Interview: Das sollten Anleger über den neuen Wasserstoff-ETF von LGIM wissen!

Der erste Wasserstoff-ETF von LGIM ist in Europa auf dem Markt. Die ETF-Experten Philipp von Königsmarck und Tobias Merfeld von LGIM erklären, wie der ETF konzipiert ist.

Darauf haben viele Anleger gewartet. Der erste in Europa handelbare Wasserstoff-ETF von LGIM (WKN/ISIN: A2QMAL/IE00BMYDM794) ist auf dem Markt. Das Produkt ist spannend – und bietet einige Besonderheiten. Welche das sind, verraten Philipp von Königsmarck sowie Tobias Merfeld von LGIM. 

Sie bringen den ersten Wasserstoff-ETF in Europa auf den Markt. Wie ist es dazu gekommen? 

von Königsmarck: Wir haben seit längerer Zeit sehr viele Anfrage von Kunden dazu bekommen. Aktuell gibt es drei Zertifikate und einen aktiven Fonds, aber unsere Kunden haben uns gespiegelt, dass sie einen ETF als Vehikel, um in den Wasserstoff-Sektor zu investieren, eindeutig bevorzugen würden. 

Warum ist Wasserstoff als Investment-Thema aktuell so interessant?

Merfeld: Wir sehen insgesamt fallende Kosten für saubere Energie, also Solar und Windkraft beispielsweise. Hinzu kommen fallende Kosten im Bereich Wasserelektrolyse von etwa 50 Prozent in den vergangenen fünf Jahren. Beides begünstigt die kosteneffizientere Produktion von grünem Wasserstoff. Aufgrund von Skaleneffekten gehen wir davon aus, dass die Kostensenkungspotenziale noch lange nicht ausgereizt sind. Zudem gibt es auch auf der technologischen Seite extreme Fortschritte, was zu ebenfalls höheren Effizienzen im Bereich der Brennstoffzellen sowie der Elektrolyse führen sollte. 

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Das Thema hat auch politisch Rückenwind…

Merfeld: Das stimmt, der globale Fokus zur Reduzierung der CO2-Emissionen und generell zur Nachhaltigkeit geben dem Thema Auftrieb. US-Präsident Joe Biden hat bereits angekündigt, dass saubere Energie ein wichtiger Aspekt seiner Amtszeit wird. In Europa gibt es den sogenannten Green Deal mit der Zielsetzung der EU, bis 2050 klimaneutral zu sein. Dies ist mit entsprechenden Investitionsvorhaben vorhaben verbunden, die der Branche Rückenwind geben. Hierbei ist es natürlich essenziell, dass der Wasserstoff nachhaltig hergestellt wird.

Wie setzen Sie das als ETF um?

Merfeld: Wir fokussieren uns in unserem Wasserstoff-ETF von LGIM auf die industrielle Anwendung von Wasserstoff, insbesondere von grünem Wasserstoff. Wir bilden mit dem Researchunternehmen Global Data und dem Indexhaus  Solactive entwickelten Index die Wertschöpfungskette in diesem Bereich komplett ab. Dazu konzentrieren wir uns auf fünf große Themenblöcke: Wasserstoff- und Elektrolysehersteller wie Nel Asa oder ITM Power, Brennstoffzellenhersteller wie Plug Power und Ballard Power Systems sowie Gas-Spezialisten wie Linde oder Air Liquide. Hinzukommen Schwertransporte mit Schwerpunkt Busse und LKW. Hierzu zählen Aktien von Unternehmen wie Daimler, Weichai Power oder Hyundai Motors. Last but not least zählen auch Anbieter von innovativen Brennstoffzellenkomponenten dazu

von Königsmarck: Wir gehen davon aus, dass im Bereich klassischer PKWs die Batterie wahrscheinlich die führende Antriebstechnik sein wird, sich aber Wasserstoff im Bereich des Schwerkrafttransports – beispielsweise bei LKWs und Bussen – durchsetzt. 

