Ich zeige mein ETF-Portfolio – das ist das Besondere an meiner Investmentstrategie

Seit mehr als 20 Jahren als Investor aktiv, hat er etliche Fehler gemacht. Aber dabei alles, was wichtig ist, über das Investieren gelernt. Hier erläutert der Privatinvestor Torben Müller die Strategie, die er mit seinem ETF-Portfolio verfolgt.

Neue Anleger eröffnen Konten bei Neo-Brokern, mein Cousin kauft Dogecoins und der Spacs-Boom erreicht Deutschland. Da werden lang ausgeblendete Erinnerungen wach. Der Neue Markt Index stand auf seinem Allzeithoch, Börsenmagazine lieferten sich mit immer höheren Kurszielen für Tech-Aktien ein Wettrennen und selbst Berufsschullehrer fragten nach der heißesten Kursrakete. Mit Neuemissionen verdoppelte man sein Geld, sofern man bei der Auslosung Glück hatte und Aktien zugeteilt bekam. Das war 2000 im März.

Meine Fehler – auch Irrwege führen zum Ziel

Ich musste erst erfahren, wie ist nicht geht, um erfolgreich zu investieren. Irgendwann Mitte der 1990er Jahre bin ich im Supermarkt an einem Zeitschriftenständer hängengeblieben und habe mir ein Börsenmagazin mitgenommen. Wenig später hatte ich ein Abo und ein Depot. Nein, keine App. Papierformulare am Sparkassenschalter waren auszufüllen.

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Die Hürde anzufangen, sie lag viel höher als heute. Aber zocken, das ging auch damals schon. Also wurden neben ein paar Blue Chips wie Daimler (WKN: 710000) jede Menge Hoffnungsträger gekauft. Die Geheimtipps, die komischerweise gar nicht so geheim waren, weil jeder von ihnen sprach.

Biotech, Medienunternehmen, ein Nanotech-Fonds, ein Japan-Fonds, E-Commerce-Titel, ja sogar ein Unternehmen, welches Röhrenmonitore reparierte, sind in mein Depot gewandert. Buy and Hold? Indexfonds? Was ist das? Die Positionen wanderten rein und wieder raus, wurden nachgekauft und manchmal auch wertlos. Das alles zu hohen Kosten.

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Die Fondsgesellschaften erhoben einen satten Ausgabeaufschlag, dazu kamen Managementgebühren von ca. 2% pro Jahr. Selbst die Depotführung war nicht kostenlos. Irgendwann häuften sich auch die Verluste durch das planlose Trading. Kein guter Start.

Was jetzt? Neuemissionen waren en vogue, ja sogar Thema in der Berufsschule. Bloß kam man nicht so einfach ran an die neuen Highflyer. Die Börsengänge von Unternehmen, die keine Gewinne machten, aber fancy Namen hatten, waren vielfach überzeichnet.

Zwei meiner Mitschüler und ich legten ein Gemeinschaftsdepot an, mittlerweile bei einer der ersten Onlinebroker. Bevor wir aber die erste Zuteilung bekamen, war die Party vorbei. Der Neue Markt war Geschichte. Für mich war er ein Lehrer. Ich habe ihn gut bezahlt und er hat mir viel gegeben.

Ziel, Umsetzung und ETF-Portfolio

Weitgehend prognosefrei, wenig emotional, auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhend – so würde ich meinen Investmentstil heute beschreiben. Es geht nicht um den schnellen Gewinn, sondern um den Erhalt von Kaufkraft, den privaten Vermögensaufbau und den Aufbau der eigenen Zusatzrente.

Um diese Ziele zu erreichen, investiere ich einmal im Quartal einen festen Betrag in ein ETF-Portfolio. Zusätzlich zu dieser Sparrate reinvestiere ich einmal im Jahr die Summe aller angefallenen Ausschüttungen. Warum nicht einfach ein monatlicher Sparplan?

Ich habe mich für fünf Aktienindizes entschieden. Auf das klassische Rebalancing verzichte ich. Stattdessen kaufe ich immer genau den ETF, der am weitesten vom Sollwert entfernt ist. Das spart potenziell Verkäufe und somit auch Steuern. Zudem entsteht ein Vorteil bei der Liquiditätsplanung, wenn man sich entscheiden kann, ob man schon am Anfang oder erst am Ende des Quartals investiert. Der Nachteil: Es erfordert Disziplin.

Für welche Aktienmärkte habe ich mich entschieden? Die Basis besteht auch in der von mir „Coffein-Portfolio“ genannten Zusammensetzung ganz klassisch aus dem MSCI World und dem MSCI Emerging Markets. Um den Europa-Anteil ein wenig höher zu gewichten, mische ich den STOXX Europe 600 hinzu.

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Factor-Investing verspricht langfristig höhere Renditen bei erhöhtem Risiko. Die Investition in kleinere Unternehmen mit höherem Insolvenzrisiko soll eine kleine Extraportion Rendite einbringen. Der MSCI World Small Cap ist der Schuss Koffein fürs Depot.

Fehlt nur noch der Zucker, die Dividenden. Ich habe mich für einen Dividenden-ETF entschieden, weil es selbst für erfahrene Anleger in längeren Bärenmärkten wichtig ist, an die Strategie zu glauben. Und das ist einfacher, wenn regelmäßig Ausschüttungen auf das Geldkonto eingehen. Dann sind die Dividenenzahlungen ein Schmerzensgeld für die Durststrecke.

Anteil im ETF-PortfolioISINETF-Name
40%IE00B4L5Y983iShares MSCI Core World
30%IE00BKM4GZ66iShares MSCI Core Emerging Markets IMI
10%LU0908500753Lyxor STOXX Europe 600
10%IE00B8GKDB10 Vanguard FTSE All-World High Dividend
10%IE00BF4RFH31iShares MSCI World Small Cap

Langweiliges ETF-Portfolio? Aber erfolgreich!

Ich mag meine Investmentstrategie nicht. Früher war es viel spannender. Sie ist einfach furchtbar langweilig. Aber erfolgreich. Und darauf kommt es am Ende an.

Möchtest du eine aufregende Börsenkarriere wie der Wolf of Wall Street? Dann Rock’n’Roll! Auf geht’s! Verbuch die Underperformance dann einfach unter „Konsumausgaben“ oder „Lehrgeld“. Probiere dich aus. Setze aber nicht Haus und Hof aufs Spiel und spekuliere nie auf Kredit.

Hast du deinen wilden Ritt hinter dir, dann kommt die Zeit, das Thema nachhaltig erfolgreich anzugehen: Den langweiligen ETF-Sparplan einrichten und dich anderen wichtigen Dingen im Leben widmen.

Zur Person

Torben Müller (43, Führungskraft in einem mittelständischen Unternehmen) ist über 20 Jahre an der Börse aktiv, hat die Dotcom-Blase erlebt und baut bei der Vermögensbildung heute auf ETFs. Er prägt in seinem Blog und Podcast den Begriff der finanziellen Selbstständigkeit und verhilft Menschen in Coachings, ihr eigener Geldchef zu sein. Sein Motto: Dein Geld – Deine Entscheidung!