Kommentar zum Dax 40: Ein gut gemeintes Reförmchen, aber zu wenig

In wenigen Tagen ist es soweit. Der Dax 40 ist dann Realität. Eine gut gemeinte Reform, die aber kaum was bringt. Wir wünschen uns den Dax 50 oder 60.

Der Dax 30 ist Geschichte! Der Dax wird zunehmen. Zum 20. September 2021 werden die Aufsteiger erstmals dem Leitindex angehören. Bisher waren es seit der Einführung in den 80er Jahren stets 30 Werte. Als ETF-Freunde können wir die Erweiterung zum Dax 40 nur gutheißen. Denn schließlich kann uns die Streuung gar nicht groß genug. Endlich ist der Dax etwas breiter, Danke Deutsche Börse! Der Dax wird mit den Neuen etwas frischer und jugendlicher. So sind etwa verheißungsvolle Unternehmen wie Zalando, Smyrise oder Hellofresh nun in der Börsen-Bundesliga.

Dax 40: Andere Länder machen es uns vor

Der Schritt war allerdings zaghaft und dabei überfällig. Werfen wir hierzu einen Blick über die Landesgrenze. Die Franzosen haben in ihrem Hauptindex längst 40 Unternehmen, in Großbritannien sind es 100, in Japan 225 und im amerikanischen S&P 500 tummeln sich wie der Name bereits vermuten lässt 500 Unternehmen. Und das Land des einstigen Exportweltmeisters Deutschland begnügt sich mit 40 Werten. Die zehn neuen Unternehmen können zwar etwas frischen Wind in den leicht verstaubten Dax bringen, doch können sie auch nicht mehr als ein laues Lüftchen sein.

Denn natürlich bleiben die Altvorderen erst einmal weiterhin die Säulen. Die Indexmitglieder werden nämlich nach ihrer Größe gewichtet. Bereits heute spielt die Nummer 30 praktisch keine Rolle im Dax. Spitzenreiter SAP trägt mit 10,2 Prozent zum Dax bei. Das bisher kleinste Dax-Unternehmen Covestro macht 0,8 Prozent aus. Damit ist SAP fast 13 Mal so stark gewichtet. Die zehn Dax-Aufsteiger werden also höchstwahrscheinlich in einer ähnlichen Region angesiedelt sein wie Covestro und damit in ihrer Gesamtheit weniger ausmachen als einzelne Platzhirsche wie SAP oder Linde für sich genommen.

Gut gemeint

Die Idee, den Dax auf 40 Werte aufzustocken geht in die richtige Richtung. Die neuen Unternehmen bringen einen interessanten, Branchenmix hinein, da der Dax bisher sehr stark auf traditionelle Industriezweige ausgerichtet war. Die verhältnismäßig kleineren Unternehmen lassen auch Freunde von Mid Caps aufhorchen, denn sie sind häufig agiler und versprühen statistisch gesehen höhere Kurspotentiale als die großen soliden „Tanker“.

Unser Vorschlag: Die Richtung passt, aber da geht noch mehr. Wieso nimmt man nicht noch weitere 10 oder 20 Unternehmen in den Dax auf? Das würde die Vorteile der aktuellen Erweiterung noch mehr schärfen. Also: Mehr Streuung, breiterer Branchenmix und vielleicht noch etwas mehr Size-Prämie.

Tipp: Anleger, die auf deutsche Aktien setzen möchten, müssen ohnehin nicht auf den Dax setzen. Es gibt bereits einen sehr interessanten Deutschland-ETF mit breiter Streuung. Mit dem Vanguard Germany All Cap UCITS ETF (WKN: A2JF6S) decken Anleger 95 Prozent des deutschen Aktiensektors ab und kommen auf 160 Unternehmen – viermal so viel wie der neue Dax. Dax 160 klingt übrigens auch nicht schlecht.

Vanguard Germany All Cap UCITS ETF

WKN: A2JF6S ISIN: IE00BG143G97
Kurs 28,47 €
Kosten (TER) 0,10 %
Fondsvolumen 106 Mio. €
Indexabbildung Physisch
1 Monat -1,56 %
Lfd. Jahr +14,32 %
Mehr Infos zum: Vanguard Germany All Cap UCITS ETF
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