ETFs treten zum Duell gegen aktive Fonds an

Bei der fondsbasierten Geldanlage streiten sich die Geister. Die eine Gruppe singt ihr Lobeslied auf aktive Fonds. Andere sagen: „Alles Quatsch, aktive Fonds bringen keine systematische Mehrrendite und kosten nur Geld.“ Ein Duell der Verfechter.

Sollten Sie bei einer Hausbank sein und diese zu einem Beratungsgespräch zum Thema Geldanlage aufsuchen, wird der Ablauf höchstwahrscheinlich so aussehen: Nach etwas Vorgeplänkel wird der Berater zielsicher die Broschüren zu den hauseigenen Fonds zücken. Selbstredend, dass es sich dabei nahezu ausnahmslos um aktive Fonds handelt, ist klar. Warum? Wenn ETFs Margarine sind, sind aktive Fonds Butter. Es bleibt bei den Anbietern mehr Nahrhaftes hängen. Man will sich schließlich, um im Bild zu bleiben, nicht die Butter vom Brot nehmen lassen und sich stattdessen mit einer mageren Alternative abspeisen lassen. Oft heißt es dann aber von der aktiven Seite: Qualität hat ihren Preis. Ein deutsches Oberklasseauto ist auch teurer als ein Kleinwagen aus Japan. Die Logik dahinter: Das engagierte Fonds-Team informiert sich so gut und wertet alle nötigen Daten derart gründlich aus, dass es jeden Euro an Gebühren redlich verdient hat. Theoretisch ist dagegen nichts einzuwenden. Wer den Durchschnitt schlägt, soll sich ein größeres Stück vom Kuchen abschneiden dürfen, lässt sich zugutehalten. Doch über mehrere Jahre hinweg gelingt das nur ganz wenigen Fondsmanagern, kontern Verfechter des passiven Anlegens. Und selbst wer jahrelang ein glückliches Händchen hatte, kann schon in den Folgejahren auf der Verliererstraße landen.

Die Kontrahenten

Doch bilden Sie sich selbst Ihre Meinung. Zu diesem Thema konnten wir für jede Seite je einen Fürsprecher finden. Für die passive Seite tritt Petra Gruber vom Finanzteam des Verbraucherservice Bayern in den Ring. Der Verbraucherservice Bayern im Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB) stehe für anbieterunabhängige Verbraucheraufklärung und nachhaltige Verbraucherbildung. Der Verband zeige alltagstaugliche Handlungsalternativen auf, damit Verbraucher sich sach- und bedarfsgerecht entscheiden können. Dabei orientieren sich die Verbrauchervertreter am Leitbild des mündigen Verbrauchers, der informiert und kompetent als selbstbewusster Partner am Markt auftritt. Darüber hinaus setze man sich für einen verantwortungsvollen Konsum und den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen ein. Die Angebote stehen allen Bürgern offen und werden vom Freistaat Bayern gefördert.

Ihr gegenüber steht Aymeric Francois. Er leitet das Deutschland- sowie das Österreich-Geschäft bei Investec Asset Management. Das Unternehmen versorgt Institutionen, Beratungskunden und Privatpersonen mit Anlageprodukten und -dienstleistungen. Der Kundenstamm umfasst Pensionsfonds, Zentralbanken, Staatsfonds, Versicherungsunternehmen, Stiftungen, Finanzberater und Privatanleger. Das Unternehmen tritt also als Vermögensverwalter auf.

„Lieber in ETFs investieren“ – Petra Gruber

In Zeiten von Niedrigzinsen, Handelsstreit und Brexit ist es schwer, eine rentable Geldanlage zu finden. Ein Ausweg können ETFs sein.

ETFs bieten Verbrauchern die Option, mit überschaubarem Risiko renditestark zu investieren. Die am Dax, Stoxx Europe 600 oder am Weltaktienindex MSCI World orientierten Indexfonds versuchen die Wertentwicklung der im Index enthaltenen Aktien exakt nachzubilden. ETFs sind im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds kostengünstig. Ein Ausgabeaufschlag fällt nicht an und die Verwaltungsgebühren liegen bei 0,1 bis 0,5 Prozent jährlich. Die niedrige Gesamtkostenquote (TER) sowie die günstigen Gesamtkosten über die Haltedauer bedeuten für die Anleger höhere Renditen. Indexfonds zeichnen sich durch hohe Transparenz aus. Die Wertentwicklung des Fonds ist für den Anleger einfach nachvollziehbar. Die ETFs bilden den Index physisch oder synthetisch nach. Bei der physischen Nachbildung kauft der Fondsmanager exakt die im Index enthaltenen Wertpapiere. Bei der synthetischen Nachbildung sind die Index-Aktien nicht unbedingt im Fonds enthalten. Die Wertentwicklung des Index wird aber dem Anleger durch abgesicherte Tauschgeschäfte mit einer Bank (Swap) zugesichert. Welche Wertpapiere ein ETF besitzt und wie die Swaps abgesichert sind, steht meist auf der Website des Anbieters. Das Fondskapital als Sondervermögen ist vor der Pleite des Emittenten geschützt. Die Anlegergelder werden also vom Vermögen der Fondsgesellschaften streng getrennt verwaltet und bei einer unabhängigen Depotbank verwahrt.

