Ein ETF-Wechsel lohnt sich nur, wenn…

Das Angebot an ETFs wird immer breiter. Manchmal erscheinen neue Produkte günstiger. Wann lohnt sich ein ETF-Wechsel?

ETFs werden immer beliebter – das führt logischerweise dazu, dass auch die durchschnittlichen Gesamtkosten (TER) stetig sinken. Das gestiegene Anlagevolumen in Kombination mit dem intensiven Wettbewerb zwischen den einzelnen ETF-Anbietern treibt den Preiskampf an. Mittlerweile können Anleger bereits mit einer TER von nur 0,12 Prozent in einen SPDR MSCI-World-ETF investieren.

Mich erreicht in letzter Zeit immer öfter die Frage, ob sich denn aufgrund dieser Entwicklung ein Wechsel des ETFs lohnt. Was zunächst einmal nach einer klaren Angelegenheit klingt, ist gar nicht so leicht zu beantworten. Ein ETF-Wechsel bringt nämlich auch Nachteile mit sich.

Warum überhaupt ein ETF-Wechsel?

Die durchschnittlichen Kosten eines ETFs (also seine sog. TER) sinken seit Jahren. Einen ETF auf den MSCI-World können Sie bereits ab 0,12 Prozent TER kaufen (SPDR). Die Tendenz bleibt – auch in den kommenden Jahren sollen Indexfonds günstiger werden.

Den MSCI-World-ETF gibt es aber auch für 0,50 Prozent und hier stellt sich Privatanlegern berechtigterweise die Frage, ob und wann sich ein Wechsel lohnt. Gerade bei größeren Vermögen kann ein Wechsel auf den ersten Blick als vorteilhaft erscheinen. Eine TER-Differenz von 0,38 Prozent (0,50 – 0,12 Prozent) macht bei 10.000 Euro einen Unterschied von 38 Euro im Jahr aus. Bei dieser Berechnung wird jedoch ein ganz wichtiger Faktor außen vor gelassen – die Steuern.

Denken Sie an den Steuerstundungseffekt!

Beim Wechsel des ETFs entstehen Transaktionskosten und die Kapitalertragssteuer auf die aktuellen Kursgewinne wird fällig. Das kann sich dramatisch auf Ihren Vermögensaufbau auswirken, denn durch die Reduzierung Ihres Anlagebetrages um den Kapitalertragssteuersatz bremsen das Wachstum. Das Geld kann durch die Zahlung an den Fiskus in dieser Zeit nicht mehr für Sie arbeiten.

Tipp: Nutzen Sie vor dem ETF-Wechsel auf jeden Fall die ETF-Suche.

Experten bezeichnen das auch als Steuerstundungseffekt. Das kann selbst bei größeren TER-Differenzen dazu führen, dass ein Wechseln unter Umständen nicht lohnenswert ist. Warum, das so ist, zeige ich Ihnen im nachfolgenden Beispiel.

Konkretes Beispiel

Angenommen Sie sind in ETF A (TER=0,48 Prozent) investiert und überlegen zum neuen ETF B (TER=0,15 Prozent) zu wechseln. Ihr aktuell angelegtes Vermögen beträgt 20.000 Euro bei Kursgewinnen von 3.000 Euro. Die Transaktionskosten belaufen sich auf fünf Euro (je Kauf und Verkauf). Für die erwartete Rendite nehmen wir fünf Prozent pro Jahr an. Da Sie da Geld für Ihre Altersvorsorge planen, rechnen wir mit einer erwarteten Anlagedauer von 30 Jahren.

Jetzt wird es spannend: Nach neun Jahren hätten Sie die Kosten des Wechsels (inkl. Steuern) ausgeglichen. Diese belaufen sich auf 590 Euro (10 Euro Transaktionsgebühren und 580 Euro Kapitalertragssteuer). Mit dieser Rechnung haben wir den sogenannten Break-Even Punkt berechnet. Im nächsten Schritt berücksichtigen wir weiterhin den Steuerstundungseffekt. Durch den Wechsel sparen Sie in 30 Jahren 7.472 Euro an TER. Zwar verlieren Sie durch die frühzeitige Steuerzahlung 1.632 Euro – in Summe bleibt jedoch ein Gewinn von 5.812 Euro nach 30 Jahren.

Tipp: Schließen Sie sich über 30.000 Anlegern an und informieren Sie sich mit der extraETF App jederzeit mobil über ETFs, Aktien und Fonds. Erhältlich für Android und iOS!

Was passiert jedoch, wenn wir bei gleichbleibendem Anlagebetrag den Anteil der Kursgewinne erhöhen? Im vorherigen Beispiel sind wir davon ausgegangen, dass 3.000 Euro Kursgewinne vorliegen. Lägen diese jetzt bei 10.000 Euro würde sich ein Wechsel erst nach 25 Jahren lohnen (Break-Even-Punkt) und nach 30 Jahren hätte Sie einen Wechselgewinn von „nur“ 702 Euro erzielt. Da Sie mit einem Anlagehorizont von 30 Jahren planen, lohnt sich auch hier noch der Wechsel aber es zeigt, wie groß der steuerliche Einfluss sein kann.

Liegt Ihr Anlagehorizont z.B. nur noch bei zehn Jahren, dann machen Sie durch einen Wechsel sogar einen Verlust von rund 400 Euro. Und wenn wir die TER-Differenz auf 0,15 Prozent senken, dann verlieren Sie in diesem Fall durch den Wechsel sogar 996 Euro nach zehn Jahren.

Folgende Faktoren begünstigen einen Wechsel:

  • Geringe Kursgewinne
  • Hohe TER-Differenz
  • Langer Anlagehorizont
  • Hoher Anlagebetrag

Fazit

Je höher Ihr Anlagebetrag und der Anlagehorizont, desto höher ist der TER-Vorteil durch einen Wechsel des ETFs. Achten Sie jedoch bei Ihrer Entscheidung auch immer auf die steuerlichen Implikationen. Je höher die Kursgewinne, desto höher auch die zu entrichtende Kapitalertragssteuer. Diese wiederum fehlt Ihnen beim Vermögensaufbau und kann dazu führen, dass sich ein Wechsel im Zweifel nicht lohnt.

Bei kleinen Anlagebeträgen lohnt sich ein Wechsel in der Regel schon. Eine Alternative besteht zudem darin, Ihre Sparrate auf einen neuen, günstigeren ETF zu verteilen ohne die alten ETFs zu verkaufen.