26. August 2022
Diese fünf digitalen Investment-Strategien bieten Robo-Advisors

Diese fünf digitalen Investment-Strategien bieten Robo-Advisors

Die Angebote der digitalen Vermögensverwalter sind äußerst divers. Große Unterschiede gibt es insbesondere bei den Anlagestrategien. Wir stellen fünf grundsätzliche Investment-Strategien vor – und erklären, was es damit auf sich hat.

Digitale Vermögensverwalter gehen sehr unterschiedlich vor. Robo-Advisor ist nicht gleich Robo-Advisor. Wir haben daher die einzelnen Angebote der Anbieter unter die Lupe genommen und versucht, die Strategien möglichst sinnvoll zu kategorisieren. Auch wenn eine eindeutige Kategorisierung nur schwer möglich ist, da sich die Anlagestrategien teilweise untereinander vermischen oder die Anbieter verschiedene Modelle anbieten, haben wir fünf Kriterien herausgearbeitet und beleuchten diese Anlagestrategien anhand bekannter Robo-Advisors. Diese Einstufungen sind also nicht in Stein gemeißelt, sondern sollen nur eine grobe Einordnung ermöglichen. Ziel ist es, dir eine Hilfestellung zu geben, um den passenden Anbieter finden zu können.

Passive Anlagestrategie

Ein typischer Vertreter in dieser Kategorie ist Easyfolio * mit seinen drei Anlagestrategien: Easyfolio 30, 50, 70. Die Zahlen entsprechen der jeweiligen Gewichtung von Aktien im Portfolio, der Rest entfällt auf Anleihen. Die prozentuale Verteilung der einzelnen Regionen im Aktienanteil erfolgt entsprechend der wirtschaftlichen Bedeutung (BIP) für die weltweite Wertschöpfung. Jedes Portfolio umfasst 10 bis 18 ETFs. Quartalsweise erfolgt ein Rebalancing an die festgelegte Gewichtung. Auf Market-Timing wird bewusst verzichtet.

Growney * setzt ebenfalls auf die Gewichtung nach BIP. Angeboten werden die fünf Anlageportfolios Grow 20, 30, 50, 70 und 100. Auch hier drückt die Zahl den jeweiligen prozentualen Aktienanteil im Portfolio aus. Investiert wird in rund 5.000 Aktien aus mehr als 45 Staaten. Zudem wird in Unternehmensanleihen sowie Investment-Grade-Staatsanleihen aus dem Euroraum investiert. Jedes Portfolio besteht aus sechs bis acht ETFs. Bei größeren Abweichungen erfolgt ein Rebalancing. Zudem werden die Gewichtungen der Aktien und Anleihen regelmäßig überwacht und gegebenenfalls angepasst, so dass diese Anlagestrategie schon semiaktive Züge trägt.

Raisin Invest * bietet nach diesem Vorbild vier Portfolios mit den Aktienquoten 30, 50, 70 und 100 Prozent an. Die Gewichtung erfolgt zur Hälfte nach Marktkapitalisierung. Abgebildet werden die jeweiligen Märkte jeweils mit Vanguard-ETFs. Als zusätzliche Komponente enthalten die Portfolios auch Aktien kleinerer mittelständischer Unternehmen, um damit eine Überrendite erzielen zu können.

Semiaktiv ohne Prognose

Typische Vertreter für semiaktive Anlagelösungen sind die fünf angebotenen Fintego *-Portfolios. Je nach gewähltem Risiko schwankt der Aktienanteil zwischen 10 und 90 Prozent. Investiert wird entsprechend des Risikoprofils in Aktien (global und Schwellenländer), Staatsanleihen und Unternehmensanleihen (Europa) sowie Rohstoffe. Anders als bei der statischen Form wird eine Obergrenze für Abweichungen eingebaut. Bei einer 15-prozentigen Abweichung von der ursprünglichen Gewichtung erfolgt ein Rebalancing.

Der Anbieter Quirion * bietet inzwischen 74 verschiedene Portfolios an. Neben verschiedenen Risikoprofilen sind auch Altersvorsorge- und Nachhaltigkeits-Anlagestrategien im Angebot. Investiert wird in Aktien und Anleihen, wobei die Gewichtung der Aktienkomponente je nach gewähltem Risikoprofil zwischen 10 und 100 Prozent schwankt. Durch die Beimischung von Value-Aktien und Small Caps soll der Markt übertroffen werden. Bei einer zehnprozentigen Abweichung von der gewählten Ursprungsgewichtung erfolgt auch hier automatisch ein Rebalancing.

Liqid * ist mit einem Mindestanlagevolumen von 100.000 Euro eher für besser Betuchte geeignet. Investiert wird dabei in ETFs auf Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Gold und den Geldmarkt. Angeboten werden drei Anlagestile (passiv, aktiv, nachhaltig) mit jeweils zehn verschiedenen Risikoklassen. Neben regelmäßigen Rebalancings erfolgt eine Wiederanpassung an die ursprüngliche Gewichtung bei Über- bzw. Unterschreitung bestimmter Schwellenwerte.

