Von Timo Baudzus11. Februar 2022
Ein neuer ETF auf meiner Watchlist

Dieser exotische ETF steht jetzt ganz oben auf meiner Watchlist

Auf meiner persönlichen Watchlist gibt es einen Neuzugang. Ich habe einen Index identifiziert, dem ich in den kommenden Monaten Turnaround-Potenzial zutraue. Hier erfährst du meine Gedankengänge. 

In unserer Facebook-Gruppe „ETF-Strategie by extraETF“ mit über 50.000 Mitgliedern begegnet uns vor allem eine Frage sehr oft: „Was haltet ihr von diesem ETF? Ich überlege hier zu investieren?“ Die Frage ist sinnvoll. Wenn man sich nicht sicher ist, kann es bereichernd sein, die Schwarmintelligenz von erfahrenen Investoren anzuzapfen und ein diversifiziertes Stimmungsbild zu erhalten. 

Ich möchte mit diesem Beitrag einmal zeigen, wie ich selbst vorgehe, um die Frage nach einem potenziellen Anlageziel zu beantworten. Zugleich verknüpfe ich dies mit einer aus meiner Sicht fundierten Einschätzung, warum ich einen bestimmten ETF ganz oben auf meine Watchlist gesetzt habe. 

Zunächst zu den allgemeinen Rahmenbedingungen: Anlagehorizont, Anlagezweck und Risikoprofil setze ich als Grundbedingung voraus. Zudem sollte man sich bereits Gedanken darüber gemacht haben, ob man in einer Summe oder per Sparplan investieren möchte. Sein individuelles Risikoprofil kann man mühelos innerhalb weniger Klicks mit dem Risikokapazitätsrechner von extraETF ermitteln. Ich selbst bin ein risikoaffiner Investor mit mindestens 20 Jahren Anlagehorizont und 100-prozentiger Aktienquote. 

Grundlegendes zu meiner Strategie

Ich selbst habe aktuell eine Cash-Position, die ich gerne investieren möchte. Über den Zeithorizont bin ich mir noch nicht im Klaren. Höchstwahrscheinlich würde ich eher auf einen kurz- bis mittelfristigen Zeithorizont von maximal zwei Jahren setzen. Denn ich investiere über die sogenannte Core-Satellite-Strategie. Ich halte in meinem Kernportfolio ETF-Positionen, die ich zum Teil auch bespare. In meinem Satelliten-Depot halte ich auch Einzelaktien und mische ab und zu einen ETF bei. Die Investments in meinem Satelliten-Portfolio können wenige Wochen bis zu zwei Jahre in meinem Depot verbleiben. Aktuell habe ich ein Untergewicht von Schwellenländern in meinem Gesamtportfolio und ein deutliches Übergewicht von US-amerikanischen Aktien.

Dies ist die Ausgangsbasis meiner Überlegungen. Viele Anleger gehen oft wie folgt vor: Sie ziehen das Wirtschaftswachstum einer Volkswirtschaft heran und argumentieren, das BIP eines Landes oder einer Region würde Aufschluss darüber geben, wie stark man einen Aktienmarkt in seinem Portfolio gewichten müsste. Darüber gibt es übrigens Untersuchungen, die besagen, dass die Wirtschaftsleistung eines Landes rein gar nichts über die Entwicklung der jeweiligen Kapitalmärkte aussagt. Insofern ist dies nicht mein Denkansatz. Ich orientiere mich vielmehr an den Indizes selbst. 

Diesen Index finde ich aktuell interessant

Aktuell habe ich einen Index ausgemacht, den ich als Investitionsobjekt sehr spannend finde: den Hang Seng Index. Dieser ist einer der wichtigsten Indizes in Asien und bildet die 50 wertvollsten Konzerne ab, die an der Börse Hongkong gelistet sind. Dazu gehören übrigens Großkonzerne wie Tencent, Alibaba, BYD, Xiaomi oder HSBC

China-Aktien sind im vergangenen Jahr stark abgestraft worden. Alibaba hat sich mehr als halbiert, andere Werte hat es ebenso in den Keller gezogen. Der Grund: Die Kommunistische Partei hat die Muskeln spielen lassen und tiefgreifende Regulierungen angekündigt, zum Teil auch schon umgesetzt. Zum anderen wurden Fehlentwicklungen auf dem chinesischen Immobilienmarkt offenkundig, der Konzern Evergrande kämpft immer noch gegen eine mögliche Insolvenz. Es wurden massive Überkapazitäten (Stichwort: Geisterstädte) aufgebaut, viele Firmen in China sind sehr hoch verschuldet. 

Tipp: Hier findest du eine vielfältige Auswahl von Musterportfolios zum Nachbauen.

Dennoch könnte sich das Blatt bald wenden. Viele chinesische Aktien sind im Vergleich zu Tech-Werten aus den USA sehr günstig bewertet. Selbst nach dem Tech-Crash sind viele US-Titel aus der zweiten und dritten Reihe des Nasdaq noch extrem teuer, was sich anhand von Kennzahlen wie dem KGV, KUV oder KCV festmachen lässt. Das sieht im Hang Seng Index anders aus. Die bereits angesprochene Alibaba-Aktie ist aktuell dermaßen günstig bewertet, dass ein Kult-Investor wie Charlie Munger 20 Prozent seines Portfolios in diese investiert hat. 

Ob das sinnvoll ist, sei dahingestellt. Fakt ist aber, dass der Hang Seng Index durchaus Chancen birgt. Einerseits hat die chinesische Notenbank die Leitzinsen gesenkt und hätte in weiteren volkswirtschaftlichen Schwächephasen noch weiteren Spielraum nach unten, andererseits ist die Inflation in China auch aktuell auf sehr moderatem Niveau. Zudem ist in den aktuellen Börsenkursen ein Großteil des (durchaus vorhandenen) politischen Risikos bereits eingepreist.

Ob die Bodenbildung in China tatsächlich abgeschlossen ist, lässt sich freilich nicht eindeutig beantworten. Ich halte jedoch eine Turnaround-Wette mit einem kleinen Teil meines liquiden Vermögens für vertretbar. Dies stellt übrigens keine Anlageberatung und keine Kaufempfehlung dar

Tipp: Mit dem extraETF Finanzmanager kannst du deine Investments analysieren und dein Vermögen an einem Ort überwachen – einfach, schnell und sicher.

Der ETF auf meiner Watchlist

Aus den skizzierten Gründen überlege ich, eine Position in dem Lyxor Hong Kong (HSI) ETF (WKN: LYX013 ) aufzubauen. Der ETF, der zur Zeit ganz oben auf meiner Watchlist steht, bildet den Index synthetisch ab und kostet effektiv (also hinsichtlich der Tracking Difference) 0,8 Prozent. Das zumindest war die durchschnittliche Abbildungsdifferenz zum Index in den vergangenen Jahren. Der ETF selbst kostet 0,65 Prozent pro Jahr. Den ETF würde ich maximal mit einer mittleren vierstelligen Summe kaufen. 

Das neue Extra-Magazin
Das neue Extra-Magazin jetzt bei uns im Shop kaufen.