Von Timo Baudzus25. April 2022
Bestsellerautor Marc Friedrich über Bitcoin, Rohstoffe und Tech-Aktien.

Marc Friedrich: Mit diesem ETF habe ich mehr als 140 Prozent erzielt

Marc Friedrich ist überzeugt: Wir befinden uns mitten in einem neuen Rohstoff-Superzyklus. Wie der Bestsellerautor von dem Megatrend profitiert und wie er zu Gold, Bitcoin und den Aktienmärkten steht, hat er uns im Interview verraten. 

Marc Friedrich ist einer der erfolgreichsten Sachbuchautoren Deutschlands. Mit Buchtiteln wie „Der Crash ist die Lösung“ und „Der größte Crash aller Zeiten“ ist er bekannt geworden. Im vergangenen Jahr stürmte er mit seinem Werk „Die größte Chance aller Zeiten“ die Spiegel-Bestsellerliste und lieferte das erfolgreichste Wirtschaftsbuch 2021 ab. Darin thematisiert Friedrich unter anderem die Chancen, die aktuell die Assetklasse Rohstoffe bietet. Friedrich ist zudem äußert bullish, was die Kursaussichten von Kryptowährungen angeht. Über beide Themen haben wir mit ihm gesprochen. 

Herr Friedrich, angesichts des Kriegs in der Ukraine flaut die Wirtschaftsdynamik ab, gleichzeitig ist die Inflation so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Wie schätzen Sie die Situation ein? 

Wir sehen gerade eine neue Zeitrechnung, einen Paradigmenwechsel bezüglich der Geldordnung. Die Notenbanken sind meiner Ansicht nach eigentlich bankrott. Parallel sehen wir große Verwerfungen. Die globalen Lieferketten sind durch Corona massiv gestört und leiden nun auch unter dem Ukraine-Krieg. Zugleich haben wir bereits eine inverse Zinsstruktur. Diese hat in den letzten 70 Jahren, das habe ich in meinem letzten Buch aufgezeigt, zu 100 Prozent immer eine Rezession vorhergesagt. Sechs bis 24 Monate, nachdem die Zinskurve invers wurde, kam eine Rezession. Und eine Rezession wird noch mehr Druck auf die Aktienmärkte geben, noch mehr Druck aber auch auf sämtliche Assetklassen generell und auf die Notenbanken.

Was bedeutet das konkret?

In einer Rezession wird alles abverkauft, da ist Cash King. Ich erwarte, dass die Notenbanken die Zinswende wieder umkehren werden. Wenn natürlich die EZB im Herbst sagt: Okay, alle Geldschleusen werden geöffnet, dann kann der Dax ganz schnell bei 20.000 oder 30.000 Punkten sein. Wenn die Notenbanken aber tatsächlich die Zinsen erhöhen sollten in der Eurozone, was ich nicht glaube, dann kann der Dax unter 10.000 Punkte fallen. Wir werden jetzt volatile Zeiten erleben. Und dann kommt der Kollaps, der finale Kollaps, von dem ich seit Jahren immer gewarnt habe. 

Wir stehen also vor einer Rezession und der Dax könnte trotzdem auf 30.000 Punkte steigen?

Sofern die Notenbanken wieder die Geldschleusen aufmachen, könnte der letzte Melt Up passieren, ja. 

Aktuell wird wieder viel über Gold gesprochen. In einer Stagflation kaum verwunderlich. Glauben Sie, dass der Goldpreis noch viel Luft nach oben hat?

Ich bin überzeugt, dass wir uns bereits mitten in einem neuen Rohstoff-Superzyklus befinden. Angesichts von Inflation, Rezession und Ukraine-Krieg müsste Gold aber eigentlich schon bei 3.000 Dollar stehen – mindestens! Deswegen bin ich kurz- bis mittelfristig bearish, was Gold angeht. Entweder wird der Kurs massiv manipuliert oder Gold ist einfach schwach. Und deswegen glaube ich, dass wir noch einmal unter 1600 oder 1700 Dollar sinken und danach erst 2.500 oder 3.000 Dollar sehen. 

Marc Friedrich: „Das Chance-Risiko-Profil ist gigantisch.“ 

Marc Friedrich: Die größte Chance aller Zeiten.
Das aktuelle Buch von Bestsellerautor Marc Friedrich.

