ETFs: Wann eine Stop-Loss-Order Sinn macht – und wann nicht

Das Depot ist satt im Plus, doch die Anzeichen für eine Korrektur mehren sich. Tech-Aktien gerieten zuletzt stark unter Druck. Wann macht eine Stop-Loss-Order Sinn für ETF-Anleger?

Von seinem Tief bei 6.860 Punkten am 23. März 2020 hat sich der US-Technologieindex Nasdaq Composite längst verabschiedet. Zwischenzeitlich notierte der Index über 12.000 Punkten und markierte auf dem Weg dorthin Allzeithoch um Allzeithoch. Doch zuletzt gab es eine heftige Korrektur. Anleger machten Kasse und ließen die Kurse der heiß gelaufenen Tech-Aktien purzeln. Bei vielen Anlegern macht sich zudem die Sorge über den nächsten Crash breit. Macht es also Sinn, seine ETFs mit einer Stop-Loss-Order abzusichern?

Die Frage ist berechtigt. Schließlich sind die globalen Risikoherde seit Beginn der Corona-Krise nicht weniger geworden. Trotz der Gerüchte, dass ein Impfstoff bereits im November 2020 auf den Markt kommen könnte, bleibt die Unsicherheit an den Finanzmärkten bestehen. Börsenprofis, speziell institutionelle Anleger, sichern Teile ihrer Portfolios mit Stop-Loss-Orders ab.

Stop-Loss bedeutet: Anleger bestimmen einen Kurs unterhalb der aktuellen Notierung, zu dem das Wertpapier veräußert werden soll. Auf diese Art soll das Verlustrisiko im Falle einer Marktkorrektur beschränkt werden. Die Stop-Loss-Order hilft Anlegern auch dabei, Gewinne abzusichern. 

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Wie funktioniert eine Stop-Loss-Order?

Der sogenannte Stop-Preis bestimmt die Kursschwelle für den Verkauf der gehaltenen Position. Sinkt beispielsweise der Wert des iShares Core MSCI World UCITS ETF (WKN: A0RPWH) unter 50 Euro (Stop-Preis), wird automatisch eine Market-Order übermittelt und das Wertpapier zum nächstmöglichen Kurs verkauft. Eine ordentliche Ausführung ist stets gewährleistet.

Anleger sollten hierbei beachten, dass der Verkaufskurs auch unter dem Stop-Kurs liegen kann. Das Risiko ist besonders in illiquiden Märkten groß, weshalb auch die Wahl des Börsenplatzes durchaus von Bedeutung ist.

Auch das Overnight-Risiko sollte nicht unterschätzt werden. Wird eine Stop-Loss-Order vor Börsenschluss nicht ausgeführt, weil der Kurs leicht über dem Stop-Level liegt und eröffnet der Markt am nächsten Tag mit einem deutlichen Kursabschlag, so kann es sein, dass der Anleger große Verluste hinnehmen muss.

Wo setzt man einen Stop-Loss?

Die wichtigste Frage für Anleger lautet: Wie groß sollte die Kursdifferenz zwischen der aktuellen Notierung und dem Stop-Preis sein? Besonders dann, wenn Quartalszahlen veröffentlicht werden, setzen Anleger Stop-Loss-Orders, um negative Überraschungen abzusichern. Nicht selten sind Kurseinbrüche nur temporär und innerhalb weniger Stunden wieder aufgeholt. Das kann für Privatanleger sehr ärgerlich sein. Andererseits kann eine Stop-Loss-Order auch zu tief gesetzt werden.

Es gibt keine optimale Faustregel. Kapitalmarktexperten raten grundsätzlich zu einer Spanne von 10 Prozent unter der aktuellen Börsennotierung. Bei schwankungsfreudigeren Wertpapieren wie etwa Schwellenländer-ETFs sollte die Kursdifferenz entsprechend größer gewählt werden – etwa 20 Prozent. Viele Anleger setzen den Stop-Loss-Wert auf ihren ursprünglichen Einstandskurs fest, um auf keinen Fall Verluste zu erleiden. Die Auswahl des passenden Kursabstands ist am Ende des Tages jedoch abhängig von der individuellen Anlagestrategie und Risikotragfähigkeit des Anlegers.

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Stop-Loss-Kurs regelmäßig „nachziehen“

Wer eine Stop-Loss-Strategie verfolgen möchte, sollte den Stop-Kurs sukzessive nach oben anpassen, wenn sich das Wertpapier in einem Aufwärtstrend befindet, um den Kursabstand nicht zu groß werden zu lassen. Auch hier sollten Anleger mit Bedacht vorgehen, denn für Anpassungen der Order verlangen Depotbanken nicht selten Gebühren. Eine automatische Orderanpassung bieten sogenannte Trailing Stops, die von immer mehr Banken angeboten werden.

Der Stop-Loss-Wert passt sich bei einem Trailing Stop bei steigenden Kursen automatisch nach oben an. Der Abstand kann ein prozentualer oder fixer Wert sein. Steigt der Kurs, so passt sich der Stop-Loss-Preis der Entwicklung an. Der Vorteil von Trailing Stops ist, dass Anleger vollständig an Aufwärtsbewegungen teilnehmen und gleichzeitig die Kursgewinne absichern.

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Macht eine Stop-Loss-Order bei ETFs Sinn?

Die Frage, ob eine Stopp-Loss-Order für Sie Sinn macht, ist abhängig von Ihrer Anlagestrategie, Ihrem Anlagehorizont und Ihrer individuellen Risikotragfähigkeit. Ein sinnvolles Risikomanagement ist für eine erfolgreiche Geldanlage in jedem Fall sehr wichtig. Langfristig orientierte Anleger werden im seltensten Fall von einer Stop-Loss-Strategie profitieren.

Ein Blick auf die Entwicklung der größten Indizes zeigt, dass diese kurzfristig zwar stark korrigieren können, langfristig ist die Kursentwicklung jedoch im Durchschnitt positiv. Je kleiner der Anlagehorizont und je größer das Risiko kurzfristiger Kursschwankungen sind, desto sinnvoller ist eine Stop-Loss-Strategie für das Risikomanagement im Portfolio.

Dennoch können Anleger, die sich vor einer heftigen Korrektur oder gar einem Crash fürchten, mit einer Stop-Loss-Order auch Teilverkäufe durchführen. So können zumindest bisher angesammelte Gewinne realisiert und damit entsprechend gesichert werden. Dabei verkauft man also nicht alle Anteile, sondern nur genau denjenigen Teil im Gegenwert der Gewinne, die im Depot sind. 

Bei der Wahl des idealen Stop-Loss-Niveaus sollten sich Anleger an der Schwankungsintensität der Wertpapiere orientieren. Am Ende des Tages bleibt die vielversprechendste Strategie, sich breit über mehrere Regionen, Branchen und Anlageklassen aufzustellen und langfristig am Ball zu bleiben. Das Portfoliorisiko sollte über die Asset-Allokation gesteuert werden. Mit der passenden Portfoliogewichtung können Anleger ihrem Risikoprofil gerecht werden, ohne auf weitere Werkzeuge setzen zu müssen.

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