Von Redaktion24. Februar 2022
Experteneinschätzung zum Ukraine-Konflikt.

Experteneinschätzung zum Ukraine-Konflikt: Was bedeutet das für die Märkte?

Russland sorgt für die nächste Eskalationsstufe im Ukraine-Konflikt. Eine Markteinschätzung des Börsen-Profis Carsten Mumm zum Börsengeschehen.

Du hast es sicher auch in den Nachrichten verfolgt: In Osteuropa tragen sich Szenen zu, die wir uns wohl kaum vorstellen können. Der russische Staatspräsident schreckt offenbar nicht vor einer Invasion der Ukraine zurück. Bei all der Tragik für die Betroffenen stellt sich für dich nun die Frage: Wie geht es nun an der Börse weiter? Lies dazu gleich den Kommentar von Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel:

Aufgrund der aktuellen Lage wächst die Verunsicherung an den Börsen. Entscheidend ist jetzt, wie lange die Militäroperation andauert, wie weit russische Truppen in die Ukraine vordringen und welche Reaktionen aus dem Westen und aus China erfolgen. An den Aktienmärkten führt die Korrektur der bisherigen Erwartung eines moderaten Konfliktverlaufs zunächst zu einem deutlichen Abverkauf. Auf den Dax bezogen, könnte als Haltelinie unter charttechnischen Gesichtspunkten sogar die Marke von 13.566 Punkten ins Spiel kommen. Bis mehr Klarheit herrscht, dürften sichere Häfen wie Bundesanleihen, US-Dollar und Gold gefragt bleiben. Die außenwirtschaftlichen Verbindungen Deutschlands mit Russland und der Ukraine sind mit einem Anteil von 2,3 bzw. 0,3 Prozent am gesamten deutschen Außenhandel überschaubar.

Wird Russland vom Zahlungsverkehr abgeschnitten?

Die wichtigste Frage ist, ob es durch Sanktionen zu einem Abschneiden Russlands vom internationalen Zahlungsverkehr und folglich möglicherweise zu einer Einstellung von Erdgaslieferungen kommen könnte. In diesem Fall wären Zahlungsausfälle russischer Schuldner mit Rückwirkungen auf einzelne Banken oder Gläubiger in Europa und weiter steigende Energiepreise wahrscheinlich.

Da der Winter bisher relativ mild verlief, ist trotz relativ gering gefüllter Erdgaslager in Europa zunächst nicht mit Rationierungen zu rechnen. Noch ist die Lage zu unübersichtlich, um sich neu zu positionieren. In der Vergangenheit haben kriegerische Auseinandersetzungen zumeist nur kurzfristige Rücksetzer an den Aktienmärkten zur Folge gehabt. Allerdings ist noch nicht absehbar, wie tief die Kurse tatsächlich rutschen können. Solange nicht der Umfang des russischen Vormarsches und das Ausmaß der Sanktionen klar sind, sollten sich Anleger jedoch zurückhalten.

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