Aber insgesamt sind Sie bullish für Rohstoffe, oder?

Die Nachfrage ist groß, das Angebot relativ gering. Zusätzlich gibt es aktuell die Sanktionen gegen Russland – und das ist ein sehr rohstoffreiches Land. All das spricht für eine Verknappung des Marktes. Parallel benötigen wir immer mehr Rohstoffe für die Digitalisierung, grüne Transformation und die E-Mobilität. Dementsprechend bin ich kurzfristig erst einmal bullish, was Rohstoffe angeht. Mittelfristig könnte es noch einmal volatil werden. Aber langfristig bin ich absolut optimistisch. Aus dem Grund muss man im Markt sein, man muss einen Fuß in der Tür haben und in Tranchen einsteigen. Aber immer eine kleine Cash-Reserve im Hintergrund haben, um dann, wenn der Markt korrigiert, antizyklisch nachzukaufen. Rohstoff-Bullenmärkte sind extrem volatil, haben aber unglaubliche Wachstumschancen. Das Chance-Risiko-Profil ist gigantisch. 

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Würden Sie eigentlich eher auf Gold oder Silber setzen?

Silber wird industriell verarbeitet und endlich verbraucht. Fast alles Gold, was jemals geschürft wurde, liegt noch auf der Erde, also noch irgendwo in einem Tresor bei Notenbanken oder bei Frauen um den Hals. Aber Silber wird endlich verbraucht. Und der Silberbedarf ist industriell weitaus höher. Man benötigt es in der Medizintechnik, in der Textilbranche, im Automobilbau, fast überall.

Wie bewerten Sie die Entwicklung bei Kupfer?

Kupfer ist stark unterbewertet, auch wenn es auf einem Allzeithoch notiert. Wenn sich der politisch motivierte ESG-Hype durchsetzt, brauchen wir sieben Mal mehr Kupfer als überhaupt produziert wird pro Jahr. Woher nehmen und nicht stehlen? Das heißt der Preis kann sich nochmal verdoppeln – mindestens! 

Sehen Sie bei Bitcoin auch die Gefahr einer zwischenzeitlichen Korrektur?

Ja, tatsächlich. Dazu habe ich vor einigen Wochen ein Video gemacht. Also ich glaube, vielleicht sehen wir noch einmal bis zum Sommer so ein kleines Aufbäumen. Aber nichts wirklich Überzeugendes. Auch bei Bitcoin sehen wir eine strukturelle Schwäche. Ich würde Bitcoin erst wieder unter 30.000 Dollar kaufen. Und das wird kommen. Vielleicht in einem halben Jahr oder Anfang des nächsten Jahres. Vielleicht gehen wir bis Sommer hoch bis 50.000 Dollar oder vielleicht sogar ein bisschen mehr. Aber spätestens im Herbst oder Winter geht es wieder Richtung Süden. Und dahingehend bin ich eigentlich kurzfristig eher negativ eingestellt, langfristig aber sehr positiv. Das heißt, wenn man unter 30.000 Dollar hereinkommt, sollte man es machen. Da sind auch Kurse auf 20.000 Dollar möglich. Und danach sehe ich sechsstellige Kurse.

Investieren Sie eigentlich auch in ETFs?

Ja, ich habe auch ETFs. Zum Beispiel den VanEck Junior Gold Minor (WKN: A12CCM). Ich habe auch den Global X Coppers Miners (WKN: A143H5 ). Da sind verschiedene Kupferaktien drin. Dann natürlich den iShares Oil and Gas Explorations (WKN: A1JKQL) und den Sprott Physical Uranium, der aber aber für Privatanleger nicht in Deutschland handelbar ist. 

Und was war der beste ETF in Ihrem Portfolio?

Der Sprott Uranium, der hat mehr als 140 Prozent gebracht. Der ETF ist super. Aber auch der Oil and Gas hat mehr als 80 Prozent gemacht. Die haben sich alle top entwickelt. Nur der VanEck Gold Miners ist etwas stehen geblieben. Aber deswegen würde ich da auch noch einmal antizyklisch nachschießen. Irgendwann werden die Minenaktien kommen.

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