ETFs sind auch für kleine Vermögen geeignet. Mit einem Sparplan ab 50 Euro monatlich werden Fondsanteile zum Tageskurs erworben. Der Durchschnittskosteneffekt mindert langfristig betrachtet Wertschwankungen im Depot. ETF-Sparpläne sind flexibel und können jederzeit kostenfrei geändert oder unterbrochen werden. Bei Liquiditätsbedarf werden Anteile zum Tageskurs veräußert, die Anlage größerer Einmalbeträge ist ebenfalls möglich. Für Altersvorsorgesparer sind thesaurierende Fonds besser als ausschüttende. Denn diese investieren die Dividenden gleich wieder in Aktien und der Sparer profitiert vom Zinseszinseffekt. Die wichtigste Entscheidung bei den ETFs ist die Auswahl der Indizes. Für Anfänger, Altersvorsorgesparer oder bequeme Anleger eignen sich am besten Welt-ETFs auf MSCI-Basis. Durch die breite inhaltliche Streuung der gehaltenen Papiere, Vermeidung von Klumpenrisiken und Modethemen. Durch Größenvorteile, eine breite Streuung und niedrige Kosten sind diese ETFs sehr erfolgreich und regelmäßig auch in den Top-Listen der renditestärksten Produkte vertreten. Der Indexfonds-Sparplan ist eine bequeme Anlage. Je breiter die Streuung, umso geringer das Risiko durch Entwicklungen einzelner Sparten oder Länder. Breitgestreute Standardwerte mit niedrigen Kosten und wenig Verwaltungsaufwand, wie MSCI World-Indizes, sind für langfristige Sparpläne bestens geeignet. Es gibt keine Anlage, die gleichzeitig absolute Sicherheit, ständige Liquidität und eine hohe Rendite bietet. Bei jeder Kapitalanlage müssen je nach der Risikoneigung des Anlegers Zugeständnisse gemacht werden. Das Investieren in ETFs ist eine transparente Möglichkeit, um bei überschaubarem Risiko an der Entwicklung der Kapitalmärkte zu partizipieren und durch die attraktiven Renditen langfristig Vermögen aufzubauen.

„Langfristig ist aktiv besser“ – Aymeric Francois

Passive Instrumente eignen sich für Anleger mit kurzfristigem Renditeziel. Wer langfristig anlegen will, braucht aktives Management.

Eines der wichtigsten Themen in der Investmentwelt in den vergangenen zehn Jahren ist die zunehmende Popularität passiver Anlagestrategien. Der weltweite Anteil passiver Fonds stieg von knapp acht Prozent vor zehn Jahren auf heute mehr als 20 Prozent. Aktive Asset Manager sehen darin eine Bedrohung. Der effiziente, preiswerte Marktzugang passiver Fonds und die Tatsache, dass die Mehrheit der aktiven Aktienmanager Schwierigkeiten hat, die Performance eines breiten Marktindex zu schlagen, hat zu vielen Unsicherheiten in der Branche geführt. Ich bin der Auffassung, dass der Erfolg passiver Anlagestrategien dazu beiträgt, die Erwartungshaltung an aktive Asset Manager noch deutlicher zu definieren. Passive Strategien sind eine Chance. Passive Anlagestrategien setzen die Messlatte für aktive Manager höher. Wir müssen hinterfragen, ob wir ein ausreichend hohes Risiko eingehen, ob wir aktiv genug agieren und ob wir das geforderte Alpha, für welches wir vergütet werden, auch wirklich erzielen können. Falls uns das nicht gelingen sollte, werden sich unsere Kunden langfristig anderweitig umsehen.

Mit anderen Worten: Aktive Manager müssen einen noch aktiveren Ansatz verfolgen. Man muss seine Kompetenz auch über einen längeren Zeitraum unter Beweis stellen. Wenn sie dazu in der Lage sind, werden aktive Manager auch in der Zukunft noch eine gewichtige Rolle spielen. Dies gilt vor allem in einer Welt, in der der Fokus in weit größerem Maß auf den erzielten Ergebnissen und nicht lediglich auf der Benchmark-Rendite liegt. Finanzplaner und Berater sprechen in zunehmendem Maße von Problemlösungen und weniger von Renditen. So möchte zum Beispiel ein Anleger im Ruhestand einen bestimmten Prozentsatz seines investierten Kapitals nutzen können, ohne dass der eingesetzte Kapitalstock auf rollierender Zwölf-Monats-Basis schrumpft.

Wir können nachvollziehen, dass passive Instrumente für einige Anlageklassen sinnvoll sind, bei denen aktive Manager keine Outperformance erzielen. Oder auch dann, wenn Kunden auf einen Kurzfristansatz für ihr Portfolio setzen. Die Stärke aktiv gemanagter Fonds liegt in der Chance, bessere Ergebnisse zu erzielen als der breite Markt – indem die Rendite höher ausfällt oder das Risiko geringer. Langfristig orientierten Investoren raten wir auf jeden Fall von passiven Instrumenten ab, denn wir sehen hier klar aktive Anlagestrategien im Vorteil. 33 von 39 Fonds, die in Deutschland registriert sind, haben 2017 eine positive aktive Performance vor Kosten abgeliefert. Da wir uns als langfristiger Investor verstehen, bekennen wir uns ganz klar zum aktiven Asset Management. Der aktive Manager der Zukunft muss zwei Dinge gut können: Wenn sie eine eigene Strategie verfolgen, müssen sie
Risiken eingehen und die vorgegebenen Anlageziele erreichen. Dies generiert Mehrwert. Der Schlüssel liegt im Service. Investoren möchten die Person kennen, die ihr Geld verwaltet. Das Erkennen von Wertsteigerungspotenzial sowie der Aufbau der notwendigen Kompetenzen zur Realisierung dieses Potenzials werden von essenzieller Bedeutung sein. Asset Manager, denen dies gelingt und welche
die entsprechenden Ergebnisse liefern, werden sich erfolgreich am
Markt behaupten.

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