extraETF Bloggerparade: Darauf kommt es bei der Altersvorsorge an

Sie fragen sich, wie Sie bei der Altersvorsorge am besten vorgehen sollten? Erfahren Sie in unserer Bloggerparade, wie deutsche Finanzblogger*Innen das Thema „Private Altersvorsorge“ angehen.

Beim so wichtigen Thema der Altersvorsorge herrscht bei vielen Bürgern Unsicherheit. Dabei sollte jeder rechtzeitig die Weichen für den sorgenfreien Ruhestand stellen. Daher haben wir eine Bloggerparade zur privaten Altersvorsorge ausgerufen. Wir freuen uns, dass unser Aufruf bei etlichen Bloggern auf Anklang traf.  Doch wie so oft im Leben gibt es auch bei der Altersvorsorge nicht den einen idealen Weg. Im Grundtenor sind sich aber alle Blogger einig: Verlassen Sie sich nicht auf die staatliche Rente, sondern werden Sie aktiv. Nachfolgend finden Sie Auszüge der Beiträge. Die vollständigen Blogartikel finden Sie auf den Blogs der Teilnehmenden.

ETF-Yogi: Zwei ETFs genügen

Der Name lässt es vielleicht schon vermuten: Beim ETF-Yogi, betrieben durch Rolf Scheuermann, dreht sich die Umsetzung der Altersvorsorge um ETFs. Scheuermann blickt dabei über den großen Teich nach Amerika. Denn in den USA gibt es sogenannte Target Date Fonds bzw. Zielfonds. Hierüber können Anleger zu moderaten Kosten in die Kapitalmärkte investieren, wobei sich der risikobehaftete Anteil über die Jahre automatisch reduziert. In Deutschland gibt es solche Angebote indes noch kaum. Er schlägt kurzer Hand vor, das Konzept in Eigenregie nachzubilden. Dabei setzt Scheuermann auf zwei ETFs. Den Aktienmarkt bildet der Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (WKN: A2PKXG) ab, für Anleihen, die später einen immer größeren Raumen einnehmen sollten, kommt der Vanguard Global Aggregate Bond UCITS ETF (WKN: A2PJZJ) ins Depot.

ETF-Blog: Ein ETF-Sparplan muss her

Der ehemalige Finanzberater und heutige Blogger Jürgen Nawatzki ist ebenfalls ein großer ETF-Freund, was unschwer in seinem ETF-Blog zu erkennen ist. Ohne private Altersvorsorge sei bei einem Rentenniveau von nunmehr 48 Prozent die Altersarmut in vielen Fällen programmiert. Doch wie vorgehen? Kapitel-Lebensversicherungen seien längst nicht mehr zeitgemäß. Dabei verweist der ETF-Blogger auf den mickrigen gesetzlichen Rechnungszins. Was also tun? Einzelaktien? Nein, für Nawatzki sind ETFs der Anlagetrend unserer Zeit. Sein Credo lautet: Sie sind einfach zu verstehen, kostengünstig und flexibel. Besonders interessant seien demnach ETF-Sparpläne, die er im Übrigen zur größten Finanzinnovation des 21. Jahrhunderts erklärt. Ausreden lässt Nawatzki nicht gelten, schließlich würden monatlich schon 25 Euro für den Anfang reichen.

