Deutsche-misstrauen-Robos

Deutsche meiden Robo-Advisors

Noch immer ist für allermeisten Deutschen die digitale Vermögensverwaltung ein rotes Tuch. Das liegt aber auch an den bestehenden Strukturen.

Als Nutzer von extraETF.com trifft das auf Sie vielleicht nicht zu, aber für die meisten Deutschen ist die Geldanlage mittels digitalen Vermögensverwaltern kein Thema. Zum einen ist Deutschland keine Nation der Aktionäre. Zum anderen aber liegen die Gründe an herkömmlichen Bankenstrukturen. Denn nach wie vor ist für die Geldhäuser der Vertrieb eigener Fonds lukrativer. Nach Ansicht der Experten der Beratungsgesellschaft Oliver Wyman haben sich die Hoffnungen der Robo-Branche nicht erfüllt. Viele Anbieter von digitalen Vermögensverwaltern, darunter Start-ups, hätten die Bedeutung einer bekannten Marke und die Kosten für Kundenakquise unterschätzt. Zudem würden sich Robo-Advisors an eine Nische von Kunden richten, die gerne Internet-Angebote nutzten und zugleich an Wertpapieren interessiert seien. Die Kombination sei aber selten. Der Teufelskreis ist nur, dass solche erfahrenen Anleger in aller Regel gleich selbst ein ETF-Portfolio zusammenstellen würden. Der mögliche Kundenkreis scheint daher nach den Betrachtungen von Oliver Wyman eher begrenzt zu sein.

Verbraucherschützer stellen Forderungen auf

Auch Verbraucherschützer sehen Verbesserungspotenzial. „Die Bafin braucht mehr gesetzliche Befugnisse zur Kontrolle von Algorithmen“, sagt Dorothea Mohn, Leiterin Team Finanzmarkt beim Verbraucherzentrale Bundesverband. „Es geht nicht um meterlange Programmcodes, sondern um die Wirkung für Verbraucher und wie Robo-Advice-Anbieter die Wirkung erklären.“ Hier bedürfe es konkreterer gesetzlicher Vorgaben zur Abfrage der persönlichen Kundeneigenschaften, zur Information von Verbrauchern sowie Mindestanforderungen an die Qualität der Vorschläge.

Robo-Advisor können Beratung bieten

Mohn zeigt sich aber auch zuversichtlich und sieht sehr wohl auch Möglichkeiten, dass sich die moderne Art der Vermögensverwaltung auch positiv auswirken kann. „Langfristig kann Robo-Advice, entsprechende Entwicklungen im Bereich künstlicher Intelligenz vorausgesetzt, auch eine vollwertige Beratung bieten“, so Mohn. „Vor allem braucht der Markt aber unabhängige Anbieter, die Technologie nicht zum Produktverkauf nutzen wollen.“

Im Übrigen ist Digitalisierung kein Alleinstellungsmerkmal von Robo-Advisors. Auch bei der analogen Beratung kommen Algorithmen zum Einsatz, die die Beratung beeinflussen können. Der Unterschied ist, dass allerdings hier noch ein Berater dazwischengeschaltet ist. Bei Robo-Advisors wird dagegen etwas mehr eigenes Zutun verlangt. In aller Regel fragen Robo-Advisors ihren neuen Kunden über ihr Chance-Risiko-Profil aus und bieten auf Basis dessen entsprechende Portfolios an. Im Anschluss müssen sie sich aber um nichts mehr kümmern.

Lesetipp: Um potentiellen Kunden die Scheu zu nehmen, locken einige Robo-Advisors mit Aktionen. Nutzen Sie außerdem unseren Robo-Advisors-Vergleich sowie die ETF-Suche.