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Kommen bald Negativ-Gebühren bei ETFs?

Die Rabattschlacht bei ETFs geht in die nächste Runde. Sogar negative Gebühren sind laut Experten bald möglich.

Die Null muss stehen, war einst die Aussage eines kernigen Bundesliga-Trainers. Dieser Devise nähert sich die ETF-Branche an. Ein Blick über den großen Teich – genauer gesagt nach Boston ­– zeigt, wohin die Reise gehen kann. Das Fondshaus Fidelity hat im Sommer damit begonnen, mehrere Indexfonds ohne Gebühr anzubieten. Auch Privatanleger mit einem Konto bei dem Verwalter kommen in diesen Genuss. „Damit hat Fidelity einen Stein ins Rollen gebracht“, erklärt Timo Pfeiffer vom Indexentwickler Solactive gegenüber dem Handelsblatt. Das würde die bisherige Fonds-Welt auf den Kopf stellen. Die Vorgehensweise kommt einem Tabubruch gleich.

Als Treiber der sinkenden ETF-Kosten gelten der harte Konkurrenzkampf unter den Vermögensverwaltern sowie der Druck institutioneller Anleger wie Pensionsfonds. Experten erwarten solche Null-Fonds schon bald auch in Europa.

„Es wird negativ werden“

Und Index-Experte Pfeiffer geht noch einen Schritt weiter: „Wird das Rennen zur null tatsächlich bei null enden?“, fragt das Handelsblatt: „Nein. Es wird negativ werden,“ erwidert Pfeiffer und steht mit seiner Meinung nicht allein. Inigo Fraser-Jenkins vom Fondshaus Alliance Bernstein in London gibt sich gegenüber dem Blatt ebenfalls überzeugt: „Darauf warte ich.“ Umso teurer erscheinen hier die Gebühren klassischer aktiv-verwalteter Fonds, die oft mit einem oder zwei Prozent zu veranschlagen sind. Dazu kommen oft Ausgabeaufschläge von fünf Prozent. ETF kosten schon heute im Schnitt weniger als 0,4 Prozent. Sogenannte Core-ETFs, also Produkte auf Standard-Indizes, sind wesentlich günstiger. So ist etwa der Invesco S&P 500 (WKN: A12DYR) genau wie der HSBC EURO STOXX 50 (WKN: A1C0BB) für 0,05 Prozent laufende Kosten zu haben.