Von Redaktion25. April 2022
Experte warnt: Das globale Marktumfeld bleibt schwierig

Experte warnt: Das globale Marktumfeld bleibt schwierig

Derzeit kommen einige Faktoren zusammen, die das Marktumfeld eintrüben. So beurteilt ein Experte das derzeitige globale Marktgeschehen.

Aktuell steht der Dax bei knapp 14.300 Punkten und Rohöl notiert unverändert bei über 100 US-Dollar je Barrel. Bei den Rohstoffpreisen ist keine Entlastung erkennbar und die Nahrungsmittelpreise steigen weiter an. Das globale Marktumfeld ist und bleibt schwierig. Ein zusätzlich erschwerender Faktor ist durch Chinas No-Covid-Strategie hinzugekommen. Mit dem über Shanghai verhängten Lockdown bildet sich ein erneuter Containerstau in den Häfen, der wiederum die globalen Lieferkettenprobleme verschärft – und auch verlängert. In einem solchen Marktumfeld ist davon auszugehen, dass die Inflationsrate auch weiterhin auf den aktuell hohen Niveaus verharren wird.

Das gegenwärtige Marktumfeld

Die US-Inflationsrate für den Vormonat liegt bei 8,5 Prozent. Historisch betrachtet müssen wir bis zum Anfang der 80er Jahre zurückgehen, um ein ähnliches Niveau zu finden. Spannend dabei ist, dass die Zinsentwicklung im historischen Kontext heute weitaus niedriger ist als vor 40 Jahren. Während das Zinsniveau in den 80er Jahren – bei ähnlichen Inflationsraten – bei 10 bis 12 Prozent lag, liegen wir aktuell bei knapp drei Prozent für 10-jährige US-Staatsanleihen. Das derzeitige Marktumfeld zeigt, dass die Notenbanken deutlich restriktiver agieren als wir es erwartet haben, aber auch, als es von den Notenbanken selbst angekündigt wurde. Aufgrund der hohen Inflationsrate werden Stimmen laut, die pro Sitzung eine Zinserhöhung von 50 Basispunkten (also 0,5 Prozent) fordern. In der vergangenen Woche forderten einzelne Mitglieder der FED sogar eine noch schnellere und höhere Zinserhöhung von 75 Basispunkten – das heißt jeweils 0,75 Prozent. Würde man das hochrechnen, käme man am Jahresende auf ein Leitzinsniveau von 3,00 Prozent oder höher.

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Die höheren Inflationsraten, das restriktive Verhalten der Notenbanken, der Zinsanstieg am Rentenmarkt und ein erwartungsgemäß geringeres globales Wirtschaftswachstum von etwa 3,6 Prozent belasten vielen Branchen – und so auch den Aktienmarkt. Während die globalen Aktienmärkte zum Jahresstart noch historische Höchststände verzeichneten, gab es im Januar und Februar deutliche Kursrückgänge – zwar mit einer Erholung, doch war diese nur kurzfristig. Mit den zu verdauenden Belastungsfaktoren gehen wir davon aus, dass die Konsolidierung am Aktienmarkt noch eine Zeit andauern wird.

Die Märkte werden weiterhin von nervösen und meldungsgetrieben Kursreaktionen geprägt sein und die weitere Entwicklung in weiten Teilen von dem Verlauf des Ukrainekonflikts abhängen. Freundliche Perioden und Belastungsphasen werden sich weiterhin abwechseln. Das bedeutet, dass die Volatilität in den nächsten Wochen anhalten wird. Das schöne stabile Umfeld steigender Aktienmärkte der vergangenen zwei Jahre ist damit erst einmal passé. Anleger sollten allerdings unabhängig der Masse agieren, dieser nicht „hinterherrennen“ und ihre Aktienquote gegebenenfalls antizyklisch erhöhen.

Über den Autor: Michael Winkler

Michael Winkler ist Leiter Anlagestrategie bei der St.Galler Kantonalbank Deutschland AG .

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