Breite Streuung: So investieren Sie erfolgreich in Aktien

Den hohen Gewinnchancen am Aktienmarkt stehen vergleichsweise hohe Risiken gegenüber. Das wirksamste Mittel ist breite Streuung.

Auch wenn das aktuell für viele Privatanleger wie Hohn klingen mag, aber Aktien sind die attraktivste Geldanlage. Das gilt natürlich nicht für das bisherige Jahr, sondern im langfristigen Kontext. Bei den auf Jahre und besser Jahrzehnte gesehenen hohen Renditen handelt es sich um Risikoprämien. Das ist sozusagen eine Belohnung für die eingegangenen Risiken. Man könnte auch sagen: Wer Risiken eingeht, soll einen adäquaten Lohn dafür erhalten. Wäre das nicht so, würde die Anlageklasse niemanden hervorlocken. Risiken lassen sich leicht ertragen, wenn die Börse im Wesentlichen den Weg nach oben kennt. Konkret wird es erst, wenn es wie jetzt durch die Corona-Krise auf Talfahrt geht.

Krisen sind völlig normal

Die Corona-Krise sollte bei Privatanlegern nicht dazu führen, dass sich diese frustriert von der Börse abwenden. Denn gerade in Zeiten von Mini-Zinsen, die die Europäische Zentralbank (EZB) weiterhin verordnen wird, führt kein Weg an der Aktie vorbei. Zumal es auch im Wesentlich nicht schlecht um die Wirtschaft bestellt ist. „Die Krise trifft eine zuvor gesunde Wirtschaft wie eine unvermittelte Naturkatastrophe“, sagt Christian Ossig Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes. Solche Krisen, egal aus welchem Grund, kommen immer wieder vor. Und das ist auch in der Natur der Sache. Denn ohne Risiko, keine Chance auf übermäßige Rendite. Chance und Risiko sind Gegenspieler, die einander brauchen.

Nur breite Streuung ist rational

Die Frage ist nur, wie sollen Privatanleger vernünftigerweise damit umgehen. Jetzt kommt vielleicht die schlechte Nachricht, aus der Sie aber lernen können. Viele Privatanleger konzentrieren sich auf einzelne deutsche Unternehmen, die Sie kennen. So picken Sie sich etwa einen bekannten Autobauer und einen Chemiekonzern heraus und damit fertig. Und womöglich arbeitet dieser Anleger noch in einer der genannten Branchen und ist damit gleich doppelt von ihr abhängig. Das ist die denkbar falsche Herangehensweise. Denn die vermeintliche Vertrautheit mit dem Unternehmen, ist im Normalfall überhaupt kein Vorteil, zumal alle wesentlichen Informationen ohnehin in Sekundenschnelle verbreitet werden. Ein solcher Anleger ist komplett abhängig von ein, zwei Branchen und einem Land. Wer weiß aber heute schon, ob die deutsche Vormachtstellung im Automobilsektor auch noch in 15 oder 20 Jahren besteht? Das weiß niemand. Gleiches gilt entsprechend auch für andere Branchen und Unternehmen.

96 Prozent sind Verliereraktien

Sollten Sie sich jetzt ertappt fühlen und bisher ebenfalls ausschließlich auf wenige deutsche Unternehmen setzen, ist jetzt die Zeit gekommen, das zu überdenken. Denn es gibt keinen Beweis, dass diese Unternehmen besser abschneiden werden als der Weltaktienmarkt. Im Gegenteil: Sehr viele Einzeltitel schnitten in der Vergangenheit schlechter ab. Nach Zahlen von Finanzbuchautor Gerd Kommer sind 96 Prozent aller Aktien langfristig Verliereraktien. Das bedeutet, dass diese nur eine „Sparbuchrendite“ abwerfen, die inflationsbereinigt nahe bei null liegt. Die positive Gesamtmarktrendite würde sich daher nur aus den vier Prozent der Überflieger speisen. Sind Sie sich sicher, dass Ihre Aktien dazu gehören werden?

Mit Einzelaktien gehen Anleger höhere Risiken ein und können in den allermeisten noch mit geringeren Gewinnen rechnen als mit einer Investition in den breiten Aktienmarkt. Wer auf diese Weise agiert, sollte umsatteln und die weltweite Wirtschaft für sich arbeiten lassen. Das ist definitiv der vernünftigere Weg.

Wie investiere ich in den breiten Aktienmarkt?

Was zunächst kompliziert klingen mag, ist ganz einfach. Es reicht im Grunde ein ETF, der Industrie- und Schwellenländer abdeckt. Das sind ETFs, die entweder den MSCI ACWI (All Country World) oder den FTSE All World abbilden. Bekannte Beispiele: SPDR MSCI ACIW UCITS ETF (WKN: A1JJTC) oder Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (WKN: A2PKXG). Die Unterschiede der zugrundeliegenden Indizes sind marginal.