Investieren zu Höchstständen – darum spielt Timing keine Rolle

Wie wäre es damit? Sie steigen immer passend ein und aus an der Börse. Vergessen Sie es. Darum spielt Timing in Wahrheit keine Rolle.

An den besten Börsentagen investiert sein und an den schlechten Tagen am Parkettrand stehen – das klingt nach der perfekten Anlagestrategie, nicht wahr? Market-Timing nennen Börsianer diese (in der Theorie) äußerst reizvolle Philosophie, die weder in der Praxis und noch in der Wissenschaft tragbar ist.

Im Beitrag widme ich mich der Frage, was Timing-Strategien überhaupt sind, warum sie nicht funktionieren und wie sich Ihre Rendite in den vergangenen Jahren entwickelt hätte, wenn Sie immer zum ungünstigsten Zeitpunkt investiert hätten. Ich versichere Ihnen: Die Ergebnisse werden auch den schärfsten Kritiker überraschen.

Wie funktionieren Timing-Strategien?

Anleger, die auf Basis von Timing-Strategien investieren, orientieren sich bei der Bestimmung des optimalen Kauf- oder Verkaufszeitpunktes an den Chartbewegungen eines Wertpapiers. Es existieren verschiedenste Chartformationen, die Anwender dieser Methoden als Signale zum Kauf oder Verkauf werten. Diese Form der Wertpapieranalyse nennt sich im Fachjargon „Technische Analyse“ und wird überwiegend von Daytradern verwendet. Das sind Anleger, die Wertpapiere hin-und-her handeln, um kurzfristige Kursgewinne zu realisieren. Gerade in volatilen Zeiten neigen immer mehr Investoren zu Daytrading-Aktivitäten.

Tipp der Redaktion: Mit dem extraETF Finanzmanager können Sie Ihre Portfolios überwachen & analysieren, Klumpenrisiken erkennen und Watchlists für Ihre Wertpapierlieblinge anlegen.

Market-Timing ist in zwei Szenarien besonders spannend: Sobald die Märkte korrigieren und Kursschwankungen stärker werden und sobald neue Höchststände erreicht werden. Gerade Einsteiger sind in diesen Phasen besonders verunsichert. Werden neue Höchststände erreicht, so fragen sich Anleger, ob sich ein Einstieg überhaupt noch lohnt. Das führt zu Verzögerungen, die wiederum teuer enden können. Meist verpassen sie dann den Einstieg und zögern diesen sogar hinaus, sobald die Märkte wieder in den Korrekturmodus wechseln.

Steigen die Marktturbulenzen, setzt bei Einsteigern die Hoffnung (oder Angst) ein, dass die Kurse weiter fallen werden. Auch das führt zu verzögerten Engagements.

Renditen seit Erreichen von Höchstständen

Ist es sinnvoll zu investieren, wenn neue Höchststände erreicht wurden? Wir haben uns anhand der Daten zum MSCI-World einmal angeschaut, was in den vergangenen 10 Jahren passiert wäre, wenn Sie jedes Jahr zum Höchststand investiert hätten. In der nachfolgenden Tabelle finden Sie eine Übersicht unserer Berechnungen.

JahrHöchststandRendite bis heute
20113.193,00 215,1%
2012 3.299,00 204,9%
20134.299,00 134,0%
20144.816,00 108,9%
20155.124,00 96,3%
20165.398,00 86,4%
20176.402,00 57,1%
20186.840,00 47,1%
20197.618,00 32,1%
20208.619,00 16,7%
Renditen seit Erreichen von Höchstständen

Die Zahlen zeigen: Sogar im schlechtesten Fall hätten Sie als Anleger immer noch eine solide Rendite erzielt. Erweitert man die Datenbasis auf 20-30 Jahre, so verändert sich die Aussage nicht.

Wer im Tiefstand eingestiegen ist, hat natürlich eine höhere Rendite erzielt. Die Tabelle zeigt, dass Anleger nicht zu viel Zeit in die Frage investieren sollten, ob es sich ein Investment bei hohen Kursen lohnt. Gerade bei ETFs ergeben Timing-Strategien wenig Sinn.

Das können Anleger aus den Daten lernen

Es wäre wunderbar, wenn Sie immer zum idealen Zeitpunkt Ihre Wertpapiere gekauft hätten. Dieser Zeitpunkt lässt sich im Voraus jedoch niemals bestimmen. Er lässt sich auf Basis von Chartbewegungen schätzen – aber nicht sicher prognostizieren. Die Renditen seit dem Kauf zu Höchstwerten zeigt zudem, dass Anleger weiterhin eine beachtliche Performance erzielt haben. Timing spielt aus meiner Sicht keine „relevante“ Rolle. Viel wichtiger ist die Zeit im Markt.

„Market Timing funktioniert nicht und führt nur zu Verlusten“, sagt auch Top-Investor David F. Swensen, der seit über 30 Jahren den legendären Stiftungsfonds der Elite-Universität Yale betreut. Viel entscheidender für den langfristigen Anlageerfolg ist laut Swensen die Asset Allocation. Hier empfiehlt er Anlegern zu einer breiten, aktienorientierten Diversifikation und viel Geduld.

Ich sehe es genauso und habe auch meine private Altersvorsorge an dieser Philosophie ausgerichtet. Meine ETF-Sparpläne laufen – unabhängig von den Kursbewegungen – und sollte der Markt plötzlich korrigieren, wird die Sparrate kurzfristig angehoben.