Von Thomas Brummer4. Februar 2022
Die jüngsten Kursrückgänge sind kein Grund, das Risiko im Portfolio zu senken.

Die jüngsten Kursrückgänge sind kein Grund, das Risiko im Portfolio zu senken

Die Aktienkurse gingen in den vergangenen Wochen spürbar nach unten. UBS-Experten raten beim Portfolio ganz klar: Bleib auf dem Gaspedal.

Mit den steigenden Anleiherenditen haben die Aktienkurse im neuen Jahr gelitten. „Wir haben allerdings keinen Grund zur Annahme, dass sich die Story der positiven Unternehmensgewinne und des wirtschaftlichen Wachstums für dieses Jahr abgeschwächt hat“, sagt Evan Brown, Head of Multi Asset Strategy bei UBS Asset Management. Er sieht keinen Anlass, Risiken in den Portfolios herunterzufahren. Im Gegenteil: In einigen Portfolios wurde das Risiko während des Kurseinbruchs sogar vorsichtig erhöht.

Portfolio: Das Umfeld stimmt weiterhin

Kennziffern für die Fertigungsaktivität haben zuletzt positiv überrascht. Vieles deutet zudem darauf hin, dass China seine Geld- und Fiskalpolitik lockert, um die Wirtschaft zu stabilisieren. Aktienbewertungen in Europa und Japan sind jetzt günstiger als vor der Pandemie. Alle Indikatoren für eine gedrückte Anlegerstimmung haben ein Niveau erreicht, das eine bevorstehende Erholung andeutet.

Beate Meyer, Head of Wholesale, UBS Asset Management (Deutschland), sagt: „Zweifelsohne hält das Jahr 2022 für Investoren Überraschungen bereit. Es wird wesentlich volatiler als 2021 laufen, hinzu kommen zwei wesentliche Aspekte, die für Unsicherheiten sorgen werden: Zum einen die weitere Entwicklung der Pandemie und zum anderen die Bedenken in Bezug auf die drohende Eskalation des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine. Was auf der Aktienseite allerdings noch nicht komplett eingepreist ist, sind die sehr soliden Unternehmensgewinne. Deshalb ist es gerade in der jetzigen Phase wichtig, auf aktives Management und Stock-Picking zu setzen. Es gibt auf der einen Seite die Volatilität, die durch die Märkte ‚rauscht‘, und auf der anderen Seite die stabilen Bilanzen von vielen Unternehmen, die es zu identifizieren und in die es zu investieren gilt.“

USA haben stärker gelitten als Europa und Japan

Aus regionaler Sicht haben US-Aktien stärker gelitten als die Märkte in Europa, Großbritannien und Japan. „Wir bevorzugen bereits seit geraumer Zeit Industrieländer außerhalb der USA, da sie günstiger sind und weniger anfällig bei sinkenden Aktienbewertungen“, sagt Brown und erklärt: „Auf Sektorbasis hat Energie, einer der von uns favorisierten Sektoren, wieder seinen Wert als nützlicher Diversifikator im Portfolio bewiesen, wenn Aktien und Anleihen gleichzeitig fallen. Auch jetzt ist der Sektor noch sehr attraktiv.“

„Zudem ist der überaus interessante Sektor Healthcare (Gesundheitswesen) hervorzuheben – neben den großen Investment-Trends in Sektoren, die sich mit den Themen Urbanisierung, Alterung der Gesellschaft und Digitalisierung auseinandersetzen. Aktuell ist es besonders wichtig, das Portfolio nicht allein Benchmark-orientiert aufzustellen, sondern Alpha-Strategien mit aktivem Management in den Vordergrund zu heben,“ ergänzt Beate Meyer.

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Inflationsdaten dürften weiterhin für Volatilität sorgen

„Der Ausverkauf an den Märkten ist kein Signal, dass Anleger ein länger anhaltendes Schwächeln des globalen Wachstums einpreisen“, ist Brown überzeugt. Die treibende Kraft hinter den Kursrückgängen an den Aktienmärkten ist vielmehr der Anstieg der realen Anleiherenditen in den USA zusammen mit einer Normalisierung der US-Notenbank-Bilanz sowie erwarteten Zinserhöhungen. Fed-Chef Jerome Powell hat klar gemacht, dass die Toleranz der Notenbank für weitere Überraschungen durch steigende Inflationszahlen verebbt ist. „Der Markt dürfte daher in den nächsten Wochen sehr stark auf Daten rund ums Thema Inflation reagieren. Erhöhte Marktvolatilität ist zu erwarten“, warnt Brown.

Zwar sei Demut bei der Bewertung der Inflationsaussichten geboten, Brown bleibt aber äußerst zuversichtlich, dass 2022 das Wirtschaftswachstum über dem Trend liegt und die Unternehmensgewinne keinen Grund zur Sorge bereiten. Brown: „Wir bleiben bei unserer Positionierung mit Fokus auf Regionen und Sektoren, die von einer überdurchschnittlichen wirtschaftlichen Aktivität profitieren, auch wenn die geldpolitischen und fiskalischen Anreize dahinschwinden.“

Beate Meyer ergänzt: „Politische Unsicherheiten bringen die gesamten Märkte zum Schwanken, aber Unternehmen mit guten Bilanzen und Geschäftsideen gehen aus diesen Phasen langfristig gestärkt heraus. 2022 wird ein Jahr der Volatilität, aber genau diese Situation bietet auch interessante Einstiegsmöglichkeiten.“

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