Von Redaktion4. Mai 2022
Das sind die drei Trends für die Weltwirtschaft nach dem Ukraine-Krieg

Das sind die drei Trends für die Weltwirtschaft nach dem Ukraine-Krieg

Die Ukraine-Krise hat die Welt verändert, auch mit Einfluss auf die Wirtschaft. Experten sehen jetzt diese drei Trends für die Weltwirtschaft.

Wie wird sich die Weltwirtschaft nach Corona und Ukraine-Krieg verändern, auch angesichts der Notwendigkeit, die Energiewende voranzutreiben? Für Michaël Nizard, Leiter von Multi-Asset & Overlay und Delphine Arnaud, Fondsmanagerin Multi-Asset & Overlay bei Edmond de Rothschild Asset Management, hat dies Konsequenzen für Globalisierung, politische Ordnung und Finanzsystem. Sie sehen drei grundlegende Trends:

1. Regionalisierung des internationalen Handels nach Ukraine-Krieg

Nach dem Handelskrieg zwischen China und den USA, der im März 2018 begann, sowie nach der Covid-19-Krise ab 2020 belastet jetzt der Ukrainekonflikt die Produktion und Lieferketten. Das gilt vor allem für die Automobilindustrie, die noch immer nicht wieder so viel produziert wie vor der Krise. Da schon ein fehlendes Teil die Produktion stoppen kann, litt die Branche bereits während der Pandemie unter der Halbleiterknappheit. Nun fehlen allmählich Kabelstränge und Palladium, die man für die Herstellung von Katalysatoren braucht. Sie kommen zu 40 Prozent aus Russland. Neben den Lieferengpässen belasten die stark steigenden Preise einiger Rohmaterialien die Rentabilität der Autohersteller. Außerhalb Europas gerät die Produktion elektronischer Chips durch den Krieg in der Ukraine in Bedrängnis, die 40 Prozent des weltweit zur Herstellung integrierter Schaltkreise benötigten Neons liefert. Im Automobilsektor treiben die stark steigenden Nickelpreise die Herstellungskosten von Batterien in die Höhe.

Seit den 1970er Jahren lagern viele Unternehmen ihre Produktion ganz oder teilweise in die Schwellenländer aus. Diese Strategie muss jetzt überdacht werden. Mit den steigenden Löhnen in den Schwellenländern, den höheren Frachtkosten und der Energiewende, die eine Verkürzung der Produktionsketten erfordert, fallen viele Argumente für eine Auslagerung dorthin weg. Notwendig wird die Rückführung in westliche Länder angesichts der politischen Spannungen, die mit der Einführung von Zöllen durch Donald Trump begannen. Hinzu kommen die Sicherung der Produktionsketten, die Verschiebung von „Just-in-time“ zu „Just-in-case“ sowie das Bestreben der Unternehmen, ihr Markenimage zu schützen und ihre Reputationsrisiken zu senken. Derzeit entstehen Pläne, die Produktion zurückzuführen. Das wird die Inflation weiter in die Höhe treiben, weil es das Ende der Niedriglohnarbeit und günstiger Rohstoffe bedeutet.

2. Neue politische Ordnung

Das Misstrauen in staatliche Institutionen war schon nach der Amtszeit von Donald Trump hoch. Die USA sollten aus der WHO austreten und sie hatten den Einfluss der WTO nach dem Handelskrieg mit China verkleinert. Jetzt wird Russland von den internationalen Organisationen ausgegrenzt. Isaac Newton hat gesagt: „Ich kann die Bewegungen der Himmelskörper berechnen, aber nicht die Verrücktheit der Menschen.“ Wir bewegen uns unweigerlich auf eine neue Ordnung zu.

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Eine der Sanktionen ist das Einfrieren der ausländischen Vermögen und Bankguthaben der russischen Zentralbank. Dies ist keine Kleinigkeit, auch wenn Russland durch die Forderung, seine Exporte in Rubel zu bezahlen versucht, sich weniger abhängig von US-Dollar und Euro zu machen. Das Ziel dieser Sanktion war, Russland zu isolieren, aber möglicherweise verringert sie auch den Einflussbereich der Länder, die sie beschlossen haben, wie vor allem den der USA und von Europa. Es ist sehr gut möglich, dass Zentralbanken anderer Schwellenländer ihre Vermögen jetzt in mehreren und/oder anderen Ländern verwahren werden. Es besteht die Gefahr, dass „starke“ Währungen im internationalen Handel zugunsten des chinesischen Renminbi an Bedeutung verlieren. Saudi-Arabien denkt bereits darüber nach, China zu erlauben, Öl- und Gaslieferungen in Renminbi zu bezahlen.

3. Beschleunigung der Energiewende

Der Krieg in der Ukraine hat deutlich gezeigt, wie abhängig Europa von russischer Energie ist. Diese Abhängigkeit ist seit 2014 gestiegen – trotz der Sanktionen in den Jahren 2014 bis 2019. Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima hat Deutschland den allmählichen Ausstieg aus der Kernkraft beschlossen und ist dadurch noch abhängiger von fossilen Brennstoffen (Gas, Öl und Kohle) geworden, die vor allem aus Russland kommen. Durch die Aussetzung der Gaspipeline Nord Stream 2 und die Reduzierung der russischen Gasexporte nach Europa um 30 Prozent, noch vor dem Einmarsch Russlands in die Ukraine, könnte Gas im nächsten Winter knapp werden.

Ein Gasmangel würde eine Rezession in Europa noch wahrscheinlicher machen als ein Anstieg der Energiekosten. Die Energiewende muss schnell vollzogen werden, aber ihre Umsetzung wird Jahre dauern und mit zusätzlichen Kosten verbunden sein. Bis dahin wird die Anpassung nur über einen geringeren Energieverbrauch und höhere Preise erfolgen.

Über die Autoren: Michaël Nizard und Delphine Arnaud

Michaël Nizard, Leiter von Multi-Asset & Overlay und Delphine Arnaud, Fondsmanagerin Multi-Asset & Overlay bei Edmond de Rothschild Asset Management

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