Von Antje Erhard1. Juli 2022
Die 72er-Regel: So findest du raus, ob sich deine Geldanlage lohnt

Die 72er-Regel: So findest du raus, ob sich deine Geldanlage lohnt

Was muss eine Geldanlage an Rendite leisten, damit sie sich lohnt? Das zeigt die 72er-Regel. Praktisch angewandt kannst du mit ihrer Hilfe sehen, wie lange du brauchst, bis dein Geld ansehnlich gewachsen ist, sich sogar verdoppelt hat. Einfluss darauf hat die Rendite. Aber auch die Laufzeit.

Derzeit sind die Märkte wirklich schwierig: Rezessionsangst greift um sich und verschont kaum eine Assetklasse. Der DAX hat im ersten Halbjahr fast 20 Prozent an Wert verloren. Der S&P 500  in New York fuhr das schwächste Halbjahr seit 1970 ein. Aber bleiben wir optimistisch und investiert. Doch wie lange dauert es, bis sich angelegtes Geld in Summe verdoppelt hat? Und lohnt sich das geplante Investment?

Wenn du mit dieser Regel ehrlich rechnest, kannst du wenig lukrative Investments vermeiden. Die 72er-Regel zeigt, in welchem Zeitraum sich ein Investment bei welchem Zinssatz verdoppelt hat. Rechnen wir mal praktisch durch.

Wenn du auf deinem Sparkonto ein Prozent Zinsen bekommen würdest, hätte sich dein Geld nach 72 Jahren verdoppelt. Das berechnest du, in dem du die Zahl 72 durch die Rendite deines Investments dividierst. Also 72 durch ein Prozent. Dann erhältst du die Zeitdauer, bis sich deine Geldanlage verdoppelt hat. In diesem Fall also 72 Jahre.

Bei 3 Prozent Zinsen verdoppelt sich Kapital erst nach 24 Jahren

Nehmen wir mal eine Sparsumme von 5.000 Euro an. Zu einem Prozent Zinsen hast du nach 72 Jahren 10.000 Euro. Bei drei Prozent nach 24 Jahren. Das ist lange. Also wäre für die Anlageentscheidung eine höhere Rendite wünschenswert:

Spannend wird es in den realistischen Bereichen von fünf bis sechs Prozent Rendite. Bei fünf Prozent verdoppelt sich dein Investment nach 14,4 Jahren, Hier nochmal in Übersicht, wann sich dein Investment bei welchem Zinssatz verdoppelt:

Zinssatz in Prozent

Anlagezeitraum in Jahren

1

72

5

14,4

10

7,2

Du siehst, die Rendite ist ein enorm wichtiger Faktor. Das ist zwar „nur“ eine Faustformel, aber die 72er-Regel gilt als nützliche Hilfe, um Vorsorge zu realisieren und zu wissen, was sie wirklich bringt.

Jede Regel hat aber auch ihre Grenzen, auch die 72er-Regel. Sie kann zum Beispiel nicht berücksichtigen, ob du alle Jahre die gewünschten Renditen erzielst – es sind Durchschnittswerte. Auch Dividenden oder andere Einkünfte, die schwanken, lassen sich hier nur ungenau berechnen. Neben der Rendite ist die Laufzeit ein entscheidender Faktor: Wenn du früh genug anfängst, wird auch aus kleinen Beträgen ein Vermögen.

72er-Regel: Was die Inflation mit deinem Geld macht

Die 72er-Regel ist aber auch ein guter Indikator, um zu sehen, wie die Inflation am Gesparten zehrt. Wenn du ausrechnen möchtest, bis wann sich die Kaufkraft halbiert, teile die 72 durch die aktuelle Inflationsrate. Wir hatten 2021 in Deutschland eine Inflation von 3,1 Prozent im Jahresschnitt (so viel wie 29 Jahren nicht). Wenn du 72 durch 3,1 dividierst, hat sich nach 23,22 Jahren die Kaufkraft des Geldes halbiert. Für dieses Jahr erwartet die Bundesbank für Deutschland im Schnitt eine Teuerung von 7,1 Prozent (Stand: Juni 2022). Sie ist damit etwas pessimistischer als viele Wirtschaftsinstitute oder auch als die Bundesregierung, aber einige Institute erwarten sogar noch mehr Inflation. Die 7,1 Prozent würden aber bedeuten, nach 10,14 Jahren hat sich die Kaufkraft halbiert.

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Derzeit können viele Geldanlage-Möglichkeiten die Inflation nicht ausgleichen. Langfristig sieht das Bild schon anders aus: Für 2023 erwartet die Bundesbank eine Inflation von 4,5 Prozent hier zu Lande.

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Fazit

Mit der 72er-Regel kannst du leicht ermitteln, ob sich ein Investment lohnen kann: Lohnt sich das Sparziel? Sind die Renditen so, wie ich sie mir vorstelle? So lassen sich wenig lukrative Anlagen vermeiden. Die Formel hat aber Grenzen: Sie muss von Durchschnittswerten ausgehen und kann schwankende Erträge wie Dividenden nur ungefähr berücksichtigen.