"Die ETF-Blase wird platzen": Was taugen die Argumente der ETF-Gegner?

ETFs boomen. Doch viele ETF-Gegner sehen den Trend sehr kritisch. Wir haben uns einige der Argumente näher angeschaut. Sind ETFs wirklich gefährlich?

ETFs – also kostengünstige Indexfonds – stehen seit Jahren im Fokus vieler Privatanleger. Ihr Wachstum ist beeindruckend. Aktuell existieren weltweit über 6.000 unterschiedliche ETFs, die über ein verwaltetes Vermögen von über 6 Billionen US-Dollar verfügen. Das zeigt, wie viel Vertrauen Anleger den ETFs entgegenbringen.

Doch es gibt auch zahlreiche ETF-Gegner. Dies sind meist Vertreter klassischer, aktiv gemanagter Fonds. Die ETF-Gegner weisen Anleger regelmäßig auf eine Fülle an vermeintlichen Nachteilen und Risiken hin. Doch was taugen ihre Argumente? Dies haben wir uns ergebnisoffen einmal ganz genau angeschaut.

Passive Anleger ignorieren „schlechte“ Unternehmensführung

Dieses Argument beruht auf dem Vorwurf, dass passive Investoren von ihrem Mitbestimmungsrecht als Anteilseigner weniger stark Gebrauch machen als aktive Investoren. Den Beweis, dass dieses Argument nicht stimmt, liefert Blackrock. Der größte Vermögensverwalter der Welt, der mit seiner ETF-Sparte iShares an fast allen großen Unternehmen der Welt beteiligt ist, fordert die Vorstände regelmäßig dazu auf, den Aspekt der Nachhaltigkeit stärker zu beachten in ihrer strategischen Ausrichtung. Auch andere ETF-Emittenten nutzen aktiv ihr Mitbestimmungsrecht.

Da passive Investoren bestimmte Positionen nicht einfach so auflösen können, haben sie in der Tat große Anreize auf eventuelle Missstände aufmerksam zu machen. Im Zweifel ist der Anreiz auf Seiten passiver Investoren sogar noch größer als bei den aktiven. Der Ausschluss von Unternehmen mit anlegerunfreundlichen Praktiken findet auf Seiten der ETF-Anbieter häufig schon vor der Emission neuer ETFs statt.

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Durch ETFs wird alles passiv – wo bleiben die Anreize?

Anbieter aktiver Anlagestrategien führen oft an, dass in einer Welt, in der es nur ETFs gibt, Anreize für aktives Fondsmanagement fehlen. Dies beruht auf der Annahme, den Markt schlagen zu können. Dies ist jedoch eine Fehleinschätzung, wie diverse Studien bereits nachgewiesen haben. Fondsmanager können oft nur über 5-10 Jahre den Markt outperformen.

Die Folge ist: Die Manager werden zu Stars, ihre Fonds zu Marketingflaggschiffen und sie erhalten unglaublichen Zulauf an Geldern. Dadurch werden die Fonds träge und können weniger gut investieren. Auf Sicht von 20 Jahren plus X gibt es nur wenige aktive Investoren (wie Warren Buffett), die den Markt schlagen konnten.

Konträr zur Annahme der aktiven Portfoliomanager verhält sich die Idee der modernen Portfoliotheorie. Diese besagt, dass Märkte informationseffizient sind und eine (langfristige) Outperformance nicht möglich ist. Wenn alle Gelder weltweit passiv investiert würden, wären die Auswirkungen alles andere als dramatisch. Die Finanzmärkte wären in einer ETF-Welt deutlich weniger volatil und würden sich vielmehr ihren realen Werten nähern.

Da aber aktuell nur ein Bruchteil des globalen Aktienvolumens in passiven Portfolios gebunden ist, sind wir von diesem Szenario noch weit entfernt.

ETFs verschlechtern die Performance des Portfolios

Die Performance Ihres Portfolios ist weniger stark abhängig von den darin enthaltenen Werten als von der Art und Weise, wie Sie mit ihnen umgehen. Wer viel hin-und-her handelt, wird grundsätzlich eine schlechterer Performance erzielen als passive Investoren.

Dadurch, dass ETFs durch die einfache Handelbarkeit oft zu kurzfristigen Spekulationsgeschäften genutzt werden, leidet auch die Performance. Der Leitgedanke der ETFs liegt jedoch vielmehr im Aufbau einer passiven Anlagestrategie und dem strategischen Nachbilden ganzer Märkte über einen langen Anlagezeitraum hinweg.

