Börsenkurse stark gestiegen: Lohnt es sich immer noch, ETFs zu kaufen?

Die Börsen sind stark gestiegen. Lohnt sich der Kauf eines ETFs also noch? Ja! Denn den optimalen Einstiegszeitpunkt an der Börse gibt es nicht. 

Den optimalen Zeitpunkt an der Börse zu finden ähnelt dem Münzwurf. Im ersten Spiel liegt die Gewinnwahrscheinlichkeit bei 50 Prozent, im zweiten dann nur noch bei 25 Prozent – und so weiter. Beim Market-Timing sehen die Chancen nicht anders aus.

Anleger, die immer wieder versuchen den optimalen Einstiegszeitpunkt zu finden, haben im seltensten Fall Erfolg. Investoren müssen nämlich zusätzlich zum Zeitpunkt des Wertpapierkaufs auch den idealen Zeitpunkt zum Verkaufen bestimmen – und das ist ein schwieriges Unterfangen, das nur den wenigsten gelingt.

Studien plädieren für passiven Anlageansatz

Es ist eine Frage, die nicht nur Anleger, sondern gerade die Wissenschaft bewegt. Lohnt sich Market-Timing auf lange Sicht? Die klare Antwort: Nein, es lohnt sich nicht – zumindest in den meisten Fällen.

Im Rahmen einer umfangreichen Langzeitanalyse haben Wirtschaftswissenschaftler der Wharton School (USA) die Performance von aktiven Fondsmanagern mit Referenzindizes verglichen. Im Ergebnis konnten im 10-Jahres Zeitraum lediglich 5 Prozent der Fondsmanager den S&P 500 schlagen. Je länger der Zeitraum, desto geringer die Wahrscheinlichkeit einer Überperformance. Die Zahlen unterscheiden sich je nach Branchenfokus und Region – die Aussage bleibt jedoch gleich.

Market-Timing funktioniert letztlich nur dann, wenn Privatanleger sich ein besseres Bild vom Markt machen können als andere. Dieser Informationsvorsprung existiert jedoch in der Realität nicht. Das einzige, was wir wissen, ist: Die meisten Volkswirtschaften entwickeln sich – trotz kurzfristiger Korrekturen – langfristig positiv. Diese sogenannten Zyklen sind schwer vorhersehbar. Da langfristig jedoch mit Wachstum zu rechnen ist, empfehlen Anlageexperten stets zu passiven Anlagestrategien.

Anleger werden Opfer ihrer Emotionen

Wer mit Timing-Strategien scheitert, unterliegt grundsätzlich den gleichen psychologischen Fehlern. In Zeiten turbulenter Finanzmärkte stellen sich Anleger schnell die Frage, ob sie überhaupt investiert sein sollten. Nach langem Zögern entscheiden sie sich für den Ausstieg (dieser liegt oft nahe dem Tiefpunkt).

Im Normalfall erfolgt der Wiedereinstieg erst zu einem sehr späten Zeitpunkt wieder. Die Börsen haben sich schon deutlich erholt und knacken neue Rekorde. Diese Verhaltensanomalien führen dazu, dass Anleger viel Renditepotenzial liegen lassen.

Nobelpreisträger William Sharpe vertrat 1975 in einer Studie den Ansatz, dass Anleger, die mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent ein gutes von einem schlechten Jahr nicht unterscheiden können, keine Timing-Strategien fahren sollten. Das führe dazu, dass sie die besten Tage an den Börsen verpassen. Das schauen wir uns jetzt einmal anhand des deutschen Leitindex Dax genauer an.

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Dax-Berechnung zeigt: Es lohnt sich, investiert zu sein

Fest steht: Der optimale Einstiegszeitpunkt kann erst im Nachhinein bestimmt werden. Ein Blick auf das Renditedreieck des Dax zeigt, dass negative Renditen überwiegend in kurzen Zeiträumen erzielt worden sind. Je länger der Anlagehorizont, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit eine positive Rendite bei der Geldanlage zu erzielen.

Was würde passieren, wenn wir die besten Börsentage durch Market-Timing verpassen? Ein Blick auf die folgende Tabelle verrät: Ein paar Tage können den Erfolg der Geldanlage vollständig umkehren. In unserer Berechnung gehen wir von einer Einmalanlage von 5.000 Euro im Jahr 2000 aus.

AnlagezeitraumEndwertRendite
2000 -20208.350 Euro+67 Prozent
2000 -2020 (ohne die 5 besten Tage)5.100 Euro+2 Prozent
2000 -2020 (ohne die 10 besten Tage)3.600 Euro-28 Prozent
2000 -2020 (ohne die 15 besten Tage)2.650 Euro-47 Prozent
Quelle: DAI

Allein das Verpassen der fünf besten Börsentage reduziert die Rendite der Geldanlage um 65 Prozent. Wer sogar die fünfzehn besten Tage verpasst hat, sitzt heute auf einer negativen Rendite von 47 Prozent.

Ein Blick auf globale Aktienmärkte zeigt ein ähnliches Muster. Wer im Durchschnitt 15 Jahre im MSCI World investiert war, hat seit dessen Auflage immer eine positive Rendite erzielt – unabhängig vom Einstiegszeitpunkt.

Der Grund dafür ist leicht erklärt. Kurzfristige Verluste können besser kompensiert werden, je länger man als Anleger im Markt investiert bleibt. Wer aus Angst verkauft, realisiert nur sichere Verluste.

Fazit: Weniger Timing, mehr Zeit im Markt

Börsenlegende Peter Lynch sagte einst: „Weitaus mehr Geld wurde schon von Anlegern dadurch verloren, dass sie versucht haben, Kursverluste zu antizipieren, als durch die tatsächlichen Kursrückgänge selbst.“

Anstatt zu versuchen, den optimalen Einstiegszeitpunkt zu finden, sollten Anleger dafür sorgen, dass sie möglichst frühzeitig mit dem Investieren starten, breit streuen und lange im Markt bleiben. Auf diese Art steht einer erfolgreichen Geldanlage nichts im Weg. Wer sich selbst unsicher fühlt oder nicht genügend auskennt, kann auch einen digitalen Vermögensverwalter für die Geldanlage nutzen (siehe Tabelle unten). 

Erwartete Rendite eines Buy and Hold-Portfolios

Gerd Kommer hat in seinem Buch "Souverän investieren mit Indexfonds, Indexzertifikaten und ETFs" verschiedene Rendite/Risiko-Szenarien beschrieben.
 Portfolio 1Portfolio 2Portfolio 3Portfolio 4Portfolio 5
% risikofreie Anlage10 %30 %50 %70 %90 %
% Weltportfolio90 %70 %50 %30 %10 %
maximaler Verlust22 %17 %9 %6 %2 %
erwartete Rendite p. a.8,7 % 7,5 %6,1 %4,6 %3,1 %
empf. Mindestanlagedauer10 Jahre8 Jahre6 Jahre3 Jahre2 Jahre
Quelle: Souverän investieren mit Indexfonds, Indexzertifikaten und ETFs

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Quelle: extraETF.com, Robo-Advisor-Test 2020
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