Dieses ETF-Portfolio hat sich in nur acht Jahren verdoppelt

Nur mit Einzelaktien kann man sein Geld rasch vermehren? Ein Trugschluss. Wir zeigen Ihnen ein ETF-Portfolio, das Ihr Kapital in den vergangenen acht Jahren verdoppelt hätte.

Kennen Sie die 72er-Regel? Die mathematische Herleitung ist kompliziert, die Funktionsweise schnell erklärt. Teilen Sie 72 durch die Rendite Ihrer Geldanlage, dann wissen Sie, wie lange Ihre Investments brauchen, um Ihren Anlagebetrag zu verdoppeln.Bei einer Rendite von sechs Prozent pro Jahr wären das72:6 =12,  also 12 Jahre, bis aus 10.000 Euro stolze 20.000 Euro werden.

Wir haben in unseren ETF-Musterportfolios nach einer Strategie gesucht, mit der Sie in den letzten Jahren Ihr Geld verdoppelt hätten – und sind beim sogenannten Pantoffel-Portfolio fündig geworden. 

Pantoffel-Portfolio im Profil

Das Pantoffel-Portfolio von Finanztest verdient seinen Namen, weil es wirklich bequem und einfach zu strukturieren ist – also ideal für Einsteiger. In seiner Grundform besteht es aus einem ETF auf den Weltaktienindex MSCI World und einem Zinsbaustein. Der Zinsbaustein kann entweder aus Tagesgeld oder Anleihen-ETFs bestehen. In unserem Musterportfolio haben wir auch einen breit gestreuten, deutschen Aktien-ETF berücksichtigt. Das Pantoffel-Portfolio gibt es in drei Ausprägungen: ausgewogen, defensiv und offensiv. Hier wird die offensive Variante dargestellt. 

Die Aufteilung der offensiven Variante:

  • 15 Prozent deutsche Aktien
  • 60 Prozent Aktien aus Industrieländern weltweit (MSCI World)
  • 25 Prozent europäische Anleihen

Seit seiner Auflage in 2012 hat das offensive Pantoffel-Portfolio eine durchschnittliche Rendite von 9,7 Prozent pro Jahr erzielt. Konservativ wie wir sind, runden wir den Betrag ab auf 9 Prozent. Wie lange braucht man mit dieser Rendite, um sein Kapital zu verdoppeln?

Tipp: Hier finden Sie eine vielfältige Auswahl von Musterportfolios zum Nachbauen.

Erinnern Sie sich noch an die 72er-Regel? Wenn wir 72 durch 9 teilen, erhalten wir 8 und das bedeutet, dass Sie mit dem Pantoffel-Portfolio ihr Vermögen in den letzten acht Jahren verdoppelt hätten. Das ist beeindruckend. Die Performance ist natürlich abhängig von der Aktienquote, welche in diesem Fall bei 75Prozent liegt.

Die Vorteile dieser Strategie sind neben der Einfachheit die unschlagbar niedrigen Kosten von ETFs. Anstatt sich ein breites Aktienportfolio über Einzelinvestments aufzubauen, investieren Sie mit nur einem ETF in die wichtigsten Unternehmen der Welt.

Wie gut ist die Diversifikation?

Die Performance ist ohne Zweifel beeindruckend. Ob ein MSCI-World-ETF ausreicht für den langfristigen Vermögensaufbau, ist häufig Teil kontroverser Diskussionen. Aus meiner Sicht sind Aktien die wichtigsten Anlageklasse für den langfristigen Vermögensaufbau. Der MSCI World investiert in die global wichtigsten Unternehmen. Der US-Fokus (65 Prozent) sollte nicht überbewertet werden, da die meisten Unternehmen international breit aufgestellt sind.

Der Index enthält per Definition stets die besten Unternehmen (aktuell ca. 1.600). Gute scheiden aus dem Index aus, aufstrebende Unternehmen gewinnen an Gewichtung. Neue Trends und Branchenveränderungen spiegeln sich unmittelbar in der Portfolioallokation wieder. Die Schwankungsbreite ist größer als bei einem Portfolio, in dem weitere Anlageklassen wie Immobilien, Rohstoffe, Gold und weitere Regionen enthalten sind. Diversifikation muss jedoch relativ betrachtet werden und ist subjektiv.

Was ich jedoch vermisse, sind Schwellenländer. Hier könnten Sie sich überlegen, ob Sie anstatt den MSCI World den MSCI World ACWI nehmen.

Tipp: Mit den Tools und Funktionalitäten von extraETF haben Sie Ihr Depot stets im Blick und können es perfekt analysieren.

Für wen ist das Pantoffel-Portfolio geeignet?

Das Pantoffel-Portfolio eignet sich für Anleger mit einem langfristigen Anlagehorizont. Dadurch, dass Anleihen neben Aktien die einzige Anlageklasse darstellen, sind höhere Schwankungen je nach Gewichtung realistisch. Im Vergleich zum Weltportfolio von Gerd Kommer wird das Verlustrisiko nicht durch weitere Anlageklassen eingedämpft.

Die wichtigste Entscheidung, die Sie als Anleger treffen müssen ist demnach die Gewichtung. Je höher die Aktienquote, desto höher das Risiko. Weitere Anlageklassen sind für den langfristigen Vermögensaufbau nicht zwingend notwendig. Das Portfolio-Modell beruht auf dem Prinzip der Einfachheit. Schwankungen werden zwar größer sein, aber wer langfristig orientiert investiert, ist zweifelsohne besser gestellt, als wenn Sie das Geld auf dem Sparbuch parken. Dort wird sich Ihr Kapital sicher nicht verdoppeln.

Nichtsdestotrotz empfehle ich Privatanlegern einen Immobilien- und Rohstoff ETF hinzu zu nehmen, da niedrige Schwankungen einen positiven psychologischen Effekt haben. Gerade in turbulenten Phasen wirken diese Vorteile wahre Wunder.

Kapital mit ETFs verdoppelt 

Der Vorteil des Portfolios: Es ist einfach umzusetzen. Der Nachteil: Es bringt aufgrund der Einfachheit mehr Schwankungen mit sich, was nicht zu jedem Anlegertypen passt. Für den Einstieg in den Vermögensaufbau ist die Strategie ausreichend. Mit steigendem Vermögen halte ich eine Ergänzung um weitere Anlageklassen in jedem Fall sinnvoll, um die Volatilität zu dämpfen. Jedoch zeigt das Portfolio auch: Das Kapital hat sich in relativ kurzer Zeit verdoppelt.

So wirkt die 72er-Regel

Mit der 72er-Regel lässt sich in etwa abschätzen, wie lange es dauert, bis sich ein bestimmter Geldbetrag verdoppelt.
Zinssatz in %Anlagedauer in Jahren
Quelle: extraETF.com
172,0
236,0
324,0
418,0
514,4
612,0
710,3
89,0
98,0
107,2
116,5
126,0
135,5
145,1
154,8