Von Thomas Brummer18. November 2021

Ausblick: Was machen die Aktien- und Anleihenmärkte 2022?

Die Depot-Zusammensetzung wird 2022 mehr Herausforderungen mit sich bringen als 2021. Diese Aktien und Anleihen rücken jetzt in den Fokus.

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Anleger fragen sich: Was erwartet uns 2022? „Wir stehen am Beginn einer neuen Phase für das Finanzsystem, die durch stagflationäre Merkmale im Stil der 1970er Jahre gekennzeichnet ist“, sagt Pascal Blanqué, Chief Investment Officer bei Amundi. Die globale Wirtschaftsentwicklung werde nach dem Höhepunkt wieder zum Potenzialwachstum zurückkehren, da konjunkturelle Impulse nachlassen dürften. Blanqué rechnet weiter mit einer relativ hohen Inflation.

Wachstums- und Inflationstrends dürften sich wieder entkoppeln. Zudem treten wir in eine weniger globalisierte Phase ein. Nach Meinung der Amundi-Experten steht das Ende der Ära der ultralockeren Geldpolitik an. Die Zentralbanken würden ähnliche Vorgehensweisen an den Tag legen, allerdings befänden sich die Währungsräume in verschiedenen Stadien.

„2022 wird sich der Zyklus fortsetzen“, ergänzt Vincent Mortier, stellvertretender CIO bei Amundi. „Wir sollten aber keine euphorischen Märkte erwarten. In der Abfolge von Tapering und Konjunkturverlangsamung, gefolgt von weiteren Stimuli und einer erneuten Beschleunigung, sollten Anleger zunächst vorsichtig agieren und nach Einstiegspunkten suchen, um ihre strategische Positionierung in Aktien, Rohstoffen und Schwellenländern zu ergänzen, wie es für die Spätphase des Zyklus typisch ist.“

Aktien und Co.: Was sollten Anleger tun?

Anleger sollten nach Meinung der Amundi-Fachleute auf der Suche nach Renditen Chancen außerhalb traditioneller Anleihesegmente suchen. Dazu zählen Aktiendividenden, Sachwertanlagen und Schwellenländeranleihen mit Schwerpunkt auf kurzen Durationen. Von langlaufenden Anleihen riet Mortier gegenüber Pressevertretern ausdrücklich ab. Der Fokus sollte also auf Segmenten liegen, die höhere Renditen bei relativ geringem Durationsrisiko bieten, wie nachrangige Anleihen und Darlehen. Unternehmensanleihen mit längerer Duration sowie zu engen Spreads erscheinen weniger aussichtsreich.

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Aktien scheinen schon relativ hoch zu stehen. Doch die realen Zinsen dürften über das Schicksal überhöht bewerteter Aktien entscheiden. Früher oder später werden sie nach Ansicht von Amundi anziehen und die hohen Bewertungen von Wachstumsaktien in Frage stellen. Bei der Titelauswahl solle man sich angesichts höherer Kosten und steigender Zinsen auf die Gewinnsituation, die Preissetzungsmacht sowie auf Value und Qualität konzentrieren. Das Expertengremium erwartet ein Umfeld, das durch eine breite Renditestreuung zwischen Titeln gekennzeichnet ist und Chancen für eine aktive Titelauswahl bietet.

Anleger sollten das Jahr mit einer vorsichtigen und neutralen Allokation beginnen und versuchen, Relative-Value-Chancen über Regionen und Segmente hinweg zu nutzen. Wenn sich das Wachstum verlangsamt und es danach zu mehr Stimuli kommt, könnte sich ein Zeitfenster öffnen, um wieder stärker in Risiko-Assets einzusteigen.

Das klassische 60/40-Portfoliomodell gehört dem Vernehmen nach der Vergangenheit an. Die positive Korrelation zwischen Aktien und Anleihen erfordere ein dynamischeres Handeln. Relative-Value-Strategien und weitere Diversifikationsquellen, die, wie Real Assets, das Inflationsrisiko abmildern können, gewinnen an Bedeutung.

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Schwellenländer-Aktien sollten wieder in den Fokus rücken. Aktien-Allokationen haben einen Höchststand im Zyklus erreicht, wobei Aktien aus Industrieländern bevorzugt wurden. Beim nächsten Anstieg sollten Schwellenländer-Aktien begünstigt werden. Bei diesen liegen die Allokationen weit unter den strategischen Zielen. Außerdem erscheinen die Bewertungen relativ attraktiv.

ESG also Risikofaktor

Ebenfalls einer entscheidenden Rolle sprechen die Amundi-Experten der nachhaltigen Geldanlage vor. Zum einen diene dies der Risikosenkungen, zum anderen dürfte hier in den kommenden Jahren viel Geld fließen. Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen (ESG) sollten als Ergänzung zur klassischen Risiko-Rendite-Analyse von Portfolios betrachtet werden. Dies gilt insbesondere für Bereiche, die einen wesentlichen Einfluss auf die Preise von Vermögenswerten haben können. Eine geänderte Regulatorik und die steigende Nachfrage von Institutionen und Anlegern dürfte den Trend weiter befeuern.