Die günstigen Alleskönner unter den Fonds

Die günstigen Alleskönner unter den Fonds

Exchange Traded Funds, kurz ETFs, die passiv einen Index abbilden, verzeichnen weiterhin einen enormen Bedeutungsgewinn.

So flossen im ersten Halbjahr 2014 weltweit zwei Drittel der neu in Fonds investierten Gelder in diese Produkte und nur ein Drittel in aktiv gemanagte Fonds. Schon im Jahr 2013 hatte ein ETF es geschafft, sich als nach verwaltetem Vermögen größter Fonds gegenüber der aktiven Konkurrenz zu etablieren. Warum ETFs so beliebt sind, was sie auszeichnet und welche Vor- und Nachteile sie bieten, erklären wir Ihnen in diesem Grundlagenartikel.

Was ist ein ETF?

Ein ETF ist ein börsengehandelter Investmentfonds. Mit einem ETF kauft man ein passiv gemanagtes Produkt, das einen Index präzise abbildet und dabei die Vorteile von Aktien und Indexfonds miteinander verbindet, die jeweiligen Nachteile jedoch außen vor lässt. Durch eine einzige Transaktion können Anleger einen ganzen Korb von Wertpapieren erwerben und so ihr Risiko streuen. Das bedeutet, man kann mit nur einem ETF in den gesamten Markt investieren. Da es ETFs heutzutage auf nahezu alle Bereiche wie einzelne Aktienmarktsektoren, nationale und internationale Aktienindizes oder Rentenindizes gibt, lassen sich markt- beziehungsweise branchenorientierte Anlagestrategien wesentlich einfacher umsetzen. Der erste ETF, wie wir ihn heute kennen, wurde 1993 in den USA aufgelegt: der SPDRs (Standard & Poor’s Depository Receipts). Die Erfolgsgeschichte der ETFs in Europa begann erst sieben Jahre später im Jahr 2000. Damals startete in Deutschland, Großbritannien, der Schweiz und Schweden der ETF-Handel. In Deutschland wurde mit dem XTF-Marktsegment der Deutschen Börse noch im selben Jahr ein eigenes Handelssegment für ETFs geschaffen. Damit war Deutschland der erste europäische Anbieter und konnte eine Vormachtstellung in Europa aufbauen. „Seit Auflage der ersten ETFs in den USA und der europäischen Markteinführung haben die Produkte kontinuierlich an Beliebtheit gewonnen. Im Jahr 2013 existierten weltweit rund 3300 ETFs, die zusammen ein Vermögen von insgesamt mehr als 1,75 Billionen Dollar verwalteten“, resümiert Heike Fürpaß- Peter, Director und Head of Lyxor ETF Public Distribution in Deutschland und Österreich.

Zahlreiche Vorteile

ETFs haben eine sehr übersichtliche und einfache Preisstruktur und gehören zu den kostengünstigsten Anlageprodukten überhaupt. Beim Erwerb über die Börse entfallen Ausgabeaufschläge und Rücknahmegebühren. Darüber hinaus sind keine Sicherheitsleistungen zu hinterlegen. Lediglich eine jährliche, geringe Verwaltungsgebühr und die Transaktionskosten, die der jeweilige Broker oder die jeweilige Bank erheben, fallen an. Die

Peter Scharl klein  

Peter Scharl

stellvertretender Leiter

iShares Deutschland

 

Gesamtkostenquote (TER = Total Expense Ratio) beträgt zwischen teils unter 0,1 Prozent bis hin zu einem Prozent und ist bei allen Anbietern ziemlich ähnlich. „ETFs sind zudem so beliebt, weil im Grunde Privatpersonen zu den gleichen Konditionen wie institutionelle Kunden investieren können, was bei vielen Finanzprodukten nicht selbstverständlich ist“, so Peter Scharl, stellvertretender Leiter iShares Deutschland.

