Von Katja Brauchle2. März 2022
Handel von russischen Aktien an der Deutschen Börse ab heute eingestellt

Handel von russischen Aktien an der Deutschen Börse ab heute eingestellt

Ab heute können an der Deutschen Börse keine russischen Aktien, Anleihen oder Derivate mehr gehandelt werden. Das hat die Frankfurter Börse gestern Nachmittag bekannt gegeben. Der Handel werde aus öffentlichem Interesse bis auf weiteres eingestellt.   

Gestern wurde bereits der Handel mit Wertpapieren russischer Banken ausgesetzt, etwa der VTB und Sberbank. Auch der Handel mit Papieren von sanktionierten Firmen wie Gazprom und Rosneft wurde gestoppt. Insgesamt werden nun neben russischen Staatsanleihen über 30 russische Wertpapiere nicht mehr gehandelt.

Kirchen- und Nachhaltigkeitsbanken rufen zu Boykott auf

In einer gemeinsamen Erklärung der Evangelischen Bank, der Bank für Kirche und Diakonie, der Bank für Kirche und Caritas, der Pax-Bank und fünf weiteren rufen die Verantwortlichen zu einem Boykott russischer Finanzinstitute auf. „Wir verurteilen jede direkte und indirekte Finanzierung dieses Angriffskrieges. Alle Finanzakteure müssen jetzt klar Position beziehen und Verantwortung übernehmen“, so die Erklärung.

Sanktionen nicht ausreichend

Die Sanktionen halten die Unterzeichner nicht für ausreichend. Die Verantwortung von Akteuren am Finanzmarkt ende nicht mit der Umsetzung der staatlichen Sanktionen, sondern müsse darüber hinaus gehen. „Finanzmarktakteure, die in Deutschland aktiv sind, sind aufgefordert, auch auf ihre Muttergesellschaften einzuwirken, Geschäftsbeziehungen zu beenden, auch wenn keine Sanktionen erlassen wurden.“

Dabei sind durchaus bereits positive Beispiele zu vermelden. „Wir begrüßen, dass Vergleichsplattformen russische Banken aus den Zinsvergleichen entfernt haben“ heißt es in der Erklärung. Des weiteren sollten Anlegerinnen und Anleger hinterfragen, was mit ihrem Geld finanziert wird und mit welcher Bank sie zusammenarbeiten wollen.

Europäische Anleger flüchten aus Russland-Papieren

Während die Moskauer Börse geschlossen bleibt und russische Papiere in Deutschland nicht mehr handelbar sind, ziehen sich Anlegerinnen und Anleger in anderen Ländern Europas verstärkt aus russischen Aktien, Anleihen und Derivaten zurück. Die an der Börse London gehandelten Aktien des Energiekonzerns Gazprom verloren heute 40 Prozent nach Verlusten bis zu 50 Prozent am Dienstag. Die Mineralölkonzerne Lukoil und Rosneft mussten in London ebenfalls 66 beziehungsweise 25 Prozent Einbußen hinnehmen. Die Energiefirma Novatek verlor 48 Prozent. Die Londoner Börse kündigte ebenfalls eine Aussetzung des Handels mit russischen Wertpapieren an.  Auch an der Wall Street wurde der Handel mit russischen Aktien eingestellt.

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