1000-Euro-anlegen

Die ersten 1.000 Euro an der Börse richtig investieren

Zu den Glorreichen Vier der Geldanlage gehören eine gute Strategie, gesunde Ausdauer, der Zinseszins-Effekt und niedrige Kosten. Wenn Anleger diese vier Faktoren beachten, werden sie erfolgreich bei der Geldanlage sein.

„Wie lege ich meine ersten 1.000 Euro an der Börse an?“ Diese Frage stellte mir vor einigen Jahren ein Berufsanfänger. 1.000 Euro sollten den Grundstock für einen monatlichen Sparplan in Höhe von 100 Euro bilden.

In meinen über 20 Jahren als Vermögensverwalter habe ich selten junge Menschen kennengelernt, die sich frühzeitig strukturiert Gedanken über ihre finanzielle Zukunft machen. Und das ist der erste und wichtigste Faktor, um erfolgreich an der Börse zu sein: Früh beginnen, strukturiert und mit Ausdauer vorgehen.

Die Rücklage des jungen Mannes lag auf einem Tagesgeldkonto bei einer Direktbank. Die Bank bot ebenfalls ein kostenfreies Depot an. Auf die Kosten eines Depots zu achten, ist entscheidend. Diese sind meist fix und können im Verhältnis zur Anlagesumme sehr hoch sein. Die ortsansässige Sparkasse verlangte für ein Depot 40 Euro im Jahr. Bei einem Anlagebetrag von 1.000 Euro müssten die Wertpapiere um vier Prozent im Jahr steigen, um nur die Depotkosten auszugleichen. Ebenfalls bot die Direktbank börsennotierte ETFs gebührenfrei zum Kauf an. Das ist sowohl für die Einmalanlage, als auch für den monatlichen Sparwunsch entscheidend. Die Anlagebeträge werden dann nicht bei jedem Kauf durch eine Transaktionsgebühr oder einen Ausgabeaufschlag, bei aktiv verwalteten Fonds zwischen 2,5 Prozent und fünf Prozent, reduziert. Generell sind ETFs im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds deutlich billiger, da sie nicht so hohe Verwaltungskosten haben.

Wer genau nachrechnet, findet schnell heraus: Wer im Dezember 2000 1.000 Euro danach monatlich 100 Euro in einen Dax-ETF investiert hätte, hätte heute ein Vermögen von 43.173 Euro (Plus 20.073 Euro) und damit seinen Einsatz fast verdoppelt. Der gleiche ETF gerechnet mit fünf Prozent Ausgabeaufschlag und einer jährlichen Depotgebühr von 40 Euro würde das Plus um 3.498 Euro auf 16.584 Euro abschmelzen lassen. Vermeidbare Kosten. Die höhere Verwaltungsgebühr eines aktiven Fonds von mindestens einem Prozent ist dabei noch gar nicht berücksichtigt.

Wer gerade zu Beginn seiner Börsenkarriere darauf achtet, Kosten zu sparen, hat die ersten Gewinne quasi schon eingefahren. Egal, in was er anlegt.

Da es sich um seine erste Investition an der Börse handelte, entschied sich mein junger Kunde für internationalen Aktien. Dort gibt es die größte Streuung. Die Abhängigkeit von einzelnen Ländern oder Branchen ist nicht so groß. Das senkt das Risiko. Die Wahl fiel auf einen ETF, der den MSCI All Country World Index abbildet. Dieser Index umfasst mehr als 2.700 Aktiengesellschaften aus über 45 Ländern der Welt. Dabei enthält einen Anteil von etwas über zehn Prozent an Schwellenländern. Viele von diesen Unternehmen schütten regelmäßig Dividenden aus. Bei einer sogenannten thesaurierenden Variante eines ETF werden diese automatisch im Fondsvermögen wieder angelegt. Das ist bei langfristigen Investmentsparplänen zur Altersvorsorge oder zum Vermögensaufbau besonders sinnvoll, da aktuell keine Ausschüttungen benötigt werden.

Der wichtigste Faktor an der Börse, um nachhaltig erfolgreich zu sein, ist nicht, zum richtigen Zeitpunkt zu investieren oder die einmalige Kursrakete zu erwischen. Das gelingt selbst den Profis selten. Es ist die richtige Zusammensetzung des Depots.

Das belegt die 2013 veröffentlichte Studie von Prof. Dr. Manfred Weber von der Universität Mannheim. In Zahlen kann man es so ausdrücken: Wer einmalig 10.000 Euro in einen Indexfonds auf den Weltaktienmarkt investiert und danach 15 Jahre lang monatlich 100 Euro einzahlt, hat bei einer jährlichen Rendite von nominal sechs Prozent am Ende ein Vermögen von 52.800 Euro vor Steuern beisammen und damit einen Gewinn von 24.800 Euro erzielt.

Ein Anleger, der bei sonst gleichen Bedingungen 15 Jahre vorher begonnen hat und so 30 Jahre lang anspart, kommt auf 155.400 Euro – das ist ein Gewinn von fast 109.400 Euro. Das heißt: Eine um 65 Prozent höhere Einzahlung (46.000 statt 28.000 Euro) führt zu einem Gewinn, der um 341 Prozent höher ist (109.400 statt 24.800 Euro) – das entspricht einem Verhältnis von 5,2 zwischen Gewinnzuwachs und Zuwachs bei den Einzahlungen!

Als letzten Tipp schlug ich vor, eher am Monatsende zu investieren, bevor am Monatsanfang alle anderen Investoren ihr Geld anlegen. Rein statistisch betrachtet kann das die durchschnittliche Rendite noch etwas steigern.

Über den Autor: Lothar Koch

Lothar Koch ist Leiter Portfoliomanagement bei der GSAM + Spee Asset Management AG in Düsseldorf.