Vier-Tipps

Die glorreichen Vier des Anlageerfolgs

Vier Faktoren sind für den Erfolg einer Geldanlage unabdingbar: eine gute Strategie, gesunde Ausdauer, der Zinseszins-Effekt und niedrige Kosten.

Faktor Nummer eins ist eine vernünftige Strategie, bei der das Geld sinnvoll auf mehrere Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Edelmetalle, Rohstoffe verteilt wird. Wenn Sie strategisch vorgehen, stellen Sie sich bei Tipps von Kollegen, Magazinen oder dubiosen Börsendiensten konsequent taub und folgen stattdessen einem durchdachten Plan. Einzelwerte und Unternehmens-Stories lassen Sie dann kalt. Ziel ist vielmehr, die Ersparnisse so anzulegen, dass die Zielrendite über die Jahre hinweg mit möglichst geringen Verlusten erreicht wird.

Eine solide und aussichtsreiche Strategie bringt aber nur dann etwas, wenn Sie sie dauerhaft umsetzen. Die Zeit kann aber nur dann für Sie arbeiten, wenn Sie psychisch so robust sind, dass Sie Schwächephasen, die jede Strategie unvermeidlich aufweist, hinnehmen und dabei nicht das Handtuch werfen. Beides fällt umso leichter, je mehr Sie sich mit den Eigenheiten Ihrer Strategie beschäftigt haben.

Wer einmalig 10.000 Euro in einen Indexfonds auf den Weltaktienmarkt investiert und danach 15 Jahre lang monatlich 100 Euro einzahlt, hat bei einer jährlichen Rendite von nominal sechs Prozent am Ende ein Vermögen von 52.800 Euro vor Steuern beisammen und damit einen Gewinn von 24.800 Euro erzielt. Ein Anleger, der bei sonst gleichen Bedingungen 15 Jahre vorher begonnen hat und so 30 Jahre lang anspart, kommt auf 155.400 Euro – das ist ein Gewinn von fast 109.400 Euro. Das heißt: Eine um 65 Prozent höhere Einzahlung (46.000 statt 28.000 Euro) führt zu einem Gewinn, der um 341 Prozent höher ist (109.400 statt 24.800 Euro) – das entspricht einem Verhältnis von 5,2 zwischen Gewinnzuwachs und Zuwachs bei den Einzahlungen! Kein Wunder, dass Albert Einstein auf die Frage nach der stärksten Kraft im Universum geantwortet hat: „Das ist der Zinseszins.“

Womöglich erscheint Ihnen eine jährliche Rendite von nominal sechs Prozent als zu hoch gegriffen. Im Falle von Anlegern, die sich auf Sparkonten und festverzinsliche Wertpapiere konzentrieren, liegen Sie damit sicher richtig. Der Weltaktienmarkt indes erzielte seit dem Jahr 1900 (!) eine jährliche Rendite von real 5,0 Prozent, sofern die Dividenden reinvestiert wurden. Addiert man dazu die durchschnittliche Inflation von zwei bis drei Prozent, ergibt sich eine nominale jährliche Rendite am Aktienmarkt von sieben bis acht Prozent. Somit haben auch gemischte Depots (Aktien, Anleihen, Gold etc.) langfristig gute Chancen auf attraktive nominale Renditen.

Um das Renditepotenzial auszuschöpfen, sollten Sie unbedingt auch ihren vierten Trumpf ausspielen – und auf möglichst niedrige Kosten bei Wertpapierkauf und -management sowie bei der Depotgebühr achten. All diese Ausgaben nagen an der Endrendite des Anlegers. Wer im obigen Beispiel über 30 Jahre statt eines Indexfonds einen aktiv geführten Fonds kauft, zahlt einen Ausgabeaufschlag von fünf Prozent und jährlich rund ein Prozent mehr an Verwaltungsvergütung. Bei 40 Euro Depotgebühr im Jahr bekommt der Anleger am Ende rund 13.000 Euro weniger raus als mit Indexfonds und kostenlosem Online-Konto – das entspricht dem Wert eines Kleinwagens!

Über den Autor: Lothar Koch

Lothar Koch ist Leiter Portfoliomanagement bei der GSAM + Spee Asset Management AG in Düsseldorf.

Lesetipp der Redaktion: In der Extra-Magazin-Ausgabe August/September 2019 nimmt das Thema Gold eine große Rolle ein.