Flugskandal von Norwegen-Staatsfonds-Chef

Der norwegische Staatsfonds ist bekannt für moralische Anlagegrundsätze. Da mag der jüngste Flugskandal des Chefs nicht recht dazu passen.

Die Macher des norwegischen Staatsfonds haben sich relativ früh zu ethisch-moralische Grundsätze bei der Geldanlage der Öl- und Gaserlöse des Landes verpflichtet. Der scheidende Staatsfondschef Yngve Slyngstad schien es dabei allerdings bei sich selbst nicht so genau zu nehmen. Er hat sich von einem Hedgefonds-Manager zu einem Flug mit einem Privatjet einladen lassen. Das wiederum stellt einen Verstoß gegen die selbst aufgelegten ethischen Regeln dar, wofür sich Slyngstad bereits mit den Worten „ich habe es wirklich vermasselt“ entschuldigte.

Damit aber noch nicht alles: Der Gastgeber war nicht irgendein Banker. Es handelt sich dabei um Nicolai Tangen, seinem Nachfolger im Amt des Staatsfondschefs. Tangen soll das Amt nach dem Ausscheiden Slyngstads im September 2020 übernehmen. Da es sich im Falle Norwegens sogar um den größten Staatsfonds der Welt handelt, geht hiervon eine gewisse Strahlkraft für die ganze Anlagezunft aus. Derzeit verwalten die Nordeuropäer eine Billion US-Dollar. Da die Affäre in Norwegen hohe Wellen schlug, hat die Notenbank in Oslo beschlossen, sie werde für die Kosten für Flug und Hotel aufkommen.

Norwegischer Staatsfonds ist dennoch erfolgreich

Die jüngsten Ereignisse sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Norweger ein gut funktionierendes Konzept auf die Beine gestellt haben. Sie haben sich ein breites Geflecht an Aktien, Anleihen und Immobilien angelegt. Investiert wird in rund 9.000 Unternehmen aus 73 Ländern. Aktien machen mehr als zwei Drittel aus. 30 Prozent gehen in Anleihen und drei Prozent in Immobilien. Langfristiges Renditeziel pro Jahr: vier Prozent. Das ist bisher konservativ angesetzt. Denn seit Auflage im Jahr 1998 blicken die Verantwortlichen auf eine jährliche Rendite von 6,1 Prozent.

Tipp: In unserem Musterportfolio zum norwegischen Staatsfonds zeigen wir Ihnen, wie Sie das Anlagekonzept der Norweger einfach nachbauen können. Etwa zehn ETFs kommen dem Konzept sehr nahe. Doch auch hier hätten Anleger infolge von Corona Werteinbußen hinnehmen müssen. Für dieses Portfolio ergibt sich per Ende April 2020 ein Maximum Drawdown von 24,7 Prozent. Das wäre jener Verlust, den der größtmögliche Pechvogel im bisherigen Jahr eingefahren hätte. Fairerweise muss man aber dazusagen, dass ein großer Teil dieses Minus schon wieder aufgeholt ist.