Passives Investieren ist die beste Anlagestrategie, die Sie als Privatanleger nutzen können. Die Märkte werden sich auf lange Sicht immer einem Mittel nähern. Kurzfristig werden Sie „mit ein wenig Glück“ eine bessere Rendite als Ihr Referenzindex erzielen können – langfristig jedoch nicht. Das zeigen zahlreiche Studien und Untersuchungen.

Aktive Manager schneiden in Krisenzeiten besser ab

Ein Argument, dass man von vielen aktiven Fondsmanagern hört ist, dass ETF-Anleger in turbulenten Phasen allein gelassen werden, während sie aktiv eingreifen können, um die Verluste zu minimieren. Zwar suggeriert ein aktives Management seinen Anlegern Sicherheit und Kontrolle, die Realität sieht jedoch ganz anders aus.

Als die Märkte Ende 2018 eine große Korrektur erlebten, blieben die durchschnittlichen Ergebnisse der aktiven Fondsmanager weit hinter den Renditen passiver Anlagestrategien zurück. Die meisten Fondsmanager haben einfach zu spät verkauft oder sind zu früh wieder in den Markt eingestiegen. Auch die hohen Transaktionskosten haben den Fondsmanagern einen Strich durch die Rechnung gezogen.

Niemand ist in der Lage, die Zukunft vorherzusagen. Aus dem Grund sollten Privatanleger einfach investiert bleiben und ihre Depots weiter besparen. Das maximiert Ihren Anlageerfolg.

Erwartete Rendite eines Buy and Hold-Portfolios

Gerd Kommer hat in seinem Buch "Souverän investieren mit Indexfonds, Indexzertifikaten und ETFs" verschiedene Rendite/Risiko-Szenarien beschrieben.
 Portfolio 1Portfolio 2Portfolio 3Portfolio 4Portfolio 5
% risikofreie Anlage10 %30 %50 %70 %90 %
% Weltportfolio90 %70 %50 %30 %10 %
maximaler Verlust22 %17 %9 %6 %2 %
erwartete Rendite p. a.8,7 % 7,5 %6,1 %4,6 %3,1 %
empf. Mindestanlagedauer10 Jahre8 Jahre6 Jahre3 Jahre2 Jahre
Quelle: Souverän investieren mit Indexfonds, Indexzertifikaten und ETFs

Finanzmärkte sind nicht effizient – aktive Fondsmanager können Chancen nutzen

Hinter dem Prinzip der Markteffizienz steht die Idee, dass Aktienkurse alle öffentlich verfügbaren Informationen widerspiegeln. Wenn das stimmt, dann werden die intensiven Fundamentalanalysen aktiven Managern nicht dabei helfen können, den Markt zu schlagen. Es liegt zwar auf der Hand, dass der Markt alles andere als effizient ist. Das bedeutet jedoch nicht, dass dieser leicht zu schlagen ist. 

Insgesamt halten aktive Investoren dasselbe Portfolio wie passive Investoren, da breite, nach Marktkapitalisierung gewichtete Fonds oft lediglich die Zusammensetzung des Marktes nachbilden. Daher sollte ihre Performance vor Abzug der Gebühren ähnlich sein. Da passive Fonds jedoch tendenziell weniger Gebühren verlangen, schneiden sie im Durchschnitt besser ab.

Die ETF-Blase wird platzen

Dieses Argument ist eine reine Mär. Denn damit eine ETF-Blase platzen könnte, müsste  zunächst einmal eine existieren. Zum Ende des Jahres 2019 belief sich der Wert des weltweiten Aktienbestands auf rund 95,2 Billionen US-Dollar. Der Fakt, dass das gesamte ETF-Volumen (inklusive aller Assetklassen) aktuell lediglich bei 6 Billionen Dollar liegt, deutet darauf hin, dass man wohl noch weit entfernt ist von einer Blase. 

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Fazit: Die ETF-Gegner haben unrecht

Viele Kritikpunkte, die die ETF-Gegner gegen das Wachstum von ETFs vorbringen, sind schlichtweg nicht begründet. Vielmehr wirken sie wie ein verzweifelter Versuch weniger Player, die den Indexierungstrend verpasst haben.

Privatanleger sollten sich von dieser Kritik nicht abschrecken lassen. ETFs sind und bleiben ein hervorragendes Finanzinstrument für die private Geldanlage. Diese Debatte sollte nicht von den essentiellen Faktoren ablenken – langfristig am Markt bleiben, breit diversifizieren und auf die Kosten achten.