck durch steigende Anleiherenditen abfedern dürften. Covid-19 könnte zwar zu einer geringeren Nachfrage nach Büro- und Einzelhandelsflächen führen. Die Invesco-Experten halten die Immobilienrenditen jedoch für attraktiv, da bereits viele schlechte Nachrichten eingepreist zu sein scheinen, und rechnen hier im Zuge der wirtschaftlichen Erholung auch wieder mit einem höheren Wachstum. „Die Renditen sind hoch und dürften stabil bleiben – auch wenn sich die Ausschüttungen vielleicht weniger schnell erholen als bei Aktien“, so Jackson. In der Folge könnten Immobilienanlagen nach Ansicht der Invesco-Experten die besten Renditen liefern.

Dagegen werden die steigenden Staatsanleiherenditen ihrer Erwartung nach zu einer negativen Performance von Staatsanleihen und Anlageerträgen von nahezu null aus Investment-Grade-Anleihen führen. Im Anleihenbereich sind Hochzins-Unternehmensanleihen die von ihnen bevorzugte Anlageklasse. Da die Investment-Grade-Renditen zu niedrig seien, um den Anstieg der Staatsanleiherenditen abzufedern, bieten Investment-Grade-Unternehmensanleihen nach Ansicht der Invesco-Experten jetzt keinen Vorteil mehr gegenüber Geldmarktanlagen. Obwohl sich der Ausblick für Staatsanleihen verbessert habe, halten sie diese Anlageklasse weiter für unattraktiv.

Asset Allokation: Wie sieht es mit Rohstoffen aus?

Rohstoffe profitierten zwar von zyklischer Unterstützung, seien inzwischen aber zum Teil sehr teuer. Nach Ansicht der Invesco-Experten gilt das insbesondere für Energie und Industriemetalle. In einem von steigenden Anleiherenditen und einem erstarkenden US-Dollar geprägten Umfeld rechnen sie auch mit einer negativen Gold-Performance. Agrarrohstoffe sind der einzige Rohstoffkomplex, den die Invesco-Experten aktuell für günstig halten. Trotz der sehr tiefen Zinsen bleibt Cash aufgrund seiner Stabilität und geringen Korrelation mit anderen Anlageklassen ihr bevorzugter defensiver Anlagewert.

Die beste Performance erwarten die Investmentexperten auf Sicht der nächsten zwölf Monate für britische Aktien, Immobilienanlagen in Schwellenländern, US-Hochzinsanleihen und US Cash. Auf regionaler Ebene favorisieren sie Europa und die Schwellenländer als ihrer Ansicht nach größte Gewinner eines globalen Aufschwungs.