EZB-Lagarde

Christine Lagarde sorgt für Rückenwind

Mit der Neubesetzung des EZB-Chefpostens dürfte sich die lockere Geldpolitik in der Eurozone nicht nur fortsetzen, vielmehr ist bereits bald mit der Wiederaufnahme von Netto-Anleihekäufen oder sogar noch drastischeren Liquiditätsmaßnahmen zu rechnen. Für verschiedene Assetklassen ergibt sich daraus ein deutlicher Rückenwind.

Christine Lagarde wird im Herbst an die Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) rücken und das Wirken von Mario Draghi fortsetzen. Lagarde ist eine ausgewiesene Anhängerin von Anleihekäufen durch die Notenbank. Damit erlebt der Kapitalmarkt aus unserer Sicht einen Game-Changer: Während vor eineinhalb Jahren noch fest von steigenden (Leit)Zinsen ausgegangen wurde und die Zinsangst allgegenwärtig war, wissen wir heute, dass dies ein kollektiver Irrtum gewesen ist. Die Bund-Kurve hat sich – insbesondere am langen Ende – deutlich nach unten verlagert.

Dabei ist zu bedenken, dass die Notenbankpolitik in den letzten Jahren der bedeutendste Einflussfaktor für die Börsenentwicklung war – und daran dürfte sich (zumindest auf mittel- bis langfristige Sicht) auch nichts ändern.

Gleichzeitig ist unter Christine Lagarde Kontinuität zu erwarten: anhaltende Negativzinsen, neuerliche Anleihekaufprogramme und im Zweifel weitere unkonventionelle Maßnahmen (zum Beispiel Erwerb von Aktien, wie es die japanische Zentralbank schon seit Jahren macht) zur Stützung der Konjunktur und der Aufrechterhalten der Staatsfinanzierung.

Was bedeutet das für Investoren?

Hinsichtlich der Zinsen herrscht nun eine Planbarkeit wie selten zuvor: Die FED hat die Leitzinsen bereits gesenkt und die EZB wird die Leitzinsen wohl noch weiter ins Minus drücken. Gleichzeitig scheint eine Wiederbelebung des QE-Programms durch die Europäische Zentralbank bevorzustehen.

Aufgrund der Überschuldung vieler Staaten und des Privatsektors in vielen Ländern sind höhere Zinsen auch rein rechnerisch für sehr lange Zeit überhaupt nicht darstellbar, hätte dies doch die sichere Pleite diverser Länder zur Folge. Insofern ist die Strategie der EZB, die nun voraussichtlich unter Lagarde fortgesetzt wird, nachvollziehbar.

Billiges Geld führt früher oder später jedoch unweigerlich zu steigenden Aktienkursen, steigenden Immobilienpreisen, höheren Preisen für Kunst, Oldtimer und anderen Sachwerten. Daher ist der Ausblick für risikobehaftete Assets grundsätzlich positiv, wenngleich es selbstverständlich weiterhin Schwankungen geben wird.

Zu den risikobehafteten Assets zählen auch Hochzinsfirmenanleihen (High Yield Corporate Bonds). Bei High Yield handelt sich um eines der wenigen Segmente im Rentenmarkt, in dem nach wie vor noch positive Renditeaussichten bestehen. Diese liegen auf Sicht von mehreren Jahren im mittleren einstelligen Prozentbereich jährlich. Daher ist im zweiten Halbjahr 2019 mit Zuflüssen in diese Assetklasse zu rechnen.

Über den Autor: Ottmar Wolf

Ottmar Wolf ist Vorstand der FAM Frankfurt Asset Management AG in Frankfurt.