Semiaktiv mit Prognose

Die Openbank setzt auf ein breit gestreutes Portfolio aus insgesamt 25 Anlageklassen, die Teil von vier Hauptklassen sind: Geldmarkt, Anleihen, Aktien und Realvermögen. Die Aktienregionen sind: Europa, Nordamerika, Japan, Asien-Pazifik und Schwellenländer. Die Betreiber investieren in Indexfonds und auch aktiv gemanagte Investmentfonds mit ESG-Ansatz. Das bedeutet, dass das Thema Nachhaltigkeit berücksichtigt wird. Die Ausprägung hängt von der Strategie ab. Zuletzt lag der ESG-Anteil je nach Strategie bei mindestens 67,8 Prozent. Es werden Kunden angesprochen, die eine sehr aktive Kontrolle durch ein Expertengremium wünschen.

Tipp: Hier findest du unseren großen Vergleich der Angebote aller wichtigen Robo-Advisors in Deutschland.

Aktiv ohne Prognose

Bei Ginmon * können die Anleger in zehn verschiedene Risikoprofile investieren. Die Aktienquote liegt zwischen 10 und 100 Prozent. Risikoorientiertere Portfolios gestatten eine höhere Gewichtung von Schwellenländer-Aktien, Small Caps und Value-Aktien. Die Anzahl der Positionen im Portfolio beträgt 9 bis 13 ETFs. Das steueroptimierte Rebalancing findet bei jeder Einzahlung, Zins- und Dividendenzahlung statt. Ein Full-Rebalancing wird automatisch durchgeführt, wenn ein Portfoliobaustein zehn Prozent von der Zielallokation abweicht.

Aktiv mit Prognose

Bei Cominvest * können Anleger zwischen den fünf Strategien „Ertrag“, „Balance“, „Wachstum“, „Dynamik“ und „Chance“ (auch nachhaltig) wählen. Die Strategien unterscheiden sich jeweils nach der zulässigen Schwankungsbreite (Volatilität). Diese beträgt zwischen 4 (Ertrag) und 20 Prozent (Chance). Investiert wird je nach Risikoprofil in Aktien und Anleihen der verschiedensten Anlageregionen sowie in Rohstoffe und Edelmetalle. Alle 16 Wochen erfolgt eine Überprüfung der Rendite-Risiko-Erwartung der einzelnen Anlageklassen und gegebenenfalls eine Optimierung der Portfolios, die neben ETFs und ETCs auch aktive Fonds umfassen. Die Strategien werden übrigens seit Februar 2022 auch mit nachhaltigem Fokus angeboten.

Ein aktives Risiko-Management mit rund 100 jährlichen Transaktionen pro Depot erfolgt bei Scalable Capital *. Angeboten werden 23 Risikokategorien mit jeweils 13 bis 17 ETFs aus allen wichtigen Anlageklassen. Das aktive Management erfolgt anhand der Risiko-Kennzahl Value-at-Risk (VaR). Anleger können dabei zwischen einem VaR von 3 bis 25 Prozent wählen. Im Rahmen eines dynamischen Risikomanagements wird jedes Kundenportfolio täglich überprüft, ob es im vom Kunden festgelegten Risikokorridor liegt. Je nachdem, in welche Richtung eine Verletzung der Risikovorgabe droht, wird in risikoreichere oder risikoärmere Anlageklassen umgeschichtet.

Aktiv gemanagt durch das Investment-Team von HQ Trust ist die Strategie Liqid Select. In hocheffizienten Märkten (z. B. Europa, Japan, USA) wird in ETFs investiert, in weniger effizienten Märkten werden aktive Fondsmanager mit aussichtsreichen Anlagestrategien identifiziert.

Das Anlagekonzept von Visualvest * basiert auf einer Kombination aus Mensch und Maschine. Der Robo-Advisor bietet Anlagestrategien für sieben unterschiedliche Risikoklassen an (konventionell und nachhaltig). Ingesamt gibt es also 14 Strategien. Die sogenannten Vestfolios bestehen aus ETFs oder aktiv verwalteten Fonds. Die Fondsauswahl erfolgt über einen mehrschichtigen Bewertungsprozess anhand strenger Qualitätskriterien. Bei der Zusammenstellung der Portfolios bedient sich das Expertenteam von Visualvest und Union Investment wissenschaftlich fundierter Portfoliotheorien. Ausgangspunkt der Portfolio-Zusammenstellungen ist der Risikogedanke. Dem Risk-Parity-Ansatz folgend werden die Portfolios gestaltet. Die Vestfolios bestehen aus den vier Hauptanlageklassen Aktien, Anleihen, Rohstoffe und Geldmarkt, die sich zur stärkeren Diversifikation in bis zu neun Unteranlageklassen aufteilen.

Auch Fidelity Wealth Expert bietet sieben verschiedene Anlagestrategien unterschiedlicher Risiko-Rendite-Profile ab einem Mindestvolumen in Höhe von 5.000 Euro an. Investiert wird dabei in aktiv verwaltete Fonds der weltweit besten Asset-Manager. Die Auswahl der Manager erfolgt nach dem strengen Manager-of-Manager-Research-Prozess von Fidelity Multi Asset. Jede Anlagestrategie umfasst acht bis zehn Fonds. Die Portfolios werden täglich überwacht und gegebenenfalls entsprechend optimiert.