Von Redaktion6. April 2022
CO2-Preis im Aufwind: Chancen und Risiken für den Anleger?

CO2-Preis im Aufwind: Chancen und Risiken für den Anleger?

Spätestens seitdem der Klimawandel im Dürresommer 2019 für jedermann erfahrbar wurde, rückt auch die Entwicklung des CO2 Preises immer stärker in den Fokus von Investoren.

Insbesondere zwei Fragen stellen sich hier, nämlich zum einen, wie sich ein steigender CO2 Preis auf die davon unmittelbar betroffenen Industrien auswirkt und zum anderen, wie das Problem durch nachhaltiges Investieren abgemildert werden kann.

Hohe Sachkenntnis nötig

Grundsätzlich gilt die CO2-Bepreisung als wirkungsvoller Weg, um den Kohlendioxidausstoß zu reduzieren. Ziel ist es, mit einem solchen Preis die Industrie dazu zu bringen, die technologisch besten Wege zur Klimaneutralität zu finden.

Wer direkt in Emissionsrechte investieren möchte, kann dies in der Regel nur über die European Energy Exchange AG in Leipzig tun. Hierfür ist Fachwissen und Sachkenntnis über das hochspezialisierte Segment mit seinen politischen Einflüssen nötig. Es ist erstaunlich, dass dieser Markt bisher kaum in einfache Anlageprodukte „übersetzt“ wurde und daher ein Nischendasein führt.

Nur für starke Nerven

Die Société Générale S.A. hat im Juni 2019 ein Trackerzertifikat auf Kohlendioxid (WKN: CU3RPS) aufgelegt, welches für Anleger, die direkt am Preis von CO2 partizipieren wollen, eine Beimischung ermöglicht. Der Handel findet über die Börsen Frankfurt und Stuttgart statt. Doch Achtung! Genauso wie der Wind oft unerwartet seine Richtung ändert, ist dieses Zertifikat nichts für schwache Nerven. Zwar konnte das Zertifikat innerhalb der vergangenen 12 Monate um ca. 80 Prozent zulegen (derzeit notiert es deutlich unter seinen Höchstständen), doch wurde diese Performance mit einer sehr hohen Volatilität von 52,96 Prozent innerhalb dieses Zeitraumes erreicht.

Nachdem der CO2 Preis wegen überschüssiger Emissionsberechtigungen in den Jahren 2011 bis 2017 stark rückläufig gewesen ist, erleben wir seit 2021 einen erheblichen Preisanstieg. Dies erfolgt, weil seitens der EU die Obergrenze für CO2 Emissionen deutlich schneller gesenkt wurde als in früheren Perioden. Der durch den Ukrainekrieg erforderliche Blick auf Energiequellen außerhalb Russlands dürfte als Sondereffekt auch in der kommenden Zeit die CO2 Preise hochhalten.

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Auswirkung auf andere Branchen

Wie wirkt sich nun ein steigender CO2 Preis konkret auf eine unmittelbar betroffene Industrie aus? Als Beispiel bietet sich hier die Lebensmittelindustrie an. Diese steuert über 30 Prozent der vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen bei. Dies liegt vor allem an der Landwirtschaft, resultiert aber auch aus Landnutzungsänderungen wie bspw. Entwaldungen.

Landwirtschaft kann nicht einfach in andere Länder verlagert werden wie bspw. die Produktion von Industriegütern. Aus diesem Grund kann der CO2 Preises unmittelbar eine Veränderung in der Landwirtschaft ermöglichen. Es gibt erste Entwicklungen in Richtung Digitalisierung und künstlicher Intelligenz. Als Beispiel sei hier die punktuelle Schädlingsbekämpfung durch den Einsatz von Drohnen genannt. Dies geschieht mit Hilfe von mit künstlicher Intelligenz ausgestatteten Kameras an den Drohnen, die die befallenen Stellen genau orten können.

Subventionen notwendig

Durch den Einsatz dieser Technologie kann der Ressourcenverbrauch, sprich die Menge an Pestiziden deutlich reduziert werden, was wiederum den Ausstoß von Treibhausgasen reduziert.

Es bleibt festzuhalten, dass sich durch technologische Innovationen und ressourcensparendes Verhalten in den Unternehmen erhebliche CO2-Einsparungen erzielen lassen. Der Weg dorthin ist allerdings weit und nicht für jedes Unternehmen finanziell stemmbar. Subventionen des Staates sind aufgrund der hohen Technologieanschaffungskosten unausweichlich.

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Über den Autor: Henning Kirsch

Henning Kirsch ist Vermögensverwalter bei der Hansen & Heinrich AG, Frankfurt/ Main

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