Sie haben bereits einige Einzeltitel beispielhaft angeführt. Wie viele Titel hat der Wasserstoff-ETF von LGIM aktuell insgesamt? 

von Königsmarck: Aktuell sind 28 Titel im zugrundeliegenden Index abgebildet, die wie in allen unseren thematischen ETFs zunächst einmal gleichgewichtet in den Index aufgenommen werden. Wir führen ein halbjährliches Re-Balancing durch und prüfen, ob neue Titel hineinkommen oder bereits im Index enthaltene Titel entfernt werden. Wachsen einzelne Positionen zwischenzeitlich so stark, dass sie mehr als 15 Prozent des Indexgewichts an einem monatlichen Stichtag einnehmen, führen wir eine Neugewichtung (sprich Gleichgewichtung) der enthaltenen Werte durch. Das hat den Hintergrund, dass wir in der Performance nicht zu abhängig von einzelnen Aktien sein möchten und zudem das Konzentrationsrisiko im Portfolio senken wollen.

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Handelt es sich vorwiegend um Small- und Mid Caps?

Merfeld: Basierend auf Daten des letzten Indexanpassungstags im November 2020, sind rund 50 Prozent Large Caps in dem Index vertreten, etwa 37 Prozent Mid Caps und 12 Prozent Small Caps. Das kann sich natürlich ändern. Die Wasserstoff-Datenbank von GlobalData – dem Experten im Energie bzw. Wasserstoff Segment, mit dem wir bei der Konzeption des ETFs zusammengearbeitet haben – ist dynamisch und bestimmt das zugrundeliegende Indexuniversum. Gemeinsam mit Solactive haben wir eine Methodik entwickelt, welches dieses Indexuniversum in ein systematisches und transparentes Regelwerk verpackt und die im Index enthaltenen Titel regelbasiert auswählt. 

Was würden Sie einem Kritiker entgegnen, der sagt: Viele Aktien in der Wasserstoff-Branche sind bereits zu heiß gelaufen?

von Königsmarck: Ja, es stimmt, dass einige Aktien sehr gut gelaufen sind. Doch die langfristigen Aussichten sind dennoch aussichtsreich. Man sollte als Anleger einen mittel- bis langfristigen Horizont mitbringen, so ist unser ETFs auch konzipiert. Zudem kann man das Risiko, sich mit einer einzelnen Aktie die Finger zu verbrennen, mit der Diversifizierung eines ETFs sehr gut ausschalten. 

Wie reiht sich der Wasserstoff-ETF von LGIM in Ihr allgemeines Produktsortiment ein?

Merfeld: Wir versuchen, Themen wirklich streng thematisch von einander abzugrenzen. Das Thema „saubere Energie“ decken wir mit drei unterschiedlichen ETFs ab. Zum einen mit unserem L&G Clean Energy UCITS ETF (WKN: A2QFEN), der die gesamte Wertschöpfungskette, wie bspw. Produzenten von sauberer Energie, abbildet. Zudem haben wir den L&G Battery Value-Chain UCITS ETF (WKN: A2H5GK), der die Segmente Elektromobilität und Energiespeicherung von sauberer Energie bedient. Nun kommt der L&G Hydrogen Economy UCITS ETF (WKN: A2QMAL) hinzu, bei dem wir uns auf die industriellen Anwendungen von Wasserstoff fokussieren. 

von Königsmarck: Wir versuchen, die Themen sehr schlüssig aufzugliedern und trennscharf nebeneinander zu stellen. Alle drei ETFs verfolgen letztlich das Ziel der Klimaneutralität,  setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte und die Branchen unterliegen zum Teil auch unterschiedlichen Treibern. Die Titelüberlappung ist mit ein oder zwei Titeln bei den drei ETFs extrem gering. Genauso ist es im Bezug auf Standardindizes wie den MSCI World. Die Titelüberschneidung liegt unter fünf Prozent.