ETFs werden, wie bereits erwähnt, wie eine Aktie gehandelt und weisen auch deren Vorteile auf. So können sie jederzeit ge- und verkauft werden, einschließlich der Möglichkeit, Limit- und Stopp- Loss-Orders zu platzieren. Darüber hinaus erlauben sie Long- und Short-Positionen, den Einsatz von Margin, kleine Handelsgrößen bis zu einem Anteil und eine hohe Transaktionsgeschwindigkeit. Zudem wird die Zusammensetzung eines Fonds täglich veröffentlicht. Dadurch wird die Preisbildung für den Anleger leicht nachvollziehbar, sodass er schneller auf Marktbewegungen reagieren und damit stets die Kontrolle über seine Anlage behalten kann. Die Anteile traditioneller Indexfonds werden hingegen von einer Investment-Gesellschaft ausgegeben beziehungsweise zurückgenommen und nur einmal am Tag berechnet.

Des Weiteren zeichnet sich der ETF-Handel durch seine äußerst geringe Geld-/Brief-Spanne und seine hohe Liquidität aus. Beide entstehen durch die fortlaufend gestellten An- und Verkaufskurse der Market Maker. Weiterhin profitieren Sie mit ETFs von den Dividenden und Zinsausschüttungen des jeweiligen Basiswertes. So werden bei ETFs auf Performance-Indizes die Dividenden reinvestiert und bei Kursindizes die Anteilsinhaber ausgezahlt.

Im Gegensatz zu Index-Zertifikaten, die Inhaberschuldverschreibungen des Emittenten sind, handelt es sich bei ETFs um ein Sondervermögen, das strikt getrennt vom Betriebsvermögen der Verwaltungsgesellschaft verwaltet wird. Aus diesem Grund besteht beim ETF-Trading kein Emittentenrisiko und das Kapital des Anlegers ist genauso sicher wie bei einem Investment in einen herkömmlichen Investmentfonds (beziehungsweise verbleibt nur ein theoretisches Restrisiko).

Der ETF-Markt ermöglicht darüber hinaus den Zugang zu einer völlig neuen Welt. So kann nun auch der Privatanleger in Regionen, Branchen und Themen (wie Emerging Markets, Erneuerbare Energien und so weiter) investieren, die bisher institutionellen Anlegern vorbehalten waren.

Einer der größten Vorteile ist wohl, dass der Investor mit nur einer Transaktion einen ganzen Korb von Wertpapieren erwirbt, der die Wertentwicklung eines Index abbildet. Auf diese Weise kann er ganz einfach in zahlreiche Märkte, Branchen, Themen et cetera investieren und dadurch sein Portfolio stark diversifizieren.

Dank ihrer zahlreichen Vorteile eignen sich ETFs sowohl für Trader als auch für mittel- bis langfristig orientierte Anleger. „Kritik gibt es aber auch, beispielsweise an der Indexkonstruktion – Stichwort: marktkapitalisierte Indizes. Die ETF-Branche Argumente für ETFs sind vor allem ihre Transparenz, Argumente für ETFs sind vor allem ihre Transparenz, Kosteneffizienz, Diversifikation und die hohe Liquidität. arbeitet jedoch intensiv daran, diese durch Smart- Beta-Lösungen zu beheben“, erklärt Bettina May, Senior Client Relationship Manager bei Amundi.

Funktionsweise

Ein ETF ist eine Kombination aus einer Aktie und einem Indexfonds. So können ETFs genau wie Aktien jederzeit während der üblichen Börsenzeiten gehandelt werden. Im Gegensatz zu Aktien sind ETFs jedoch keine Anteile an einem Unternehmen, sondern Anteile an einem Fonds mit einem Portfolio, das die Wertentwicklung eines bestimmten Index möglichst exakt abbildet. Hinsichtlich ihres Marktzugangs funktionieren ETFs wie gewöhnliche

Bettina MAY-klein  

Bettina May, Senior

Client Relationship

Manager bei Amundi

 

