Von Redaktion22. Juli 2022
Haben wir wirklich eine Krise an der Börse? Hier ist der Realitäts-Check!

Haben wir wirklich eine Krise an der Börse? Hier ist der Realitäts-Check!

Nach einem halben Jahr Abwärtstrend an der Börse sind viele Anleger weich gekocht und zum Spielball ihrer Emotionen geworden. Doch ist es wirklich alles so schlimm, wie viele meinen? Der Realitäts-Check zeigt, dass es eigentlich keinen Grund zur Panik gibt.

Alles war irgendwie schon einmal da. Auf- und Abschwünge und auch Krisen. Anlegerinnen und Anlegern hilft dieses sogenannte Finanz-Gedächtnis, die aktuellen Ereignisse und Entwicklungen in einen langfristigen Kontext einzuordnen. Ein Vergleich von Kursverläufen, volkswirtschaftliche Prognosen und der Stimmung der Marktteilnehmer mit früheren ähnlichen Situationen hilft, in schwierigen Zeiten den Kompass bei der Geldanlage nicht zu verlieren.

Chart-Check: Nicht mehr als eine Korrektur

Der bisherige Kursverlauf (Chart) als Fußspur des Geldes ist eine Tatsache. Hier können wir erkennen, wie sich Indizes wie der DAX oder der amerikanische S&P 500 entwickelt haben. Beim S&P 500 ist es sonnenklar: Nach der Corona-Krise ist der Index nach oben geschossen und hat neue Allzeithochs erreicht. In den vergangenen sechs Monaten hat das Barometer rund 45 Prozent dieses Anstiegs wieder abgegeben.

Damit befindet sich der Index weiterhin nur in einer Korrektur dieses großen Anstiegs und nicht in einem neuen Bärenmarkt, wie manche Kommentatoren suggerieren. Der übergeordnete Bullenmarkt ist weiterhin intakt.

Wirtschafts-Check: Es kann nur besser werden

Nicht selten werden volkswirtschaftliche Prognosen zitiert, um einen Blick auf die Zukunft der Börse zu erhaschen. Wer glaubt, je besser diese Zahlen sind, desto besser seien die Aussichten für Aktien, der irrt. Gerade wenn die wirtschaftlichen Aussichten mau waren und Barometer wie der ifo-Geschäftsklima-Index tief stand, konnten sich DAX-Anleger in den nächsten sechs und zwölf Monaten über starke Zugewinne freuen.

Nur wenn das Geschäft nicht gut läuft, sind positive Überraschungen in der Zukunft möglich, die den Aktienmarkt befeuern können. Indikatoren wie das ifo-Geschäftsklima befinden sich aktuell auf einem Niveau, von dem aus es in der Vergangenheit zu teils substanziellen Zugewinnen am Aktienmarkt kam.

Stimmungs-Check: Viele Pessimisten sind gut für steigende Kurse

In den USA ermittelt die American Association of Individual Investors (AAII) jede Woche den Anteil von Pessimisten und Optimisten unter den privaten Aktienanlegern. Aktuell erwarten fast 60 Prozent der Befragten fallende Kurse. Das sind doppelt so viele wie im historischen Durchschnitt! Nur knapp 20 Prozent gehen von steigenden Kursen aus; der Rest zeigt sich neutral.

Das pessimistische Sentiment spricht für spürbar höhere Kurse in den kommenden Monaten. Die Erfahrung zeigt: Nach solch extrem hohen Pessimisten-Anteilen brachte der S&P 500 in den nächsten sechs und zwölf Monaten überdurchschnittlich hohe Renditen.

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Über den Autor: Stephan Albrech

Stephan Albrech ist Vorstand der Albrech & Cie Vermögensverwaltung AG in Köln