Kampf um Anleger geht in die nächste Runde

Kampf um Anleger geht in die nächste Runde

Der ETF-Experte Detlef Glow beleuchtet und kommentiert Entwicklungen der ETF-Branche. Er veröffentlicht regelmäßig in verschiedensten Medien ETF-Artikel und -Kommentare.

Der Kampf geht weiter

DetlefGlow-ETF-Experte
Detlef Glow

Wie es scheint, wird der Kampf um ETF-Anleger in Amerika zwischen zwei der größten globalen ETF-Anbieter, Vanguard und iShares, nicht mehr nur über das Marketing und die Produktpalette, sondern seit neuestem auch wieder über den Preis geführt. So hat Vanguard angekündigt, die Verwaltungsvergütung für die angebotenen ETFs zu senken, was den Wettbewerb, in erster Linie iShares, unter Druck setzt. Das eine solche Senkung der Kosten zumindest in Europa nicht unbedingt den gewünschten Erfolg bringt, zeigt das Experiment von db x-trackers, die die Managementgebühr von ihrem Euro Stoxx 50 ETF auf 0 % gesenkt haben. Wären die Kosten das entscheidende Argument für die Anleger, dürfte entsprechend kein anderer Fonds mehr Zuflüsse aufweisen. Dass dem nicht so ist, zeigen sämtliche Statistiken zu den Mittelbewegungen im ETF-Segment.

Änderung des Basisindex angekündigt

Des Weiteren hat Vanguard angekündigt bei 26 Produkten den Basisindex zu verändern. Hierbei handelt es sich um 4 kanadische und 22 US-amerikanische ETFs. Konkret geht es darum, MSCI Indizes gegen alternative Marktbarometer von anderen Anbietern wie FTSE und CRSP auszutauschen. Dass Vanguard einen Teil seiner Fonds von MSCI Indizes auf die bisher unbekannten Marktbarometer von CRSP umstellt, ist meiner Ansicht nach ein mutiger Schritt, denn nach wie vor wird die Wertentwicklung von einem großen Teil der weltweit verwalteten Vermögen mit den entsprechenden MSCI Indizes verglichen. Dies bedeutet, dass ein Vermögensverwalter, der einfach nur den Markt, das sogenannte Beta, kaufen möchte, sich im Zweifelsfall gegen die Produkte von Vanguard entscheiden wird, da diese nicht den Markt abbilden, gegen den der Manager gemessen wird. In diesem Zusammenhang sind auch die niedrigeren Kosten der Produkte nicht relevant.

Zudem könnte der Schritt von Vanguard den Konkurrenten in eine gute Verhandlungsposition gegenüber MSCI bringen. Denn der Kurseinbruch von MSCI an der Börse hat gezeigt, dass die Anleger den Verlust eines großen Kunden sehr kritisch sehen. Sollte es iShares gelingen, niedrigere Gebühren für die Nutzung der Indizes durchzusetzen, die die dann an die Kunden weitergegeben werden, würde der Preiskampf in die nächste Runde gehen. Eine mögliche Kostenersparnis auf Indexebene könnte dann auch Einfluss auf europäische und somit auch deutsche Anleger haben. Denn wenn iShares diese Ersparnis auch in Europa an die Kunden weitergibt, könnte dies auch hier zu einem steigenden Wettbewerb und somit zu insgesamt günstigeren Managementgebühren von ETFs führen. Schließlich würden in einem solchen Falle auch die anderen großen ETF-Anbieter beginnen, hinsichtlich der von ihnen zu zahlenden Gebühren den Druck auf MSCI zu erhöhen.

Fazit:

Inwieweit Vanguard mit dem Verzicht auf die Nutzung von MSCI Indizes Erfolg haben wird, wird sich in der Zukunft zeigen. Meiner Ansicht nach ist der Ausgang dieser Entscheidung derzeit nur sehr schwer abzuschätzen. Allerdings könnte dieser Schritt die gesamte Vermögensverwaltungsindustrie bewegen, da man auf der Seite der Portfoliomanager schon länger auf der Suche nach Alternativen zu den etablierten Indizes ist. Spiegeln diese die Märkte doch oftmals nicht so wider, wie die Anleger es sich wünschen. Zudem hat auch BlackRock, die Muttergesellschaft von iShares, bei der amerikanischen SEC die Zulassung für die Konstruktion von eigenen Indizes beantragt. Ob diese Preissenkung am Ende des Tages aber tatsächlich positive Auswirkungen für die Investoren haben wird, bleibt fraglich, denn schon heute werden die Managementgebühren, in denen auch die Indexkosten enthalten sind, weitestgehend durch die Erträge aus der Wertpapierleihe kompensiert, wodurch die ETFs schon heute in der Lage sind, den Investoren die Wertentwicklung des Index ohne einen Abzug der Fondskosten zu liefern. Da die Erträge aus der Wertpapierleihe nicht garantiert sind und somit auch schwanken oder ganz ausbleiben können, führt die Senkung der Gebühren zu einer höheren Planungssicherheit im Bezug auf die Erreichung der Ziele des entsprechenden ETF.