Investmentfonds. Jeder ETF bildet einen Index so genau wie möglich ab und bietet eine kostengünstige Möglichkeit, um in diesen Markt zu investieren. So erwerben Sie mit nur einem ETF eine Performance-Beteiligung an mehreren Einzeltiteln. Auf diese Weise können Sie Ihr Risiko auf mehrere Wertpapiere verteilen und streuen. ETFs können aber nicht nur börslich gehandelt werden, sondern auch außerbörslich über Designated Sponsors. Der Designated Sponsor zeichnet je nach Nachfrage die ETFs beziehungsweise gibt sie zurück. Er kauft am Markt die dem Index zugrunde liegenden Wertpapiere und sichert offene Positionen zum Beispiel durch Derivate ab. So kann er jederzeit Wertpapierkörbe gegen ETFs handeln. Dies trägt zur hohen Liquidität und zu fortlaufenden, verbindlichen Kursen mit engen Spreads bei.

Die Emission von ETFs unterscheidet sich allerdings von der von Aktien. Während Aktien von einem Unternehmen im Rahmen eines Börsengangs ausgegeben werden, werden die ETF-Anteile in einem sogenannten „Creation-Redemption- Prozess“ emittiert beziehungsweise zurückgenommen. ETF-Anteile können von autorisierten Teilnehmern wie zum Beispiel institutionellen Handelsabteilungen oder anderen zugelassenen Market Makern gezeichnet werden.

Unterschiede in der Struktur

Eine wichtige Größe im ETF-Handel ist der sogenannte „Tra cking Error“. Er beschreibt die Differenz der Wertentwicklung zwischen einem ETF und seiner Benchmark. Gründe dafür sind, dass manche Aktien aufgrund unterschiedlicher Bestimmungen nicht gekauft werden können, Dividenden in der Realität anders ausgezahlt werden, als der Index sie berechnet, oder sie anders besteuert werden, als der Index annimmt. Um den Tracking Error möglichst gering zu halten, bestehen unterschiedliche Methoden. Thomas Meyer zu Drewer, Geschäftsführer und Head of ComStage ETFs, nennt einen entscheidenden Faktor: „Da eine Abweichung zwischen Benchmark und ETF wesentlich von Kosten bewirkt wird und Kosten über den langfristigen Erfolg einer Anlage entscheiden, betreiben wir unsere Geschäft so effizient wie möglich. Die dadurch erzielten Kostenvorteile geben wir über niedrige Pauschalgebühren der ETFs an Investoren weiter, wie gerade wieder mit Gebührensenkungen.“

Darüber hinaus kommt es auf die Struktur des ETFs an. So gibt es beispielsweise die Möglichkeit, Zusatzerträge zu erzielen, die über Gebühren für den Verleih von Wertpapieren (Securities Lending) aus den ETFs erreicht werden. Andere Anbieter führen sogenannte „Swap-basierte“ ETFs, bei denen der Tracking Error äußerst gering ist. „Da der Tracking Error abhängig von der Replikationsmethode ist, bietet Lyxor für jedes Underlying das optimale Setup mit dem stetigen Ziel eines minimalen Tracking Errors. Eines ist doch klar: Es gibt nicht die eine richtige Methode, einen ETF abzubilden, die für alle Indizes und für alle Märkte ideal ist“, so Heike Fürpaß-Peter.

Damit kommen wir zu den Unterschieden in der Struktur von ETFs. Die zwei grundlegenden ETF-Arten sind 1) voll replizierende ETFs und 2) Swapbasierte ETFs.

Ein voll replizierender ETF kauft in der Regel alle Wertpapiere des zugrunde liegenden Index und hält diese als Fondsvermögen. So findet eine genaue Nachbildung des Index statt. Diese ETFs sind auf sehr liquide Indizes mit leicht zugänglichen Wertpapieren beschränkt und eignen sich am besten für große, nach Marktkapitalisierung gewichtete Indizes.

Nun zu den Swap-basierten ETFs. Ein Swap ist ein Tauschgeschäft zwischen zwei Parteien. Um die genaue Abbildung des Index zu erreichen, geht der Fondsmanager eine Swap-Vereinbarung ein, durch die er die Performance der vom Fonds gehaltenen Wertpapiere gegen die Performance des Index tauscht. Ein Swap-basierter ETF investiert in eine Auswahl von Aktien und lässt sich die Index-Performance über einen Swap von einer Investment-Bank garantieren. Das heißt, Sie investieren in einen Aktien- oder Rentenkorb, der von den im Benchmark-Index enthaltenen Wertpapieren abweicht, aber erhalten über den Swap dennoch die jeweilige Index-Performance.