Nik Nakarskij: Mit ETFs auf Zeit spielen

Nik Nakarskij betreibt den gleichnamigen Geldanlage-Blog. Er betont den langfristig enormen Hebel des Zinseszinseffekts. Ein langer Atem zahle sich aber aus verschiedenen Gründen aus. Ein Argument ist bereits gefallen: An der Börse erkennt man über längere Zeiträume einen Zinseszinseffekt. Der Vermögenszuwachs ist anfangs noch kaum zu sehen, schlägt aber nach Jahrzehnten oft massiv zu. Zum anderen ist aber die Börse keines Falls eine Einbahnstraße. Doch hier lautet die Antwort: langfristig denken. Denn auf Sicht von Jahrzehnten nähert sich die bis dato erwirtschaftete Jahresrendite in der Regel dem langfristigen Mittelwert an. Ist diese Sichtweise verinnerlicht, schlägt Nakarskij je nach Vorliebe drei unterschiedliche Portfolios vor. Die Reihenfolge ist dabei von konservativ bis spekulativ geordnet. Möglichkeit eins: 100 Prozent der ausschüttende Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (WKN: A1JX52), den es wie oben erwähnt auch thesaurierend gibt. Wer ebenfalls in Schwellenländern präsent sein möchte, könnte sein Vermögen etwa so aufteilen: 70 Prozent in den iShares Core MSCI World UCITS (WKN: A0RPWH) und 30 Prozent in den UBS MSCI Emerging Markets UCITS ETF (WKN: UB42AA). Die risikofreudigste Variante ist schlussendlich alles in den iShares NASDAQ-100 UCITS ETF (DE) (WKN: A0F5UF) zu stecken.

Fortunalista: Die Magie des Zinseszinseffekts

Mit Margarethe Honisch, der Betreiberin der Plattform Fortunalista, haben uns auch eine weibliche Stimme eingeholt. Honisch verweist wie Nakaarskij zuvor ebenfalls auf den Zinseszinseffekt und hält so auch Aktien, speziell in ETF-Form, für die vernünftigste Form der Altersvorsorge. In diesem Zusammenhang spricht sie von der „Magie des Zinseszinseffekts“ und zeigt mit ein paar Rechenbeispielen eben jenen „magischen“ Effekt auf. Auch Honisch sieht den Reiz einer effizienten Altersvorsorge in der Reduktion auf das Wesentliche. Mit Einmalanlagen und Sparplan auf einen MSCI-World-ETF sei es bereits getan. Wer es noch etwas ausgeklügelter möchte, könne noch mit einem Gewicht von 30 Prozent einen Schwellenländer-ETF aufnehmen. Außerdem verweist sie darauf, dass mittlerweile auch nachhaltige Geldanlage möglich sei – und zwar ohne zu erwartender Renditeeinbußen. Für spannend hält sie daneben ETFs auf den Biotechnologiesektor.

Geldfrau: Vermögen bedeutet Lebensqualität

Kommen wir gleich zur nächsten Bloggerin, zur Geldfrau, Dani Parthum. Die Bloggerin denkt seit langem darüber nach, warum Frauen sich oft so schwer tun mit dem Thema Geld, das unter dem Begriff „Altersvorsorge“ gefasst ist. Die Haupterklärung sieht sie in der historisch-gesellschaftlichen Analyse. Frauen seien über Jahrhunderte finanziell entmündigt und auf die Rolle als Mutter sowie Ehefrau reduziert worden. Dies prägt laut Parthum noch heute Frauen. Sie fordert: Schluss damit und Schluss mit Altersvorsorge, her mit Vermögensaufbau. Das klingt schon einmal positiver als das Wort „Alter“ in Altersvorsorge. Sie richtet einen Appell an Frauen, wonach Vermögen Lebensqualität bedeute. Frauen sollten laut Parthum schon beim Berufsstart den Vermögensaufbau als eines von vielen Lebenszielen ansehen. So würden sich einige gesellschaftliche Hindernisse gar nicht erst in den Weg stellen.

