Corona-Krise: Wie soll ich mich als Anleger verhalten?

Zurzeit erleben wir eine der schwersten globalen Kursrückgänge seit langen Jahren. Der Dow Jones büßte zuletzt allein an einem Tag rund 13 Prozent ein, das entspricht dem größten Kursverlust seit 30 Jahren. Nicht viel besser erging es dem deutschen Leitindex Dax, der an manchen Tagen rund zehn Prozent einbüßte. Innerhalb eines Monats verlor so der Dax rund 37 Prozent, allein seit Monatsbeginn rund 26 Prozent.

Auch aktuell veröffentlichte Konjunkturdaten versprechen zurzeit wenig Erfreuliches, So brach der ZEW-Konjunkturerwartungsindex für den März um satte 58,2 Punkte auf einen Wert von minus 49,5 Punkten ein. Dies ist der stärkste Rückgang seit Beginn der Umfrage im Dezember 1991. Nicht viel anders sieht es in anderen Regionen aus, allen voran in China, Italien oder Frankreich.

Corona-Krise – Kampf gegen den Virus

Die Corona-Krise ist sicherlich eine Ausnahmesituation. Frankreichs Ministerpräsident Emmanuel Macron sprach deshalb schon von einem „Krieg“ gegen den Virus. Nur dank weltweiter Unterstützungspakete für die Wirtschaft in dreistelliger Milliardenhöhe zur Abfederung, dank des unermüdlichen Einsatzes von Ärzten und Pflegekräften in den Krankenhäusern und Amulanzen sowie flexibler Anpassung der Arbeit an die aktuelle Situation durch neue Verhaltensmaßnahmen und Heimarbeit eines großen Teils der Bevölkerung kann Schlimmeres verhindert werden.

In diesem Zusammenhang haben wir uns gefragt, was wir in dieser Situation leisten können. Abseits von Sensationsjournalismus und Schwarzmalerei möchten wir es Ihnen nämlich auch in diesen Zeiten ermöglichen, Ihre Finanzenentscheidungen souverän und gut informiert treffen zu können.

Sie haben spezielle Fragen an uns? Über diesen Link können Sie uns ihr Anliegen zukommen lassen – wir freuen uns über jeden Input.

Vor allem keine Panikverkäufe!

Eines sollten Sie auf jeden Fall wissen: Angst ist an der Börse in der Regel ein schlechter Ratgeber. Es ist zwar verständlich, dass angesichts der immensen Kursverluste so mancher Anleger nervös wird und um sein Erspartes bangt. Zumal der Mensch ein „Herdentier“ ist und sich gern von dem allgemeinen Verkaufstrend anstecken lässt. Aber bedenken Sie: Nur wenn Sie zu jetzt stark gesunkenen Kursen verkaufen, erleiden Sie tatsächlich einen Realverlust.

Und zahlreiche Studien haben ergeben, dass die besten Börsentage gerade drastischen Kursrückgängen folgen. Zuletzt zeigte dies eine Betrachtung des Dax durch die Hamburger Sutor-Bank im Jahr 2019. Trotz aller Kursabschwünge erwirtschaftete der Dax seit Indexauflage bis vergangenes Jahr eine Rendite in Höhe von 7,2 Prozent pro Jahr. Hat man jedoch nur die 13 besten Börsentage verpasst, halbierte sich die Rendite auf nur noch 3,6 Prozent. Bei einem Nichtinvestment an den 33 besten Tagen war man sogar bereits zu diesem Zeitpunkt im Minus. Und meist waren diese guten Börsentage gerade in Zeiten, in denen viele Anleger Aktien nicht mit der Kneifzange anfassen wollten, weil zuvor die Aktien hohe Verluste erlitten. So folgten in sechs von zehn Fällen die besten Börsentage innerhalb von zwei Wochen nach den schlechtesten.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass die besten Börsentage gerade im Krisenjahr 2008 waren. Steht man hier an der Außenlinie durch vorzeitiges Verkaufen, reduziert sich die langfristige Rendite also deutlich. Zudem gilt die alte Börsenweisheit: Hin und Her macht Taschen leer. 

Kaufe, wenn die Kanonen donnern … 

Sinnvoll ist es auch, sich an die Börsenweisheit von Carl Mayer von Rothschild zu erinnern: „Kaufen, wenn die Kanonen donnern, verkaufen, wenn die Violinen spielen“

Allerdings sollte man dabei etwas Vorsicht walten lassen. Aktuell ist es eher sinnvoll, den Markt weiter im Blick zu behalten und abzuwarten, bis sich die Märkte etwas beruhigen und die Fieberkurve der globalen Aktienmärkte wieder beruhigt.

Geht es dann wieder allmählich rauf, kann man dann auch wieder überlegen, sofern man noch etwas Pulver trocken gehalten hat, stufenweise nachzukaufen. Am besten über einen ETF-Sparplan, bei dem man jeden Monat einen regelmäßigen Betrag zum Beispiel in ein Produkt auf den MSCI World investiert. Mit den aktuell stark gefallenen Kursen bieten sich so seit langer Zeit wieder günstige Einstiegskurse.

Gehen die Kurse noch weiter zurück, können sich langfristige Anleger entspannt zurücklehnen. Denn dann kann man für seinen Anlagebetrag noch mehr ETF-Anteile erwerben. Langfristig macht sich dies auf jeden Fall bezahlt.

Denn eines ist gewiss: Es gibt auch ein Leben nach der Corona-Krise und möglicher wirtschaftlicher Rezessionsauswirkungen. Ist diese Situation wieder überwunden und die Gewinne sprudeln wieder, steigen auch wieder die Kurse. Und langfristig erweisen sich Aktien immer als renditeträchtigstes Finanzinstrument. 

Mögliche Lehre aus Corona-Krise: Krisen bieten in der Regel auch Chancen

Haben Sie bereits durch Einzelaktien oder ETFs auf nur sehr gering gestreute Indizes erhebliche Verluste erlitten, macht es auch Sinn, die eigene Depotzusammensetzung kritisch zu überdenken.

Wichtig ist stets vor jedem Investment, sein eigenes Risikoprofil zu ermitteln. Denn Kursverluste, wie wir sie derzeit erleben, können sich auch in Zukunft wiederholen. Überlegen Sie sich, welche Verluste Sie tragen können. Bei einem jungen Anleger kann man solche Krisen locker aussitzen, rückt hingegen das Rentenalter in die Nähe und man ist darauf angewiesen, dann auf das Ersparte zurückzugreifen, dann macht es Sinn, zu einem größeren Anteil in defensivere Finanzinstrumente wie Staatsanleihen, Tagesgeld oder zu einem kleinen Teil auch in physisches Gold umzuschichten. Eine Faustregel zur Ermittlung der Aktienquote lautet: 100 – Alter = Aktienquote in Prozent im Depot. 

Und wie bereits erwähnt: Sollten Sie zu diesen oder anderen Gesichtspunkten eine Frage haben, stehen wir gerne für Sie zur Verfügung. Ansonsten gilt: Kopf hoch, es gibt auch ein Leben nach der Corona-Krise!

Tipp: Wenn Sie neu in den Bereich ETFs einsteigen, kann unser Wissen-Bereich für Sie eine große Hilfe sein. Dort veröffentlichen wir viele wichtige Artikel rund um die Geldanlage mit ETFs. Jetzt den Wissen-Bereich ansehen!