ETF-Sparpläne stoppen? Warum ich mich einst entschieden habe, drei ETFs zu verkaufen

ETFs verkaufen, die man bespart? Für viele ETF-Anleger ist das ein No-Go. Diese Position ist nachvollziehbar. Doch Geldanlage ist ein langer Prozess, eine Reise. Warum ich mich einst dazu entschlossen habe, drei ETF-Sparpläne aus dem Depot zu werfen.

Nie waren die Zeiten besser, um langfristig Vermögen aufzubauen. Das Angebot an Anlagelösungen ist reichhaltig und groß wie nie. Und welches Produkt eignet sich am besten für den erfolgreichen Vermögensaufbau? Ganz genau: ETF-Sparpläne! „Für mich sind ETF-Sparpläne der Inbegriff der strategischen Asset-Allocation für die langfristige Vermögensbildung“, sagte Stefan Kuhn, Head of SPDR ETFs Deutschland kürzlich in einem Interview, das ich mit ihm für die neue Ausgabe des Extra-Magazins geführt habe. 

ETF-Sparplan – das Produkt ist mittlerweile fast jedem Anleger hierzulande bekannt. Doch welche Philosophie verbirgt sich dahinter? Ganz einfach, langfristiges Sparen mit einem klaren Plan. Dabei gibt es einiges zu beachten. Neben der Auswahl eines passenden Brokers gehört vor allem die Festlegung der passenden Sparplanrate dazu. Diese ist freilich nicht in Stein gemeißelt, sondern kann variabel erhöht oder gesenkt werden. Es gilt: Je höher die Sparplanrate, desto mehr Produkte sollte man tendenziell ins Depot nehmen. 

Gedanken zum Aufbau eines ETF-Depots mit Sparplänen

Wer 500 oder 1.000 Euro zum Sparen zur Verfügung hat, kann diese selbstverständlich auch nur in einen ETF stecken. Mit Multi-Asset-ETFs ist dies problemlos möglich. Wer sich selbst um sein Portfolio kümmern möchte, sollte die Sparbeträge über mehrere ETFs verteilen. Die Diversifikation über mehrere Produkte, unter Umständen auch über mehrere Anlageklassen (Aktien, Anleihen, Rohstoffe etc.), bringt es mit sich, dass man sich sehr genau über seine Risikoneigung, den Anlagezeitraum sowie sein Sparziel im Klaren sein sollte.

Tipp: Hier finden Sie eine vielfältige Auswahl von Musterportfolios zum Nachbauen.

Zudem gilt es, sich für entsprechende Positionsgrößen zu entscheiden. Dies ist ein wichtiger Aspekt. Wer sich bei 500 Euro monatlichem Sparbetrag dazu entschließt, 300 Euro in einen Themen-ETF zu investieren anstatt in den MSCI World, sollte die Auswirkungen auf das Chance-Risiko-Verhältnis einschätzen können.

Wer diesen Prozess einmal hinter sich gebracht hat, weiß, dass beim Aufbau eines ETF-Depots mit Sparplänen auch immer mal wieder Selbstzweifel auftreten. Man zaudert, fragt vielleicht lieber noch einmal in der Facebook-Gruppe „ETF-Strategie“ nach der Meinung anderer Anleger oder legt möglicherweise auch erst einmal ein Musterportfolio hier auf extraETF.com an. 

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ETFs verkaufen – meine Beweggründe

Aber zurück zur Philosophie des ETF-Sparplans. Was passiert, wenn sich die Präferenzen ändern? Wenn man mit seinem ETF-Portfolio, das man vor etlichen Jahren aufgebaut und mit entsprechen Sparbeträgen und Einmalbeträgen bestückt hat, nicht mehr zufrieden ist? Mir ist es vor etwa eineinhalb Jahren so ergangen.

Ich investierte regelmäßig in ein ETF-Portfolio, das sich über die Zeit immer weiter ausdifferenzierte, einfach weil ich meine Sparraten über die Jahre immer weiter nach oben geschraubt habe. ACWI, Emerging Markets, Europa, Technologie, Small Caps, deutsche Aktien, alles vertreten, teils mit mehreren ETFs. Irgendwann jedoch kam ich an den Punkt, an dem ich realisierte, dass ich mein Portfolio ändern muss. Meine Vorstellung, wie das Depot im Idealfall aussehen sollte, hatte sich einfach verändert. Ich wollte Positionen verkaufen.

Ich habe lange mit mir gerungen, da ich das Gefühl hatte, ich würde meinem Plan, den ich mir vor ein paar Jahren zurecht gelegt hatte, zuwiderhandeln. Ich entschloss mich letztlich aber dazu, mich nicht sklavisch einem selbst auferlegten Dogma zu unterwerfen. Wer ein Haus kauft und sich nach 15 Jahren darin nicht mehr wohl fühlt oder sich die Wohnpräferenzen einfach verschoben haben, wird sich ja auch nicht sagen: „Ich muss hier wohnen bleiben, schließlich habe ich das vor 15 Jahren mal so entschieden.“ 

Was ich verkauft habe

Also entschied ich mich, meine ETFs auf folgende Indizes aus dem Depot zu schmeißen: den Dax, den MDax sowie den MSCI USA Small Caps. Ich habe die Sparpläne also nicht nur gestoppt und die Werte im Depot belassen, ich habe sie tatsächlich verkauft. Der Vorteil: Man macht einen klaren Schnitt. Der Nachteil: Man sitzt zunächst auf Cash, für das man wieder Alternativen suchen muss. Die frei gewordenen monatlichen Sparbeträge (ein mittlerer dreistelliger Betrag) habe ich zunächst auf die anderen ETF-Sparpläne verteilt. 

Warum es die drei Indizes getroffen hat? Weil ich grundsätzlich etwas zu stark in Deutschland investiert war (unter Berücksichtigung auch von Einzelaktien) und es mir sinnvoller erschien, Tech-Werte in meinem Portfolio höher zu gewichten und andere Themen auf die Watch- bzw. Kaufliste zu nehmen. Da ich aufgrund meiner weiteren Positionen (unter anderem dem ACWI und dem Nasdaq 100) aber auch bereits USA-lastig aufgestellt war, entschied ich mich, auch den USA-Small-Caps zu verkaufen. Dieser war jedoch ohnehin nur eine Beimischung. 

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Geldanlage als Prozess

Ich kann jeden Anleger verstehen, der die Entscheidung, ETF-Sparpläne zu verkaufen, kritisiert. Man könnte mir zurecht vorhalten, ich hätte mein Sparplan-Portfolio, als ich es eingerichtet habe, nicht sauber geplant. Das kann man durchaus so sehen. Aber Geldanlage ist ein langfristiger Prozess, eine Reise. Auf dem Weg lernt man immer wieder neue Dinge hinzu, ändert hier und da auch seine Perspektive, man entwickelt sich weiter.

Insofern soll dieser Beitrag ein Mutmacher sein für all diejenigen, die ebenfalls über Modifizierungen in ihren Portfolios nachdenken, die über reines Rebalancing hinausgehen. Eine gewisse Flexibilität kann aus meiner Sicht durchaus hilfreich sein. Solange man seine grundsätzlichen Prinzipien nicht über Bord wirft.