Automobilwerte-ETFs: Springt der Motor wieder an?

Volkswagen, BMW und Daimler – diese Automobilwerte sind der ganze Stolz von Deutschland. An der Börse haben diese jedoch einige Kratzer eingefahren. Chancen und Risiken sind für Anleger höher als in anderen Branchen.

Er läuft und läuft und läuft, hieß es vor vielen Jahren in der Werbung zum VW Käfer. Seit April 2015 läuft es aber nicht mehr für Volkswagen. Um in der Sprache der Auto-Welt zu bleiben: Seither sind die Wolfsburger an der Börse größtenteils im Rückwärtsgang unterwegs. Auslöser war damals der Diesel-Skandal. Auch wenn sich die Kurse in der Zwischenzeit wieder etwas gefangen haben, sie liegen immer noch weit unter dem Vor-Diesel-Skandal-Niveau.

Automobilwerte interessant für Schnäppchenjäger?

Die Kursverluste der Automobilwerte sind möglicherweise zur Freude der anderen. Nämlich derer, die in den gefallenen Autoriesen einen günstigen Einstieg wittern. Wenn es um die Bewertung einzelner Aktien geht, ziehen Beobachter meist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zurate. Der Leitindex Dax weist aktuell ein KGV von zwölf aus. Das liegt deutlich unter dem 30-jährigen Durchschnitt von 19. Die Automobilwerte liegen allesamt deutlich unter dem Dax-KGV. So ergibt sich bei BMW ein KGV von 7,7, bei Daimler von 7,0 und VW scheint mit einem Wert von 5,8 besonders unterbewertet zu sein. Branchen mit geringer Bewertung haben die theoretische Chance, ihren „fairen“ Wert wiederzuerlangen. So sehen die Nord-LB-Analysten die Volkswagen-Aktie in einem Jahr bei 170 Euro und sprechen eine Kaufempfehlung aus. Eine zuletzt kolportierte Kooperation mit Ford im Segment Lieferwagen bzw. Pick-ups wäre zu begrüßen, schrieb Analyst Frank Schwope in einer Studie. Mit Blick auf das operative Geschäft und in Erwartung deutlicher Erfolge bei der Umstrukturierung bleibe es bei der Kaufempfehlung. Die Erreichbarkeit des neu ausgegebenen Margenziels von mindestens sechs Prozent bis 2022 stehe aber in den Sternen.

Digitalisierung als Chance

Daneben bietet die Digitalisierung Automobilherstellern jetzt die Chance, sich in Richtung Kundschaft neu zu sortieren und im Schulterschluss mit dem Autohandel eine höhere Effizienz zu erlangen. „Heute sind im Verkaufspreis eines Autos 30 Prozent Vertriebskosten enthalten. Ein Drittel davon lässt sich einsparen“, sagt August Joas, Partner bei der Strategieberatung Oliver Wyman. Weil im Autosektor beim Verkauf oft die Preis- und Kostendisziplin fehle, würden die Hersteller im Jahr Hunderte Millionen Euro verlieren.

Hohe Dividenden winken

Die gesunkenen Aktienkurse der Automobilwerte macht sie aus einem weiteren Grund interessant: Die erwartete Dividendenrendite ist gestiegen. So rechnen Experten bei Daimler mit einer Dividende von sieben Prozent. Auf Einzelaktien zu setzen, ist aber riskant. Sinnvoller erscheint etwa der iShares STOXX Europe 600 Automobiles & Parts (WKN: A0Q4R2), der in diesem Jahr Schätzungen zufolge knapp 3,5 Prozent ausschütten wird. Schwergewichte sind die drei Großen: Daimler, VW und BMW. Die Gesamtkostenquote des ETF beträgt 0,46 Prozent.

ETFs zum Investieren in die Automobilbranche

Mit diesen ETFs können Sie in europäische Automobilhersteller und in Unternehmen investieren, die vom Trend zur Elektromobilität profitieren.

Riskante Wette

Erstmals seit Jahren schwächelt die Autonachfrage in den USA und China. Auch Zölle auf Autoimporte aus der EU in die USA sind nicht vom Tisch. Über allem schwebt weiterhin das Damoklesschwert des Handelsstreits. Ungemach droht außerdem seitens der inländischen Politik. Ein besonderes Problem für die Autobauer ist der nach wie vor nicht aufgelöste Dieselskandal sowie dessen Neben- und Nachwirkungen. Es bleibt spekulativ.

Fazit

Auch bei der E-Mobilität und dem autonomen Fahren werden die Karten neu gemischt. Wer eine Auto-Wette zur Beimischung eingehen möchte, macht das am besten mit einem ETF. Von Einzelaktien ist aufgrund des Risikos grundsätzlich abzuraten.

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