Denken Sie in Zeit, nicht in Euro

Beim Vermögensaufbau ist eine bestimmte Denkweise unumgänglich. Wichtig: Denken Sie nicht in Euro, sondern stets in Zeit.

Seit Jahren bin ich besessen von der Frage, wie ich mir mehr Zeit kaufen kann. Für mich stand Geld immer für die Möglichkeit, Dinge zu finanzieren. Je mehr Geld ich hatte, desto weniger Stress und mehr Freiheiten verspürte ich im Alltag. Teure Reisen waren möglich, neue Elektronik und leckere Restaurantbesuche.

All das hat sich befreiend angefühlt, bis zu dem Zeitpunkt, als ich wesentlich mehr verdiente als ich ausgab. Da ist mir klargeworden, dass es noch etwas anderes gibt, dass ich mit meinem Geld kaufen kann – Zeit. Das führte zu einem radikalen Umdenken.

Wie auch Sie diese Einsicht dafür nutzen können, Ihre finanziellen Entscheidungen zu überdenken, zeige ich Ihnen im Beitrag.

Zeit = Geld?

Welche Aussage stimmt – Zeit ist Geld wert oder Geld ist Zeit wert? Für mich ist beides korrekt. Die Gleichung geht in beide Richtungen auf. Sie können Ihre Zeit dafür nutzen Geld zu verdienen oder Geld dafür nutzen, sich mehr (freie) Zeit zu verschaffen. Sie können Ihre Zeit beispielsweise dafür nutzen, sich weiterzubilden und Ihren Marktwert gegenüber Ihrem Arbeitgeber zu steigern. Damit steigt Ihr Gehalt, mit dem Sie wiederum in mehr Zeit investieren können.

Wie viel Zeit ist Geld wert? Das hängt davon ab, wie teuer Ihre Zeit ist. Wer einen luxuriösen Lebensstil führt, benötigt mehr Kapital für die gleiche Menge an Zeit. Angenommen Sie haben monatliche Lebenshaltungskosten von 2.000 Euro. Dann kostet Sie ein neues Auto nicht nur 30.000 Euro, sondern gleichzeitig auch 15 Monate. Liegen Ihre monatlichen Kosten bei 5.000 Euro, dann kostet Sie das neue Auto „nur“ sechs Monate.

Wer Vermögen aufbaut, investiert simultan in mehr Zeit. Grundsätzlich sind Sie aufgrund des sinkenden Rentenniveaus ohne private Altersvorsorge dazu „verpflichtet“ bis 67 oder sogar 70 Jahre zu arbeiten. Haben Sie hingegen frühzeitig mit dem Vermögensaufbau gestartet, können Sie Arbeitszeit in Freizeit umtauschen und früher in Rente gehen. Und ganz ehrlich – wer würde nicht gerne schon mit 60 oder sogar 55 Jahren seinen Ruhestand genießen?

Sie konsumieren Zeit, kein Geld

Alle Entscheidungen, die Sie heute pro Konsum treffen, treffen Sie contra Zeit. Das ist nicht automatisch negativ. Viele Konsumentscheidungen sind wichtig für unserer allgemeine Lebenszufriedenheit. Eine Reise, der Restaurantbesuch beim Lieblings-Italiener oder hochwertige Nahrungsmittel verbessern unsere Lebensqualität. Auch dadurch steigt unser Zeitbudget, denn ein gesunder Lebensstil sorgt dafür, dass sich unserer Lebenszeit (statistisch gesehen) verlängert.

Beachten Sie jedoch, dass jede Konsumentscheidung mit dem Bewusstsein getroffen werden sollte, dass man auf Zeit verzichtet. Hierbei denke ich besonders an die Fälle, in denen Ihnen gleichwertige Optionen zur Verfügung stehen. Verschafft Ihnen ein neues Auto mehr Nutzen als ein gebrauchtes Fahrzeug? Ist die hohe Miete sinnvoll? Studium an der teuren Privat-Universität oder an der öffentlichen Universität? All diese Optionen können gerechtfertigt werden, verstehen Sie mich nicht falsch. Ein Studium an der Privat-Universität kann Ihnen viele Türen öffnen. Die Frage ist nur: Finden Sie diesen Türöffner nur mit dieser Option?

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Häufig treffen wir finanzielle Entscheidungen mit schwerwiegenden Implikationen viel zu voreilig. Wer 35.000 Euro Studiengebühren spart und das Geld über 35 Jahre investiert, kann sich im Alter von 60 Jahren bei einer durchschnittlichen Jahresrendite von fünf Prozent über ein Endvermögen von knapp 250.000 Euro freuen – oder Sie freuen sich über zehn Jahre Lebenszeit, die Sie mit dem Kapital finanzieren können, in dem Sie es lediglich verzehren (bei 2.000 Euro monatlichen Kosten). Zeit, in der Sie das tun können, worauf Sie Lust haben. Versuchen Sie dieses Umdenken in Ihren Alltag einzubauen und bei jeder Konsumentscheidung den Faktor bzw. die Währung Zeit mit zu berücksichtigen.

Wer investiert, baut sich Zeit auf

Sie investieren nicht nur, um später ein großes Vermögen zu besitzen. Sie investieren, um im Alter mehr Zeit zu haben. Zeit für Dinge, die Sie glücklich machen. In einer Harvard-Studie aus 2017 fanden Forscher heraus, dass Menschen glücklicher sind, wenn sie sich mit Geld mehr Freizeit kaufen können. Probanden wurden jeweils 40 US-Dollar gegeben, die sie an einem Wochenende für Konsum und am anderen Wochenende für Dinge investieren durften, die Ihnen mehr Zeit verschaffen (Haushaltshilfen, Gärtner, Lieferdienste etc). Im Ergebnis fühlten sich die Probanden glücklicher, als sie sich mit dem Geld mehr Freizeit finanziert haben.

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Mein Tipp an Sie: Konsumieren Sie, aber tun Sie es mit dem Bewusstsein, dass Sie materielles Glück gegen Zeit tauschen. Nutzen Sie Ihre Geldmittel, um mehr Geld zu verdienen, mit dem Sie sich wiederum mehr Zeit kaufen können. Optimieren Sie Ihre monatliche Sparquote, erhöhen Sie Ihre Sparplanleistungen und bauen Sie sich mehr Freiheiten auf. Wenn Sie die Relation zwischen Geld und Zeit verstehen, werden sich Ihre Argumente hinsichtlich finanzieller Entscheidungen schnell ändern.