Von Katja Brauchle30. Juni 2022
Die Inflation ist im Juni gesunken - ein gutes Zeichen für die Zukunft?

Die Inflation ist im Juni gesunken – ein gutes Zeichen für die Zukunft?

Wirklich erwartet hatte das wohl niemand. Die Inflation hat in Deutschland in diesem Monat überraschend leicht nachgelassen und lag bei 7,6 Prozent. Was heißt das für den Rest des Jahres?

Im Mai zeigten die Daten des Statistischen Bundesamtes noch eine Inflationsrate von 7,9 Prozent – die höchste Teuerung seit 38 Jahren und Grund zur Besorgnis durch alle Bevölkerungsschichten hindurch. Insbesondere Energie- und Nahrungsmittelpreise gaben Anlass zur Sorge. Daran hatte sich auch im Juni nicht viel geändert – von Mai auf Juni stiegen die Verbraucherpreise den vorläufigen Zahlen zufolge im 0,1 Prozent.

Energiepreise weiter auf Rekordjagd

Entwarnung kann leider nicht gegeben werden. Die Energiepreise sind seit Kriegsbeginn in der Ukraine immer weiter gestiegen und haben Experten zufolge ihren Höhepunkt noch nicht erreicht. Sie sind Haupttreiber der Inflation, gefolgt von Lebensmittelpreisen, die im Juni 2021 12,7 Prozent teurer waren als im Vorjahresmonat.

Die Verbraucherzentrale in Hessen fordert inzwischen die Politik dazu auf, Energiesperren gesetzlich zu verbieten, weil sie befürchtet, dass viele Verbraucherinnen und Verbraucher nicht mehr in der Lage sein werden, ihre Rechnungen zu bezahlen und dadurch Schulden aufbauen werden – oder ihnen schlussendlich der Strom abgestellt werden muss. Auch andernorts sind die Befürchtungen ähnlich.

Kein Signal zur Trendwende

Ein wirklicher Grund zur Freude ist die etwas kleiner ausgefallene Inflationsrate im Juni laut Experten nicht, denn sie bedeutet nicht den Wendepunkt. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, bemerkte gegenüber dem SPIEGEL, dass im Juni etwa der Tankrabatt und das 9-Euro-Ticket wirkten, die die Inflation fast um drei Viertel Prozentpunkte gesenkt hat. Sobald diese Faktoren wegfallen, würde die Inflation wieder ansteigen.

Deutsche reagieren bei Geldanlage kaum auf Inflation

Verbraucherinnen und Verbraucher wollen sich laut einer Umfrage des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung insbesondere bei Nahrungs- und Genussmittel einschränken. 39 Prozent wollen weniger, 10 Prozent sogar bedeutend weniger kaufen. Dagegen reagieren viele Deutsche bei ihrer Geldanlage noch immer kaum auf die Ereignisse.

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Eine Umfrage des GfK, durchgeführt im Auftrag der RWB PrivateCapital Emissionshaus AG (RWB), zeigt, dass nur 20,3 Prozent der befragten Teilnehmerinnen und Teilnehmer planen, aufgrund der Inflation ihr Anlageverhalten anzupassen. 61,4 Prozent sehen keinen Grund, etwas an ihrer derzeitigen Strategie zu ändern. Aber: Dieselbe Studie zeigt auch, dass viele Befragte nicht wissen, wie sie Vermögen aufbauen können. Nur 19,1 Prozent der Befragten hält eine langfristige Geldanlage für einen wichtigen Schlüssel. Fast ein Viertel hingegen gab an, nicht zu wissen, wie sie ihr Vermögen positiv beeinflussen könnten.