Von Timo Baudzus8. März 2022
Boersenpaar schätzt die Marktlage ein.

Boersenpaar: "Die Korrektur am Aktienmarkt könnte bis zu 1,5 Jahre anhalten, wenn..."

Laura und Bernd Jaworek haben sich unter der Marke Boersenpaar im Internet einen hervorragenden Ruf als technische und fundamentale Analysten erworben. Im Interview mit extraETF verraten sie, wie sie die aktuelle Marktlage einschätzen. 

Laura und Bernd Jaworek sind seit einigen Jahren unter dem Label Boersenpaar im Netz bekannt für hochwertige Markt- und Aktienanalysen. Das Boersenpaar ist für die Erstellung von Finanzanalysen bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) registriert, gemäß WpHG. Ihr Ziel besteht darin, Menschen bei ihrem Vermögensaufbau zu unterstützen.

Ein perfektes Match mit extraETF, den auch wir verfolgen die Mission, Menschen dabei zu helfen finanziell zu wachsen. Wir haben das Boersenpaar daher zum Interview gebeten, um zu erfahren, ob und wie Erkenntnisse aus der technischen Analyse auch ETF-Anlegern bei ihren Anlageentscheidungen helfen können. Im Gespräch gewährt das Boersenpaar spannende Einblicke, wie sie die aktuelle Situation einschätzen.

Laura, Bernd – ihr helft eurer Community insbesondere bei der Einschätzung von Märkten und Trends. Dazu nutzt ihr auch Hilfsmittel aus der technischen Analyse. Kann die technische Analyse auch ETF-Anlegern helfen?

Bernd: Wir verwenden immer beide Methoden, die technische Analyse und die Fundamentanalyse. Diese beiden sollten für einen gesunden Aktienwert immer Hand in Hand gehen. Das eine muss mit dem anderen einhergehen, um einen guten Aktienwert zu identifizieren und verwalten zu können. Das bedeutet, dass es uns nicht darum geht mithilfe der technischen Analyse zum Beispiel ein Hoch oder den Tiefpunkt, eine Trendbewegung mit 100-prozentiger Trefferquote zu bestimmen. Es geht uns vielmehr darum, die technische Analyse dafür zu verwenden, einen Trend eines Aktienunternehmens zu erkennen und die Aktie so lange in unserem Portfolio zu verwalten, bis der Trend bzw. die Fundamentaldaten uns dies nicht mehr zulassen. Wir nutzen die technische Analyse dabei vorrangig, um Positionen in Tranchen zu verringern oder um Positionen im Markt aufzubauen.

Laura: Für Beginner an der Börse stellt sich immer die Frage, welche Chance und welches Risiko wird in welcher Zeiteinheit eingegangen. Damit dieses gut angewendet werden kann, sollte sich ein Basis-Börsenwissen angeeignet werden. Es ist wie mit einer Fremdsprache, bevor diese gesprochen werden kann, sollte sich der- oder diejenige erst mit der Basis vertraut machen. Es sollten daher die wichtigsten Dinge an der Börse gelernt und sattelfest sein. Eine erste Grundlage dafür wären beispielsweise den Trend eines Indizes zu verstehen und was ist überhaupt ein Index? Die technische Analyse kann sehr gut dabei helfen, einen Aufwärtstrend von einem Abwärtstrend abzugrenzen und sich dieses Wissen auch für einen ETF zunutze zu machen.

Wie definiert ihr die Zeiteinheiten?

Bernd: Die Zeiteinheiten können in folgenden Zeitskalierungen unterteilt werden.  Kurzfristig: Sekunden bis Tagesbasis. Mittelfristig: Tage bis Wochen. Langfristig: Wochen bis Monate. Sehr langfristig: Jahre bis Jahrzehnte. Es geht in jeder Zeiteinheit, um die Identifikation des jeweiligen Trends, wie es dem Markt von seinem „Gesundheitszustand“ geht und wie die Trends in den jeweiligen Zeiteinheiten ineinandergreifen.

Laura: Wichtig ist, dass die eigene Handelsstrategie verfolgt wird. In der Handelsstrategie geht es zunächst darum, seine Zeiteinheit für sich zu finden. Viele Anleger tun sich jedoch schwer damit, obwohl die meisten sagen, dass sie langfristig orientiert sind. Doch spätestens dann, wenn jeden Tag oder alle paar Stunden auf das Handy geschaut wird, in welchem Zustand sich das Depot oder der Aktienwert gerade befindet, verschwimmen die Zeiteinheiten ineinander. Der Anleger ist dann ein führerloses Boot auf dem Meer. Deshalb ist eine klare niedergeschriebene Handelsstrategie sehr wichtig. Es ist gleichgültig, ob ein Anleger in ETFs anlegt oder aktiv einzelne Positionen in seinem Depot aufbaut. Das A und O an der Börse sind Zeiteinheiten, diese auseinanderzuhalten und immer in seiner vor der Investition festgelegten Zeiteinheit auch zu bleiben.