Beziehungs-Investoren: Beim Depot besser getrennte Kasse

Bei den Beziehungs-Investoren Marielle und Mike Schäfer geht es um die Altersvorsorge von Paaren. Auch die beiden Blogger sehen ETFs in der Altersvorsorge. Möchte man als Paar gemeinsam vorsorgen und sich nicht permanent mit dem Thema beschäftigen, so seien ETFs sicherlich eine gute Lösung. Jedoch ist der Renteneintritt weit, weit in der Zukunft. Im Fall einer Trennung heißt es dann Anteile splitten. Das koste im Zweifel wieder Geld und sei der Altersvorsorge alles andere als dienlich. Das Blogger-Paar rät, lieber in ein eigenes Depot zu investieren. Dem Vermögensaufbau, um die Rentenlücke zu schließen, sei es egal und im Zweifel ist dann auch klar ersichtlich, wem wie viel gehört. Vorab können beide jedoch sehr wohl gemeinsame Sache machen. Einer gemeinsamen Recherche, den Geldgesprächen und Entscheidungsabwägung stehen dennoch keinerlei Hindernisse im Weg. Im Gegenteil und so lautet der Ratschlag: Tauscht euch aus und lernt voneinander. Viele Bundesbürger sehen in der Immobilie den Königsweg in Sachen Altersvorsorge. Damit räumen Marielle und Mike Schäfer auf. Das sei ein weit verbreiteter Irrtum.

Re:think P2P-Kredite: Privatanleger werden zur Bank

P2P-Kredite als Baustein für die private Altersvorsorge? Die Abkürzung steht für Peer-to-Peer. Das sind Kredite, bei denen die Finanzierung nicht durch die Bank, sondern durch eine große Masse an Privatanlegern erfolgt. Denny Neidhardt, der Betreiber von re:think P2P-Kredite, stellt dar, wie P2P-Kredit Bausteine im Rahmen der Altersvorsorge sein können und wo Vor- und Nachteile liegen. Wie funktioniert die Anlage? Als Intermediär fungiert eine P2P-Plattform, welche sich je nach Geschäftsmodell auch teilweise direkt um die Kreditnehmerbewertung oder den Inkassoprozess kümmert. Da sich hierbei der gesamte Prozess nur auf ein Unternehmen konzentriert, spricht man auch vom klassischen P2P. Dem gegenüber stehen die P2P-Marktplätze. Hier gibt es externe Kreditgeber, welche vorfinanzierte Darlehen auf dem Marktplatz für Investoren zur Verfügung stellen. Dadurch würden Anleger schon ab dem ersten Tag verdienen und müssen nicht abwarten, bis eine bestimmte Kreditsumme erreicht wurde. Das Kreditgeschäft, an dem die Banken jahrelang sehr gut verdient haben, wird durch Veränderungen in der Finanzbranche und die dadurch entstehenden Fintechs, nun auch für Privatanleger als Investmentvehikel geöffnet.

Hobbyinvestor: Die acht Säulen der Altersvorsorge

Ob Börse, Immobilien oder P2P-Kredite – aus Sicht des Hobbyinvestors Sebastian Wörner besteht die Altersvorsorge im Idealfall aus acht Säulen. Dabei ist die Versuchung groß. Es gibt immer wieder Investments, die sehr hohe Renditen versprechen. Das gilt etwa für Kryptowährungen, die zuvor angesprochenen P2P-Kredite oder den Optionshandel. Wörner möchte diese Möglichkeiten nicht verteufeln, warnt aber vor allzu viel Gier und davor, alles auf ein Pferd zu setzen. Aber es geht noch schlimmer: Manche werden sogar so gierig und nehmen einen Kredit auf, um noch mehr Geld in diese eine Assetklasse zu investieren – schließlich winken hohe Renditen, berichtet der Hobbyinvestor. Doch das sei von Grund auf falsch, schließlich sei Geld wie Mist – es gehöre gestreut. Als wesentliche Säulen erachtet er folgende: Liquide Mittel, Börse, Risikokapital, Immobilien, staatliche Angebote, betriebliche Altersvorsorge bzw. Direktversicherungen, Gold und andere Sachwarte. Wörner zeigt auf, was hiervon für wen besonders wichtig ist.

Fazit

Wir haben die unterschiedlichen Herangehensweisen der von uns befragten Blogger dargelegt. Dabei fällt auf: Viele Wege führen zur sinnvollen privaten Altersvorsorge. ETFs sieht aber nahezu jeder als wichtige Säule. Aber auch weitere interessante Ansätze kamen zur Sprache. Die Zusammenstellung zeigt, dass die Bloggerszene einen wertvollen Beitrag zur Geldbildung leistet. Auch wir versuchen, hierbei positiv einzuwirken.

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