Anlagestrategien

Da ETFs als kostengünstige und flexible Anlageinstrumente gelten, sind sie ideale Bausteine für die unterschiedlichsten Anlagestrategien – von einfach bis kompliziert. So können sie allein oder in Verbindung mit anderen Produkten oder Einzeltiteln zur Diversifikation des Portfolios eingesetzt werden. Darüber hinaus können ETFs Lücken in Ihrem Portfolio schließen oder Ihnen zu ansonsten schwer erreichbaren Märkten einen kosteneffizienten Zugang bieten. Branchenorientierte ETFs stellen zudem eine schnelle und kostengünstige Möglichkeit für die Implementierung taktischer Strategien wie zum Beispiel der Branchenrotation bereit. Daneben werden Renten-ETFs eingesetzt, um in Erwartung künftiger Zinsbewegungen die Duration und dadurch das Zinsrisiko zu verringern. Eine gewinnbringende und sehr beliebte Strategie ist die sogenannte „Core-Satellite-Strategie“. Bettina May

thomas meyer zu Drewer klein  

Thomas Meyer zu Drewer
Geschäftsführer und Head

of ComStage ETFs

 

erklärt den Ansatz wie folgt: „Beim Core-Satellite-Ansatz wird das Portfolio in ein diversifizierteres risikoärmeres Kerninvestment (Beta-Strategie) und in risikoreichere Satelliteninvestments aufgeteilt. Nachdem ETFs während der letzten Jahre beim Aufbau von Kerninvestments große Beliebtheit erlangten, rücken sie nun auch als Satelliteninvestments stärker in den Fokus. Sie bieten einen flexiblen und kostengünstigen Zugang zu risikoreicheren und spezifischeren Anlageklassen wie zum Beispiel Schwellenländeranleihen oder Aktien der Frontier Markets.“ Der Vorteil dieses Ansatzes liegt darin, dass er auf jede individuelle Risiko/Gewinn-Neigung angewendet werden kann, indem das Verhältnis von Kern- zu Satellitenanteil entsprechend angepasst wird.

 Entwicklung Seit ihrem Start vor 21 Jahren hat sich bei den ETFs einiges getan: Sie haben sich auf der ganzen Welt verbreitet und warten mit immer neuen Produkten, Märkten und Themen auf. Nicht nur in den USA, sondern auch in Europa nimmt die Zahl des in ETFs verwalteten Vermögens stetig zu. Experten erwarten weiterhin kontinuierliches Wachstum des ETF-Marktes mit jährlichen Raten zwischen 20 und 30 Prozent.

Neben den „Standard-ETFs“ stehen dem Anleger seit einigen Jahren auch Short ETFs und UltraShort ETFs zur Verfügung. Short ETFs sind so konstruiert, dass sie steigen, wenn ihre Indizes, die den Benchmarks zugrunde liegen, fallen und umgekehrt. UltraShort ETFs sind darüber hinaus gehebelt und verdoppeln die tägliche – und nur die tägliche – Performance ihrer Indizes. Das bedeutet, wenn der zugrunde liegende Index intraday um ein Prozent fällt, geht der UltraShort ETF um zwei Prozent nach oben und umgekehrt. Diese beiden ETFArten ermöglichen es dem Anleger, die Abwärtsbewegungen in den Märkten ohne die Nachteile des Leerverkaufens mit Margin-Konto und dem Risiko von Nachschussforderungen zu traden.

Waren zunächst nur Standardprodukte auf Standardindizes erhältlich, lassen sich mit ETFs mittlerweile auch Satellitenmärkte abdecken. Dazu gehören Schwellenländer, REITs und Alternative Investments wie Rohstoffe. Aber auch ETFs auf die Standardindizes wie den DAX, den EURO STOXX 50 oder den S&P 500 sind nach wie vor gefragt.