Auszubildende sollten den VL-Trumpf ziehen und mit ETFs ansparen

VL-Sparen mit ETFs ist eine renditestarke Möglichkeit, schon früh mit der Altersvorsorge zu starten. Nach sieben Jahren kommen rund 4.300 Euro zusammen.

Im September beginnt Jahr für Jahr für tausende junge Menschen ein neuer Lebensabschnitt. Mit der Berufsausbildung starten sie ins Berufsleben und verdienen oft das erste Geld. Wir zeigen, wie Azubis auf Firmenkosten in ETFs anlegen können. Der Zauberbegriff hierfür lautet: Vermögenswirksame Leistungen oder abgekürzt VL.

Selbstverständlich, dass für Auszubildende zunächst einmal die erste eigene Wohnung, ein fahrbarer Untersatz oder andere Dinge, die zum Erwachsenenleben dazu gehören, im Vordergrund stehen. Aber trotzdem wäre es ganz schön dumm, sich nicht zumindest ein wenig Gedanken über die finanzielle Zukunft zu machen.

Warum? Der Chef schenkt Auszubildenden in der Regel bares Geld. Die sogenannten vermögenswirksamen Leistungen (VL) sind in vielen Rahmentarifverträgen oder direkt im Arbeitsvertrag verankert und stehen auch Auszubildenden zu. Bis zu 40 Euro kann es jeden Monat extra vom Chef geben. Man muss nur danach fragen.

Fondssparen langfristig die beste Anlageform

Doch welches Finanzprodukt eignet sich für junge Sparer am besten? Während in den vergangenen Jahren Lebensversicherungen oder Bausparverträge das Maß aller Dinge waren, hat sich dies spätestens seit Beginn der Niedrigzinsphase geändert. Beide Sparformen kosten hohe Gebühren, die teilweise ziemlich intransparent ausgewiesen sind und bieten kaum mehr eine Rendite.

Aus diesem Grund ist ein Fondssparplan mit ETFs eine gute Wahl. Damit lässt sich renditestark und zudem kostengünstig in den weltweiten Kapitalmarkt investieren. Zudem fördert der Staat Fondssparpläne mit 20 Prozent Arbeitnehmersparzulage, maximal jedoch 80 Euro im Jahr. Damit ein ETF für einen VL-Sparplan geeignet ist, muss er mindestens zu sechzig Prozent Aktien enthalten. Zu den beliebtesten ETFs beim VL-Sparen zählt der iShares Core MSCI World UCITS ETF (WKN: A0RPWH), der über den Anbieter Finvesto angespart werden kann.

Auszubildende sollten auf keinen Fall auf das geschenkte Geld verzichten und sich so schnell wie möglich über die Möglichkeiten in der Personalabteilung des Arbeitgebers erkundigen. Besteht Anspruch auf VL, können Sparer bei Direktbanken wie Comdirect oder Finvesto ein kostengünstiges VL-Depot eröffnen. Nach Vertragsabschluss erhalten sie eine Bescheinigung für den Arbeitgeber, dieser überweist dann künftig die vermögenswirksamen Leistungen direkt auf den ETF VL-Sparplan des Arbeitnehmers.

Was kommt beim VL-Sparen raus?

Ein VL-Sparplan auf einen ETF kann für Auszubildende ein erster Schritt in die eigenverantwortliche Altersvorsorge sein. Mit den vermögenswirksamen Leistungen vom Chef ist es leicht, ohne eigenen finanziellen Aufwand in nur sieben Jahren einen vierstelligen Betrag anzusparen.

Wer beispielsweise die maximal möglichen 40 Euro monatlich über die Dauer von sechs Jahren anspart, hat nach Ablauf des Sparplans nach sieben Jahren bei einer Rendite von sieben Prozent bereits rund 3.800 Euro auf der hohen Kante. Hinzu kommt die staatliche Förderung in Höhe von 480 Euro. In der Summe stehen nach sieben Jahren also rund 4.300 Euro zur Verfügung.

Dieses Geld sollten sich Auszubildende nicht entgehen lassen. Die angesparten ETF-Anteile müssen zudem nicht verkauft werden, sondern können in ein reguläres Wertpapierdepot übertragen werden. Ergänzt man VL-Sparen mit einem regulären ETF-Sparplan, verleiht man der Altersvorsorge einen zusätzlichen Schub.

Video-Tipp: VL-Sparen einfach erklärt!

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Tipp: Alle Details, Fördergrenzen, Beispiele, ETF-Empfehlungen und Bankempfehlungen zum Thema vermögenswirksame Leistungen haben wir in dem Beitrag „VL-Sparen mit ETFs und dabei staatliche Zulagen sichern“ zusammengefasst.

Diese Versicherungen kommen auf Auszubildende zu

Wir haben gezeigt, wie bereits Auszubildende den Vermögensaufbau auf Basis von ETF-VL-Sparen vorantreiben können. Doch auch im Bereich der Versicherungen gilt es, ein paar Dinge zu beachten. Als Azubi haben Sie nun ein eigenes Einkommen und müssen sich deshalb möglicherweise auch selbst versichern. Diese Versicherungen sind laut Experten der Arag-Versicherung wichtig: 

Krankenversicherung

Die Krankenversicherung ist in Deutschland Pflicht. Bei welchem Unternehmen Sie sich versichern, können Sie frei wählen. Sie müssen sich aber bis 14 Tage nach Beginn der Ausbildung entschieden haben. Auszubildende sind automatisch in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert. Waren Sie vorher über Ihre Eltern privat versichert, sollten Sie die private Versicherung als Anwartschaft weiterlaufen lassen, um dann später problemlos und ohne Gesundheits-Check zurückwechseln zu können. Der Arbeitnehmeranteil für die Krankenversicherung wird übrigens automatisch vom Bruttogehalt abgezogen.

Pflegeversicherung

Sie springt ein, wenn man zum Beispiel durch einen schweren Verkehrsunfall zum Pflegefall wird. Auch sie wird automatisch vom Bruttolohn abgezogen.
Arbeitslosenversicherung

Wenn Sie nach Abschluss Ihrer Ausbildung nicht weiterbeschäftigt werden oder aus anderen Gründen arbeitslos werden, bekommen Sie von der Bundesagentur für Arbeit bis zu einem Jahr lang 60 Prozent, beziehungsweise mit Kind 67 Prozent des letzten Nettolohns.

Gesetzliche Rentenversicherung

Auch wenn die gesetzliche Rentenversicherung als Alterssicherung nicht mehr ausreicht, müssen die Beiträge doch von Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu gleichen Teilen entrichtet werden.

Gesetzliche Unfallversicherung

Sie sind während Ihrer Arbeit und auf dem Weg zum Arbeitsplatz und zurück grundsätzlich gesetzlich unfallversichert. Anders als bei den anderen Pflichtversicherungen zahlen Sie als Azubi hier keinen Anteil. Das ist allein Arbeitgebersache. Die Arag-Experten weisen allerdings darauf hin, dass Sie in Ihrer Freizeit nicht gesetzlich unfallversichert sind. Hier lohnt ein zusätzlicher Schutz.