Wie ordnet ihr als Boersenpaar die aktuelle Marktlage ein?

Bernd: Aktuell (Stand 28.02.2022) sind wir in einer Entscheidung in der mittelfristigen bis langfristigen Zeiteinheit. Daraus resultierend kann eine langfristige Abwärtskorrektur etabliert werden. Diese Entscheidungsszenarien der jeweiligen Trends können aktuell in den jeweiligen Indizes identifiziert werden. Es ist mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit möglich, dass wenn die Entscheidung für den Abwärtstrend auf der mittelfristigen bis langfristigen Zeiteinheit auf Monatsbasis ausgebildet wird, die Korrektur uns bis zu 1,5 Jahre in den Indizes und in den jeweiligen Aktienwerten, die die Indizes konstruieren, beschäftigen könnte. 

Der Krieg in der Ukraine belastet die Indizes. Aber wäre es nicht auch möglich, dass die Börse nun auch in eine „Bullenparty“ umschwenkt, weil möglicherweise die Leitzinserhöhungen der US-Notenbank Fed vom Tisch sind, oder es zumindest nicht danach aussieht, als hätten sie dafür nicht viel Spielraum angesichts der geopolitischen Lage?

Bernd: Schwierig. Das Handelsvolumen ist aktuell sehr unterdurchschnittlich. Das ist kein sehr bullishes Indiz. Die Börsianer mögen Fakten, sie meiden jedoch die Unsicherheiten. Die Börsianer möchten gerne Fakten aus der Fundamentalanalyse oder von politischen Entscheidungsgremien bekommen, an denen sich die Anleger bzw. die Strategien orientieren können. Wenn die Anleger sowie institutionelle Investoren diese Sicherheit bzw. diese Fakten nicht haben oder nicht erhalten, sehen es die meisten Handelsstrategien vor das Portfolio umzuschichten und es wetterfest zu machen. Das bedeutet, sie strukturieren ihre Positionen in sogenannte sichere Häfen um.

Laura: Im aktuellen Marktzyklus sind die Anleger defensiv orientiert und investieren aktuell mit geringeren Tranchen, weil das Marktumfeld aktuell ein anderes ist als noch vor 1,5 Jahren. Wir beobachten den Markt immer sehr genau, denn wir leben von der Börse und müssen aus den generierten Einnahmen von unserem Portfolio unser Leben bestreiten. Deshalb ist uns eine kontinuierliche Strategie und eine klare sachliche Einordnung der jeweiligen Assetklassen stets wichtig.

Wie entscheidet ihr, in welche Aktien ihr investiert?

Laura: Mit unserer künstlichen Intelligenz überwachen wir alle unsere Aktienunternehmen im Depot. Wir haben stets einen Überblick, was passieren könnte. Diese Szenerien leiten wir aus den Kriterien aus unserer Analyse ab, die sich in die Fundamentalanalyse und technische Analyse unterteilt. Wir erhalten damit bereits im Vorfeld eine Strategie, die uns dann dabei hilft den Aktienwert zu verwalten, eine Position aufzubauen oder abzubauen.

Das Buch vom Boersenpaar
Das Boersenpaar hat das Buch „Candlesticks Advanced“ im Finanzbuchverlag veröffentlicht.

Ihr habt mit Quiny eine eigene Künstliche Intelligenz entwickelt, die Indizes und Einzelwerte screent und analysiert. Wie können wir uns das vorstellen?

Bernd: Unsere künstliche Intelligenz Quiny untersucht mithilfe des „machine learning“ Fakten, die ein Aktienwert am Aktienmarkt besitzt. Diese Fakten und die bereits ermittelten Ergebnisse werden stetig live in einer Datenbank gesammelt, um daraus mit einer fortlaufenden Wahrscheinlichkeit Ergebnisse für einen Aktienwert zu erhalten.
Fakten sind zum Beispiel Daten aus der Fundamentalanalyse und die Entstehung der Kurse im Orderbuch. Uns ist an der Stelle wichtig, hervorzuheben, dass wir als junges Research Unternehmen mit der Zeit gehen, denn die institutionellen Investoren verwenden in der heutigen Zeit bereits auch andere Analyse- und Orderverwaltungsmöglichkeiten als noch im alten Markt. Ein Teilgebiet unserer künstlichen Intelligenz half uns auch dabei, die empirische Erhebung der Daten und Auswertungen für unser Buch „Candlesticks Advanced“ durchzuführen.

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