Kommentar: Kaufen Sie Aktien – trotz Wirecard

Wirecard hat alle Zutaten, um Aktien schlecht zu reden. Lassen Sie sich davon nicht beeindrucken. Aktien sind und bleiben die attraktivste Anlageklasse.

Die Wirecard-Aktie wirft kein gutes Licht auf die Börse. Innerhalb weniger Tage hat sich ihr Wert nahezu in Luft aufgelöst. Eben noch über 100 Euro Wert, bekamen Aktionäre kurz darauf gerade mal noch etwas mehr als einen Euro je Anteil. Und das bei einem Dax-Unternehmen. Das Papier erinnert mehr an Glücksspiel als an eine ernstzunehmende Geldanlage. Längst haben hier Spekulanten das Ruder übernommen.

Wer allzu viel auf Wirecard gesetzt hat oder im schlimmsten Fall bei der Altersvorsorge auf das vermeintlich aufstrebende Finanztechnologieunternehmen aus Deutschland gebaut hat, steht nun vor dem Scherbenhaufen. Aktienmuffel würden nun süffisant sagen: „Mit meinem Sparbuch wäre das nicht passiert.“ Und ja, sie haben recht. Dieses Fiasko wäre beim Sparbuch sicher nicht eingetreten. Doch was man nie vergessen sollte: Das höhere Risiko des Aktienmarkts ist indirekt gerade seine Attraktivität. Denn Risiko und Chance stehen sich bei der Geldanlage permanent gegenüber. Diese Erkenntnis mag in den Ohren gescholtener Wirecard-Aktionäre wie Hohn klingen. Doch es sollte sie zu einer Schlussfolgerung kommen lassen: Nie wieder Einzelaktien.

Vergessen Sie Einzelaktien

Rundum Wirecard rankten sich einige Mythen, die sich jäh in Luft auflösten. Zu groß war wohl die Sehnsucht der Aktionäre endlich mal dabei zu sein, wenn sich ein deutsches Unternehmen anschickt, den sonst US-lastigen Fintechsektor aufzumischen. Der Hintergedanke, ob bewusst oder unbewusst, war, den Markt zu übertreffen. Doch wer mit hoher Wahrscheinlichkeit die langfristig attraktiven Renditen des Aktienmarkts abschöpfen wird, ist nicht der Anleger, der sich aus dem Bauch heraus oder aufgrund von vermeintlich totsicheren Finanztipps ein paar Aktien ins Depot legt. Im Gegenteil: Dieser Schuss kann, wie jüngst gesehen, mächtig nach hinten losgehen.

Natürlich ist es jetzt ein Kinderspiel, am Beispiel von Wirecard die Anlage in Einzelaktien zu zerpflücken und es steht außer Frage, dass ein ähnlicher Kursverlauf bei den allermeisten anderen Dax-Unternehmen nahezu auszuschließen ist. Doch extreme Beispiele führen die Grundproblematik anschaulich zu Tage. Doch mäßige Kursentwicklungen sind keinesfalls ein Einzelfall, meist zieht sich dann der Leidensverlauf über Jahre hin. Aktionäre deutscher Bankinstitute wissen Bescheid. Laut Finanzbuchautor Gerd Kommer sind 96 Prozent aller Aktien eher eine matte Angelegenheit und würden langfristig eine „Sparbuchrendite“ erzielen. Trauen Sie sich zu, stets die anderen vier Prozent herauszupicken? Wenn nein, sollten sie den nächsten Absatz aufmerksam lesen.

Setzen Sie auf ETFs

Ich bin ehrlich: Ich habe keine Ahnung, welche Aktien in den nächsten Jahren gut sein werden. Ich habe nicht einmal einen blassen Schimmer, welche Branchen auf der Sonnenseite stehen werden. Seien Sie skeptisch, wenn ein Berater vorgibt, dies sicher zu wissen. Hier kommen wir schon zu einer wichtigen Erkenntnis: Bleiben Sie bescheiden und hegen Sie nicht den Wunsch, eine permanente Überrendite haben zu wollen. Das geht meist nach hinten los. Auch wenn es schwerfällt, sollten Sie sich mit Mittelmaß begnügen. Es gibt keine Garantie, dass Ihnen selbst der beste Fondsmanager über Jahrzehnte eine Überrendite ins Depot zaubern kann. Und denken Sie auch daran: Sollte das über Jahre gelingen, kann sich das wieder ändern. Oder vielleicht war auch die Anlage besonders riskant, das Risiko hat sich bisher aber glücklicherweise noch nicht gezeigt.

Dieser Kommentar soll Sie aber nicht resigniert zurücklassen. Die langfristig Aktienrendite in Höhe von etwa fünf bis sieben Prozent zu überschaubaren Risiken ist nur über weltweite Streuung über hunderte oder noch bessere tausende Unternehmen möglich. Mit ETFs ist das für Privatanleger kinderleicht und dazu noch äußerst günstig möglich.

Anlegern, die rein auf Aktien setzen möchten, genügt bereits ein ETF. Zwei ETFs decken den weltweiten Aktienmarkt besonders gut ab: SPDR MSCI ACWI UCITS ETF (WKN: A1JJTC) und Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (WKN: A2PKXG). Hierbei genügt es entweder den einen oder den anderen ETF zu haben. Mit zunehmendem Alter sollten Sie auch verstärkt zur Absicherung auf Anleihen setzen. Hier bietet sich aus unserer Sicht etwa der iShares Core Global Aggregate Bond UCITS ETF (WKN: A2H6ZT) an.

Tipp: Holen Sie sich bei unseren ETF-Musterportfolios Anregungen für Ihr eigenes Depot.